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Dienstag, 3. Februar 2015

Im Ring des Grauens - Erinnerung an Moos

Die Wände waren anders.
Das war das erste was ihm nach seinem Erwachen auffiel.
Wo sonst ein lange vertrautes fettiges und verdrecktes metallenes braun herrschte, war nun ein sattes dunkles grün, was eher an Moos erinnerte als an Metall.
Er war selber über sich überrascht, dass er sich noch an die Wirkung von Moos erinnern konnte.
Viel zu lange war es her, dass er durch eine Landschaft gelaufen war, die nicht aus Metall oder Steinen bestand.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Im Ring des Grauens: Verfickte Dreckscheiße

Sie hatte vergessen, wie sehr sie es hasste, wenn ihr großer Kapitän schwieg.
Robert hatte doch gefälligst zu reden wie ein Wasserfall und all seine Erkenntnisse der Umwelt mitzuteilen, ob diese es wollte oder nicht.
Sie hatte diese Wand aus Worten oft genug über sich ergehen lassen müssen.
Sei es auf der Brücke von dem Schiff, dass alle anderen aus irgendwelchen gründen neckisch „Anton“ nannten oder bei den ermüdenden Besprechungen mit all den Kreaturen, die dafür sorgten, dass „Anton“ funktionierte oder spät abends im Bett, nachdem sie beide ihren Schweiß mischten.
Robert Lampe war immer ein Quell aus Worten.
Aus diesem Grund verbrachte er nur zu gerne die Abende mit der aufgeblasenen Spinne Thomas, der ebenfalls nur aus Worten zu bestehen schien.
Je länger die beiden mit einander Zeit miteinander verbrachten, desto unglaublicher wurden ihre Geschichten.
Menschenfressendes Gras war da nur der Anfang.
Nur jetzt nicht.
Jetzt blieb der große Kapitän Robert Lampe stumm wie die unendliche Weite des Alls.
Das war kein gutes Zeichen.
Und sie war sich ziemlich sicher, dass es eher weniger mit den riesigen Würsten zu tun hatte, die sie gerade attackierten.
Auf den ersten Blick schienen die elenden Drecksviecher von allen Seiten zu kommen.
Aber nach ein zwei geübten Schüssen kristallisierte sich ein recht übersichtliches System heraus.
Die unförmigen Biester wollten einfach nur ihr Fressen haben.
Für ihr Fressen kamen sie aus ihren Löchern hervor.
Das alles war einfach nur eine andere Form von Ameisenjagd.
In der Mitte war der Obstbaum und das Ungeziefer musste davon abgehalten werden, ihn zu erreichen.
Wenn es dabei starb, war das nur in Ordnung.
Ohne es zu wollen fragte sie sich, wie sie hier her gekommen war.
Vor langer, langer Zeit hatte sie einen echten Obstbaum und kümmerte sich um Insekten, die kleiner waren als sie.
Der Obstbaum stand in der Nähe von einem Hafen und jeden Tag kamen und gingen die Raumfahrer.
Dieses dreckige, kräftige und verlangende Pack, dass ihr verdammtes Herz eroberte.
Diese unverantwortlichen, selbstverliebten und ziellosen Verlierer, zu denen ihr Vater gehörte.
Diese fordernden, hungrigen und trotzigen Menschen, zu denen sie nun selber gehörte.
Automatisch markierte sie mit ihrer Waffe ihr Revier.
Die riesigen Insekten würden ihren Zucker nicht bekommen.
Sie war eine einzige Ansammlung von Muskeln, die nur noch auf Reize reagierte.
„Ich denke das reicht.“
Roberts Stimme war so elendig leblos.
All seine Begeisterung und Energie war irgendwo, nur nicht hier..
Er war ganz und gar Kapitän und nicht er selbst.
Sie fragte sich, wie lange er das durchhalten konnte.
Bei der Frage hatte sie alles andere als ein gutes Gefühl.
Doch jetzt war nur noch eines wichtig.
Der Kern war sicher.
Der verdammte Kern war endlich geborgen.
Nach der ganzen verfickten Drecksscheiße, die sich durchgemacht hatten, waren sie endlich an ihrem gottverdammten Scheißziel angekommen.
Sie hatte keine Lust auf die Zeitmessung zu schauen, aber sie tat es automatisch.
Alles in allem hatten sie ganze sechs Stunden gebraucht um ihr Ziel zu erreichen.
Genau wie es der kleine Mikel gesagt hatte.
Dann hörte sie den kleinen Mikel fluchen.
Das war kein gutes Zeichen.

