Von: Johannes Ritter
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: 25. April 2759
Betreff: Arbeitsteilung
Seid gegrüßt meine lieben Kontrolleure.
Ich habe anzumerken, dass das Protokoll nicht übermittelt wurde.
Habe mit Offizier Karlson eine Münze geworfen wer die Aufgabe haben darf es nachzuholen.
Ich bin der glückliche Verlierer.
Also habe ich Offizier Santos eine Standpauke gehalten und sie an ihre Pflichten erinnert.
Niemand von uns ist wegen dem Papierkram hier,
Wie alle wollen große Abenteurer sein.
Die Sterne erkunden und dorthin gehen wo niemand vorher war
Aber zum Abenteuer gehören auch die Aufzeichnungen.
Das ist langweilig und trocken.
Dabei haben wir sehr klar an das bessere Ende erwischt
Man möge hier einfach mal an all die Frachter denken die jeden Tag und jede Woche zwischen den beiden Gürteln und Venus, Erde, Mars, Saturn und Jupiter hin und her pendeln.
Mein Vater hat sich auf diesen Frachtern verdient gemacht.
Man ist Tage und Wochen unterwegs. Meistens ist man unterbesetzt und muss doppelt und dreifach Schichten schieben.
Hier noch mal ein ausdrückliches Lob an Offizier Ground.
Die Einteilungen die er vornimmt basieren auf den offiziellen Vorgaben, die sich auf Selbstverständlichkeiten gründen.
Aber das Selbstverständliche wird allzu oft vergessen oder übersehen.
Übermüdet zieht man seinen Weg und hat seinen Weg zu finden um wach zu bleiben.
Es gibt die üblichen bekannten Wege, die offiziell natürlich niemand weiß.
Zehn Prozent der Ware gehen für Bestechung und Aufputschmittel drauf.
Ich kann stolz von meinem Vater berichten, dass er zwar die Mittel genommen hat, aber im Gegensatz zu anderen sich nicht der Abhängigkeit ergeben hat.
Sobald er die Möglichkeit hatte, leitete er das Lager seines Vertrieb.
Dann organisierte er irgendwann alle Lager seiner Firma.
Aber das war mir, meiner Mutter und meinen Geschwistern egal.
Das einzige wichtige für uns war: Das er nach hause kam. Das er dann bei uns blieb.
Ich kenne die Nachrichten von unglücklichen Frachtern, die ihren Weg nicht geschafft haben nur zu gut.
Ich verfolge diese Nachrichten immer noch.
Er vertrieb sich die ewige Nacht mit stimulierender Musik und hatte immer eine Ukulele mit dabei.
So hatten seine Gedanken und seine Hände in den einsamen Stunden immer etwas zu tun.
Darauf konnte ich nur aufbauen.
Die schmetternden klassischen Stücke die ich abspielen lasse sind soweit ich weiß nur zu oft Zielscheiben für Hohn und Spott.
Aber sie erfüllen ihren Zweck.
Meine eigentlich geliebten arabischen Lieder haben keinen Platz auf der Brücke.
Leider wiederholt sie sich zu sehr und wird in dieser unseren ewigen Nacht eintönig und einschläfernd.
Offizier Karlson darf dann meinen Part übernehmen.
Bin mal gespannt was dabei heraus kommt.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Johannes Ritter
Samstag, 19. Januar 2013
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