Dienstag, 2. September 2014

Im Ring des Grauens: Ein Ziel erreicht

„Da ist ja das verdammte Dreckvieh!“
Sie hatten endlich den Kern gefunden und Ella ließ ihrer Erleichterung freien Lauf.
Gut platziert, lag er in seinem Schutzmantel in dem zu erwartenden Krater.
Er hatte keine Ahnung mehr wie lange sie unterwegs gewesen waren.
Für seinen Verlust des Zeitgefühls konnte er verschiedene Dinge verantwortlich machen.
Mikels endloses Gequatsche und seine nervösen Witze, die bei einer abendlichen Runde in einem warmen Raum mit vier Wänden wahrscheinlich der Brüller gewesen wären, waren ein guter Grund
Ellas andauerndes entnervtes Fluchen konnten auch als Grund herhalten.
Denn wenn Ella etwas konnte, dann war das fluchen und wenn sie etwas bis aufs Mark nervte, dann waren das andauernde Witze die nicht zur Situation passten.
Er kannte ihre Abneigung dagegen aus ihren gemeinsamen Nächten, wo er selber vor und nach der Gymnastik auf der Matratze immer wieder Sprüche riss, die in keinster Weise witzig fand.
Wahrscheinlich stieg er deswegen fast schon lakonisch auf Mikels schlechte Witze ein.
Das musste Ella an den Rand der Weißglut bringen.
Aber Mikel war dieser kleine junge Mann, der andauernd redete und immer wieder Wodka anbot, war der Jüngste im Bunde.
Sie konnten nicht riskieren, dass er vollkommen den Halt verlor und der Raumfahrerkrankheit erlag.
Ella war sich dessen bewusst und ließ es über sich ergehen.
Humor und Fluchen waren nichts anderes als unterschiedliche Strategien um mit Stress umzugehen.
Und die Situation in der sie waren, war eine vollkommen neue Art von Stress für sie alle.
Wahrscheinlich würde sie ihm den Marsch blasen wenn sie zurück auf dem Schiff waren und dann würden sie sich gegenseitig blasen.
Wenn sie zurück kommen würden.
Wenn.
Die sphärische Quantenprojektion die sie mit erleben durften, war auch ein guter Grund für den Verlust des Zeitgefühls.
Wissenschaftsoffiziere kürzten dieses Phänomen gerne mit SQP ab.
Im Raumfahrerjargon wurde so etwas einfach als Weltraumgeister bezeichnet.
Eine genaue Erklärung hatte dafür keiner.
Es hatte etwas mit Quantensignalen zu tun, die sich bei genügend Energie durch die Raumzeitkrümmung projizierten.
Er hatte das Bewusstsein verloren und konnte sich an nichts erinnern.
Nur an weißes Licht und diesen ekligen hohen Ton. Er bildete sich ein, dass da noch irgendwo eine Stimme zu hören war, aber er war sich nicht sicher.
Wahrscheinlich hatte Mikel irgend etwas geschrien, der arme Kerl hatte das meiste mitbekommen.
Gerade deswegen hatten sie auf ihn aufzupassen.
Die sich von selbst bewegenden Steine waren auch ein guter Grund um jemanden aus dem Konzept zu bringen.
Seit der Projektion bewegten sie sich immer häufiger.
Wahrscheinlich hatten sie sich schon die ganze Zeit bewegt, es war ihnen nur wegen des Wind und des Sandes nicht aufgefallen.
Immer wieder bemerkte er eine kleine Bewegung hier und ein kleines Schleichen dort, das mit seinen neuen Erkenntnissen nicht mit den Bewegungen des Windes in Einklang zu bringen war.
Wären sie nicht abgestürzt, wäre es ihm wahrscheinlich schon früher aufgefallen.
Das alles zusammen mit ein fliegenden riesigen Schlangen war ein sehr guter Grund, jegliches Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren.
Aber die Ursache lag woanders und war viel grundlegnder.
Und egal wie oft er auf die kleine digitale Anzeige auf der Innenseite seines Helms blickte, die Zeit hatte jede Bedeutung verloren.
Der Grund dafür hieß Lampuria.

Mittwoch, 27. August 2014

Im Ring des Grauens: Problemlösung

Seit fünf Jahren war Robert Lampe Kapitän.
Sie selber war seit über zehn Jahren Maat auf diesem Schiff und hatte mehr als genug Kapitäne kommen und gehen sehen.
Robert war dabei, als Anton starb.
Der große Robert Lampe hatte von allen am längsten durch gehalten.
Katze, Spinne und Echse waren alle gerade erst drei Jahre mit dabei.
Während Robert von Anfang an sich wie von selbst auf das Schiff und den Maat einlassen konnte, waren die drei Neulinge viel zu sehr in ihren Rollen gefangen.
Garfield machte ihr mit seiner ruhigen und entspannten Art und Weise am meisten Hoffnung. Er bestand immer wieder auf der Befehlskette, aber gleichzeitig konnte er die Arbeit der anderen sehen und schätzen.

Dienstag, 22. Juli 2014

Im Ring des Grauens: Voll krass

„Können wir jetzt vielleicht mal über den Geist vom Kapitän reden?“
Vollkommen überrascht nahm er die Anwesenheit von Mikel war.
Selbstverständlich waren sie zu dritt, schalt er sich in Gedanken, genauso wie bei jeder Außen- oder Bergungsmission.
Er war nicht ausgesetzt worden.
Mikel schien seine Verwunderung gar nicht wahrzunehmen und redete einfach munter weiter.
„Ihr wisst schon, diese durchsichtige Figur die hier erschienen ist, nachdem hier alles auf einmal herum fiepte. Die dann auf den Kapitän zu schwebte und mit ihrer Hand durch seinen Kopf ging?
Will jemand Wodka? Ich habe Wodka dabei. Weiß auch wie man den hier trinkt.
Wir sollten jetzt Wodka trinken. Das ist voll der beste Moment dafür.
Was glotzt ihr so?
Glotzt ihr überhaupt? Diese Helme sind echt anstrengend.
Warum putzt die keiner?
Wenn du schon am Arsch des Universum bist, solltest du wenigstens die Fressen deiner Kumpel sehen.
War ich der einzige, der die Bilder gesehen hat, die aus dem Kopf vom Chef gekommen sind, also dem echten jetzt und nicht dem Geist.
Hey guck mal, da läuft ja noch ein Stein.
Krasse Sache das mit den Steinen. Sind das vielleicht Eier oder leben die Steine voll in echt.
Das wäre doch mal voll krass.
Genau wie die Bilder aus dem Kopf vom Kapitän, die waren ja mal übelst abgefahren.
Diese Schlange mit den sechs Köpfen und jeder hatte so voll hundert Augen?
Richtig krass.
Oder wie die Katze die Spinne gekillt hat?
Übelst krass.
Ich weiß gar nicht was ich am besten fand.
Wodka?
Die Riesenwürmer waren echt ein bisschen langweilig und dieser komische Baum erinnert mich an irgendwas.
Wirklich kein Wodka?
Wir sollten jetzt Wodka trinken.
Das hier ist echt der beste Moment dafür.
Wie diese Dinger da einfach mal alles auseinander genommen haben war schon richtig Hammer.“
„FRESSE!“
Ellas Stimme hallte in ihren Kommunikatoren statisch wieder und ein kleiner Rest bahnte sich hinaus in den Weltraum.
Sie hatte es zuerst versucht Mikel höflich zum schweigen zu bringen, aber er hatte auf ihre immer lauter werdenden Versuche nicht reagiert.
Er stand nur da und redete und redete.
Über Löcher im Raum und alle möglichen Monster, die daraus empor stiegen.
Es überraschte ihn nicht, dass Ella mit dem Jungen, der Wodka so gerne mochte nicht so körperlich wurde wie mit ihm.
Zum einen hatte sie nicht mit ihm geschlafen und zum anderen hatte sie eine Fürsorgepflicht ihren Untergebenen gegenüber, den zu guter Letzt, war Mikel einfach nur ein kleiner Junge, der sich auf seiner ersten Fahrt irgendwo im Nichts geendet war.
Er war noch nicht einmal lange genug mit dabei um die Lieder zu kennen.
Seine Überlebenschancen waren nicht gerade hoch.
„Weltraumschlangen, sich von selbst bewegende Steine und Geister, die Bilder aus dem Kopf zaubern. Wir haben wohl gerade drei Generationen von Raumfahrern die Abenteuer geklaut.“
Es war seine Stimme, die selbstbewusst die Worte formulierte.
Es war sein Körper, der sich aufrichtete, als hätte er gerade eine Katze gestreichelt.
Es war sein Gesicht, das sie nicht sehen konnten.
Mehr als sterben konnten sie nicht.
Diese Einstellung kam quasi mit dem Beruf.
Man durfte nur nicht zu hastig damit sein, dem endlosen Nichts übergeben zu werden.
Aber das waren alles philosophische Überlegungen.
Da war der Kern vom Antrieb, den sie zu bergen hatten.
„Wir müssen da lang, oder?“
Es war eine rhetorische Frage um die Konversation aufrecht zu erhalten.
Lässig deutete er die Richtung.
Mikel nickte unbeholfen in seinem Anzug und Ella zuckte gekonnt mit ihren Schultern.
Ohne weitere Worte setzten sie sich mühsam in Trab.

Dienstag, 15. Juli 2014

Im Ring des Grauens: Name und Rang.

Er bemerkte die Bewegung relativ schnell, da sie aus dem gleichmäßigen Rhythmus des Windes herausfiel, der gleichmäßig den Sand mal in die eine, mal in die andere Richtung trieb.
Es war eine kleine, langsame Bewegung, die fast nicht auffiel, aber trotzdem gleichmäßig und ziel gerichtet.
Vorsichtig begann er einen Fuß schwerfällig vor den anderen zu setzen, so ruhig und kontrolliert wie es sein Raumanzug zuließ.
Je näher er der Anomalie im windigen Gestöber kam, desto größer und klarer wurde sie.
Eine alte Stimme erinnerte ihn daran, dass er sich mitten im Nichts befand und das es keine besonders gute Idee war in so einer Situation etwas Unbekanntes genauer in Augenschein zu nehmen.
Aber auf der anderen Seite hatte er nicht mehr zu verlieren als sein jämmerliches Leben.
Entweder würde er sterben oder eine Entdeckung machen, die ihn weiter bringen und seinem nichtsnutzigen Namen etwas Strahlkraft verleihen würde.
Vielleicht war da ja was, was den fliegenden Schlangen im Nicht das i Tüpfelchen aufsetzen würde.
Dann sah er es.
Dann erkannte er es.
Dann erinnerte er sich.
Dann riss ihn jemand nah hinten.
„Pass auf du Idiot!“
Es war Ella, einer der Drachen, die gut in der Hand lagen.
„Der Stein wandert,“ hörte er sich selber sagen.
Es klang in keinster Weise dramatisch, geschweige denn nach großem Entdecker.
Vielmehr vermittelte es den Eindruck von einem kleinen Jungen, der von einem noch kleineren Mädchen überraschend von der Schaukel herunter gestoßen wurde.
Die ganze Zeit war er mit sich selber beschäftigt gewesen, ohne auf seine Umwelt zu achten.
„Du bist ja heute von der ganz schnellen Sorte.“
Ihre Stimme hatte diesen spöttischen, trockenen Ton, der ihn entweder heiß machte oder abkühlen ließ.
Im Moment war es eine gesunde Mischung aus beidem.
„Name und Rang.“
Ihr Ton wurde trockener, kontrollierter.
Lag bis eben noch so etwas wie eine ungezwungene Unterhaltung in der Luft, so war nun etwas kälteres zu spüren.
Kontrolle.
War der Kapitän noch auf seinem Posten oder musste jemand anderes für ihn übernehmen?
Es brauchte im Notfall nur eine Person um den Kern zu bergen.
Alleine war es keine leichte Aufgabe, aber zu schaffen.
Mit einer einfachen Drehung und zwei Handgriffen hatte Ella ihn bauchlings auf dem Boden, seine rechte Hand mit ihrem Knie fest auf seinem Rücken fixiert und einen spitzen Stein stabil zwischen seiner Sichtscheibe und dem Boden platziert.
„Lampe, Robert, Kapitän BIB 59, Dienstzeichen 010288.“
„Hört sich gut an und jetzt für mich.“
„Mende, Ella, Unteroffizier BIB 59, DIenstzeichen 190730.“
„Das „Ella“ lass ich dann mal gelten.“
Fast sanft löste sie die Fixierung.
Tölpelhaft drehte er sich zu ihr um, immer noch auf dem Boden liegend.
„Das hat dir doch Spaß gemacht,“ warf er ihr in einem deutlich kindischen Ton vor.
Sie war eine der wenigen, die er kannte, die in den klobigen Raumanzügen mit den Schultern zucken konnte.



Dienstag, 8. Juli 2014

Im Ring des Grauens: Wer/Was/Wo?

Instinktiv, fast nervös, weil ihm nichts anderes einfiel, kontrollierte er den defekten Zeitmesser, der immer noch nichts anzeigte.
Er hatte nie verstanden, warum man in seiner Zunft Uhren Zeitmesser nannte, geschweige denn Chronometer.
In Situationen wie diesen, war die Zeit das unwichtigste überhaupt.
Was interessierte ihn die Zeit, die auf irgendeinem entfernten Planeten verging.
Das was wichtig war, das war der Status.
Sein Status war stabil. Mehr oder weniger.
Seine Gedanken drifteten ab.
Eine Stimme in seinem Kopf, die verdächtig nach seinem alten Vorgesetzten klang rief ihn zur Ordnung und erinnerte ihn die Situation in fünf klare Fragen zu unterteilen.
Wer war er?
Wo zur Hölle war er?
Wie war er hierher gekommen?
Was musste er tun, um wieder nach Hause zu kommen?
War er mit jemandem unterwegs und wen ja, mit wem genau?
Sein Name war Robert Lampe, Dienstzeichen 010288, kommandierender Offizier von Frachter BIB59, der von seiner Besatzung „Anton“ genannt wurde.
Das war doch schon mal ein Anfang. Zu der Besatzung gehörten unter anderem eine Katze, ein Reptil und eine Spinne.
So weit, so gut.
Während er sich gedanklich orientierte, prüfte er auch die Umgebung, in der er sich befand.
Eine Ansammlung aus Steinen und Sand, der vom Wind herum getrieben wurde und die Sicht verschlechterte.
Dunkel erinnerte er sich an eine alte Kindergeschichte, wo ein Reisender seinen Kometen verließ und andere Raumkörper besuchte, auf denen auch immer nur eine Person lebte.
Er war also auf einem größeren Asteroiden inmitten von anderen kleineren.
Diese Erkenntnis führte nur zu weiteren Fragen.
Handelte es sich um einen Ring inmitten eines Planetensystems oder um ein losgelöstes Feld, welches durch das Nichts zwischen den Systemen trieb?
Da er nicht wusste im welchen Teil des Raums er sich befand, wusste er nicht welche Alternative ihm lieber war.
Vor seinem Auge blitzen Bilder von riesigen Schlangen auf, die den Raum durchquerten.
Auf und ab bewegten sie ihre gigantischen Körper zwischen den Brocken aus Stein mitten im Nichts.
Jurathiel. Legendäre Kreaturen der Raumfahrer, von jedem den er kannte als Märchen abgetan.
Und er war ihnen begegnet.
Ein Lächeln, von dem er wusste, dass es als arrogant galt, machte sich auf seinem Gesicht breit.
Er hatte einen Erstkontakt mit einer Lebensform gehabt, die es nach aktuellsten wissenschaftlichen Wissen gar nicht existieren durfte.
Das dürfte seiner Reputation einiges an Aufwind geben und ihn von diesem elenden Frachter weg holen.
Vor seinem inneren Auge bewegten sich die legendären Kreaturen weiter und schließlich erfolgte der fatale Schlag.
Wie ein unnützes Insekt wurde er mitsamt seines verdammten Frachters auf einen Steinbrocken nieder geworfen.
Dabei wurde der Kern abgeworfen, den er nun wieder zurück holen wollte.
Zusammen mit zwei Mitgliedern der Mannschaft.
Zuhause war im Moment das Schiff mit dem Namen Anton, denn vor den Jurathiel wurden sie mitten im Sprungkanal von etwas getroffen. Etwas sehr sehr kleinem, aber wenn man sich im Hyperraum befand, dann reichte das vollkommen aus um jemanden an den Rand des Universums zu senden.
Geschichten darüber gab es genug.
Das alles beantwortete aber immer noch nicht, warum er sein Bewusstsein verloren hatte.
Dann bewegte sich etwas rechts vor ihm.

Dienstag, 1. Juli 2014

Im Ring des Grauens: Guten Morgen

Er hatte das Bewusstsein verloren.
Das war kein gutes Zeichen.
Seine Hand zitterte.
Das war gar kein gutes Zeichen.
Vor ihm lag ein nichts aus Stein und Sand.
Über ihm entfaltete sich ein Himmel, der von Brocken aus Stein beherrscht wurde und nicht von Sternen.
In seinem Ohr forderte eine monotone Stimme immer wieder Informationen über den aktuellen Status der Erkundung.
Anstatt seiner Uniform hatte er einen Raumanzug an.
Das alles war kein sehr gutes Zeichen.
Der Status war ihm nicht bekannt, denn er wusste noch nicht einmal wo er war.
Es konnte nur noch besser werden.
Natürlich wusste er auch noch, dass er Kapitän eines Schiffes war, aber das war in der Praxis eine eher temporäre Situation.
Sobald man auf einem Schiff anheuerte, wurden in der Kantine oder nebenbei alle möglichen Geschichten über die verschiedenen Kapitäne erzählt, die ihr endgültiges Schicksal durch Meuterei oder Resignation erfuhren.
Diejenigen, die ihren Moment zum resignieren nicht wahrnahmen, wurden schlicht und ergreifend auf dem nächsten Planeten ausgesetzt.
Hatte es nun auch ihn getroffen?
Auf einem Hals der aus Gummi bestand versuchte sich sein Kopf zu orientieren.
Nicht nur sein Arm, sondern sein ganzer Körper zitterte.
'Blinzeln' fuhr es ihm durch den Kopf.
'Atmen' kam wie ein Blitz danach.
'Herzschlag' ermahnte ihn seine eigene Stimme.
Automatisch legte sich seine rechte Hand auf sein Herz, welches weit über der angemessenen Frequenz schlug.
Abwechselnd blinzelte er mit den Augen und atmete erst ein und dann aus, um seinem Körper den nötigen Takt vorzugeben.
Nach zehn Durchgängen, hatte sich sein Herz wieder beruhigt und das Zittern der Hände ließ ein wenig nach.
Der Untergrund auf dem er lag war aus Sand und Stein.
Wo war dieser Untergrund?
Er konnte atmen.
Das war doch schon mal ein gutes Zeichen.
Atmen war immer gut.
Erst recht, wenn man sich in einem Raumanzug befand.
Raumanzüge hatten zu funktionieren.
Um ihre Funktion zu überprüfen, hatten sie Kontrollen.
Diese Kontrollen mussten überprüft werden.
Ansonsten hatte er noch eine knappe halbe Stunde und dann würde er erleben wie sich der Sauerstoff in seinem Körper zu Kohlenstoffdioxid verwandelte.
Kohlenstoffdioxid konnte von Pflanzen mittels Photosynthese wieder zu Sauerstoff umgewandelt werden.
Er war keine Pflanze.
Wie von selbst organisierten sich die Finger seiner rechten Hand auf der Tastatur seines linken Armgelenks.
Zahlen und Buchstaben erschienen auf dem Plastik, der sein Gesicht vor dem Nichts trennte.
Langsam richtete er sich auf, bis er aufrecht stand.
Ihren Instinkten folgend, spielten seine Hände eingeübt auf den Tasten um Informationen abzurufen und verloren dabei jedes unsichere Zittern.
Der Zeitmesser war ausgefallen, somit hatte er kein Indiz dafür wie lange er sich schon in dieser Situation befand.
Alle anderen Anzeigen flackerten zwar etwas unruhig, aber sie zeigten die wichtigen Dinge an.
Sauerstoff und Druck waren vorhanden und stabil.
Verwertungsanlagen für die körperlichen Ausscheidungen arbeiteten ohne Probleme.
So weit war alles gut.
Ohne den Zeitmesser musste er sich auf sein Gefühl verlassen, wie lange er schon auf diesem Raumkörper war und ob er sich in einer guten oder schlechten Situation befand.
Gemessen an seinen Frauengeschichten war sein Gefühl nicht gerade die zuverlässigste Grundlage.
Obwohl er sich immer wieder vornahm sich ein kleines dummes Ding zu angeln, das einfach nur im Bett gut in der Hand lag, landete er immer wieder bei kleinen selbstbewussten Drachen, die im Bett gut in der Hand lagen.
Anscheinend war sein Gefühl bei der zweiten Sache zuverlässiger.


Dienstag, 29. Oktober 2013

Im Ring des Grauens: Klingelingeling

„Weiter!“
Während sie ihre Befehle bellte, spuckte sie immer wieder etwas von ihrer dunklen Spucke gegen ihre Atemmaske.
Egal wie sehr sie sich bemühte, es landeten immer wieder Tropfen an die Scheiben, die vor langer Zeit mal blank und durchlässig waren.
Sie konnte sich nicht daran erinnern jemals eine neue Atemmaske gesehen zu haben.
Die, die sie jetzt trug war dumpf und von einem dreckigen Grün.
Nichts an oder in diesem Schiff war neu.
Die allgegenwärtigen Farben waren Grau, Braun, Schwarz und Grün, in allen möglichen dreckigen Abstufungen.

Montag, 14. Oktober 2013

Im Ring des Grauens: Risse

„Spannung ist mehr oder weniger stabil.“
Knarzend drang Sonjas Stimme über die Kopfhörer an ihr Ohr.
Der Alligator war auf seinem Posten.
Der Kapitän hatte sich mit seiner Geliebten zu einem Spaziergang entschlossen.
Der Kapitän musste als echter Mann persönlich den Kern hohlen.
Der Kapitän hatte das gefallene Schiff verlassen.
Also war es an ihr, der Spinne, dem Alligator und der Katze das Schiff zu sichern.
Hinter ihr suchten ihre zweiten, dritten und vierten Paare von Händen die Wände nach Schwachstellen ab.
Klickernd und klackernd klapperten sie auf und ab um auch jedes noch so kleine Loch ausfindig zu machen.
Jede noch so kleine Öffnung stellte eine Gefahr für das gesamte Schiff dar.
Die Rechnung war einfach.
Draußen gab es keinen Druck, Drinnen gab es es viel Druck.
Was passiert mit einem Loch oder mit einem Riss, wenn es zwischen unterschiedlichen Widerständen steht?
Die Widerstände vergrößern den Durchgang um das fehlende Gleichgewicht auszugleichen.
Am Ende würde das große Nichts ein wenig mehr Masse zum verteilen haben und Anton würde samt Mannschaft elendig vergehen.
Das ganze würde knappe zwei Stunden dauern, wenn die Hülle erst einmal gebrochen war.
Wenn das Loch erst einmal groß genug war, gab es kein zurück mehr.
Verzweifelt würden ein paar arme Laufburschen versuchen die Lücke zu schließen, nur um als erste den Bruch mitzuerleben, um dann hinaus gesogen zu werden.
Sie würden vorher tief Luft holen, was genau das war, was man nicht tun sollte wenn man in das Vakuum gesogen wird.
Denn wie jede Materie sucht sich auch die Luft ihren Weg.
Was für ein Schiff gilt, gilt auch für einen organischen Körper.
Die Lungen würden platzen vor lauter Luft.
Der alte Anton hatte es ihr immer wieder vorgeführt.
Er hatte eine recht ansehnliche Sammlung an verschiedenen Tieren gehabt, die er nur zu gerne Druckunterschiede spüren ließ.
Nach der Wand kam die Sektion, dann das Deck, dann der ganze Rest.
Egal wie sehr siech Maschinenraum oder Brücke bemühen mochten, wenn die Wand erst einmal ein Loch hatte, dann war alles verloren.
Konzentriert beobachtete sie den weißen Rauch in den Gängen.
„Licht wäre praktisch.“
Thomas war also auch noch auf seinem Posten.
Wahrscheinlich hatte er im ganzen Stress jemanden verpuppt.
Bonnie hoffte inständig, dass er sich an einem seiner eigenen Leute vergriffen hatte.
Zum jetzigen Zeitpunkt konnte sie nur schwer auf jemanden verzichten.
Die Spinne war sich dessen rational bestimmt bewusst.
Emotional hatte er aber eine Neigung dazu in Stresssituationen überzureagieren.
Wabernd und gleichmäßig bahnte sich der weiße Rauch durch den Gang.
Der Trick bestand darin nicht auf die Wände zu schauen, sondern auf die Mitte des leeren Ganges zu achten.
An den Seiten war die Luft immer unruhig und ohne Orientierung
In der Mitte überlegte sie sich jedoch welche Richtung sie einschlagen will.
Dafür war der weiße Dampf da.
In erster Linie war er dafür da um die Ausweitung der elenden kleinen Risse zu verlangsamen.
Das war nur eine kurzfristige Lösung.
Seine eigentliche Funktion bestand darin dem geübten Augen zu zeigen, wo die gottverdammten Risse waren eigentlich waren.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Im Ring des Grauens: Aufräumarbeiten

„Wenn ich auch nur einen Riss entdecke, stopfe ich ihn mit euren Knochen.“
Sing Maat sing
Sing dein Lied,
auf das dem Schiff auch nichts geschieht.
Sie hatte sich darauf trainiert wahnsinnig zu wirken.
Das hatte bei der Mannschaft die beste Wirkung.
Erst recht in Situationen, in denen es um Leben oder Tod ging.
War ja nicht der erste Absturz.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Der Flug der Aurore 31

Von: Janine Karlson
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: 28. April 2759
Betreff: Bin gerade nicht wirklich zu genießen

Die Dinger sind immer noch nicht fertig.
Also.....
Warum sind Blondinenwitze immer so kurz?
Damit die Männer sie auch verstehen.
Warum sind feste Freunde wie Kakerlaken?
Sie hängen in der Küche rum, und man wird sie nur schwer los.
Warum sind Lebkuchenmänner die besten Männer?
Sie sind niedlich, sie sind süß und wenn sie unverschämt werden, kann man ihnen den Kopf abbeißen.
Warum sind Männer wie Hunde?
Beide haben eine unbegründete Angst vor dem Staubsauger, beide sind übermäßig fasziniert vom Schoß einer Frau und beide misstrauen dem Briefträger.

Dienstag, 29. Januar 2013

Der Flug der Aurore 29

Von: Louis Ground
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: Montag 27. April 2759 17.20 Uhr
Betreff: Gedankenfutter

Thoman aus der dritten Reihe ist nun an Deck und hat sein Quartier bezogen.
Muss ihn bei Gelegenheit mal fragen was es mit seinem Namen auf sich hat.
Macht einen angenehmen Eindruck.
Ritter hat mir ein Buch vor die Nase geknallt.
Ich bin dem alten Bastard dankbar und verfluche ihn im selben Atemzug.
Es ist eine kurze, aber auch ausgiebige Geschichte der Raumfahrt.
Vor langer Zeit war der Raum leer und ruhig.
Dann entschied sich der Mensch, dass ihm die Erde zu klein war und begann sich auf anderen Planeten nieder zu lassen.
Über die Jahre und Jahrhunderte errichteten sie ein System aus Linien auf denen sie ihre Reisen tätigten.
Wenn man diese Linien in einem Modell anordnet ergibt es ein zweidimensionales Gebilde aus geraden Strichen.

Montag, 28. Januar 2013

Der Flug der Aurore 28

Von: Louis Ground
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: 27. April 2759
Betreff: Stimmungsbild

Über manche Sachen darf man nicht zu lange nachdenken.
Wie die Wiederaufbereitungsanlagen sind das beste Beispiel.
Wir wissen alles was sie aufbereiten und woher die Essensgeneratoren ihre Energie beziehen.
Es ist eine gut belegte Tatsache, dass die Gerüche und Geschmäcker die man beim Konsum der Speisen und Getränke zu vernehmen glaubt ein Streich der Einbildung ist.

Sonntag, 27. Januar 2013

Der Flug der Aurore 27

Von: Janine Karlson
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: 27. April 2759
Betreff: Scheiß Bürokratie

Oh hochgelobte Supervisoren auf dem gelobten Mars.
Die Supervision steckt mir noch in den Knochen und vor mir liegen die Profile und die Beurteilungen der Mannschaftsmitglieder die ich mit Lena zu bearbeiten habe.
Diese ganze tolle Bürokratie türmt sich vor mir auf und weigert sich zu schrumpfen.
Das nehme ich zum Anlass jede Übertragung bis zur Fertigstellung der Profile mit schlechten Witzen zu füllen

Samstag, 26. Januar 2013

Der Flug der Aurore 26



Von: Lenchen
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: 27. April 2759
Betreff: Da war auf einmal Arbeit.

Jenny war auf einmal Offizier Karlson.
Ich mag Offizier Karlson nicht.
Janine will ich gar nicht erst kennen lernen.
Die Eigenschaft zwischen verschiedenen Rollen zu wechseln finde ich beängstigend und Ehrfurcht erregend.
Wenn ich hier draußen etwas werden will muss ich das auch können.
Ob ich das wirklich können will weiß ich nicht.
Können, wollen, dürfen und müssen sind vollkommen unterschiedliche Dinge.

Freitag, 25. Januar 2013

Der Flug der Aurore 25

Von: Johannes Ritter
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: Montag 27. April 2759 18. 15 Uhr
Betreff: Langweilige Geschichte

Hallo meine geschätzten Kontrolleure

Hier nun das Protokoll der letzten Besprechung.
Der Grund warum ich das letzte Protokoll „vergessen“ habe, liegt darin, dass wir die Supervision vergessen haben.
Werde diese Kleinigkeit Santos bei Gelegenheit beichten.
Mögen die Kontrolleure mit uns Gnade walten lassen.

Protokoll der Mannschaftsbesprechung am Sonntag 26. April 2759 15.30 Uhr
Anwesend: Johannes Ritter, kommandierender Offizier, Janine Karlos, medizinischer Offizier, Louis Ground, technischer Offizier, Magdalena Santos, wissenschaftlicher Offizier
Protokoll: Johannes Ritter, kommandierender Offizier

Donnerstag, 24. Januar 2013

Der Flug der Aurore 24

Von: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
An: Zentralrechner Aurore
Kopie: Koordinierung Ymir
Datum: 26. April 2759
Betreff: Glück und Gesundheit

Geliebte Mannschaft auf der strahlenden Aurore.

Jedes Wort ihrer Übertragungen saugen wir gierig und dankbar auf, um so gut es geht ihren Erlebnissen zu folgen.
Ihr Engagement und ihre Kreativität sind das Herzblut dieser großen Aufgabe.
Ohne ihr Wissen und Können wäre die Aurore nur ein leeres Schmuckstück, welches zwar strahlend glänzt aber nur ideellen Wert besitzt ohne wirklich einen Zweck zu erfüllen.
Unsere Herzen springen vor Freude wenn wir die Entwicklung dieser einzigartigen Mannschaft auf dieser einzigartigen Mission in diesem einzigartigem Schiff verfolgen.
Um ihre wunderbaren und wegweisenden historischen Taten so gut es geht für die Nachwelt nachvollziehen zu können weisen wir sie hier noch mal ausdrücklich darauf hin gewissenhaft an die Protokolle zu denken, die den wichtigen Kern ihrer Erlebnisse bilden.
Es wäre uns auch unglaublich hilfreich, wenn sie so akkurat sein könnten und ihre Übertragungen mit der jeweiligen Zeitangabe in Mitteleuropäischer Zeit zu versehen.
Dadurch können wir ihre einmaligen Eindrücke besser chronologisch einordnen und genauer nachvollziehen welche Äußerungen auf welchen Aktionen gründen.
Ihre Schritte außerhalb der alles umschließenden Wolke werden ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern haben. Nicht nur weil dies die erste bemannte Mission hinaus in die unbewohnten Gebiete ist, in die bis jetzt nur Sonden zum Sammeln von Daten gesendet wurden. Nein, der intersolare Charakter mit seiner multilateralen und friedlichen Grundstimmung ist der wichtigste wegweisende Schritt den wir in unserem gemeinsamen Heute tätigen.
Die vier zentralen Mächte des inneren Systems haben sich gemeinsam dazu entschlossen nach ihrem besten Vermögen und Können diese Mission auf den Weg zu bringen und zu gestalten.
Dies ist ein wunderbares Zeichen für die Zeiten die auf uns zukommen und die heranwachsenden Generationen die diese Zeiten gestalten werden.
Wehmütig ist uns bewusst, dass wir die Kommunikation in absehbaren Tagen abgeben müssen.
Das große Glück den wirklich wichtigen Teil ihrer Arbeit zu begleiten und zu beraten liegt bei unseren Brüdern von der Koordinierung auf Ymir.
Ihre Nachrichten werden weiter an uns übermittelt, aber durch die natürlichen Gegebenheiten des Systems werden wir nicht dazu in der Lage sein direkt zu supervidieren.
Unsere Gefühle können nur mit Neid und Stolz beschrieben werden.
Die Zeit mit ihnen ist kostbar und kommt nicht wieder.
Wir werden nicht dabei sein, wenn die gesamte Mannschaft sich zusammenfindet und sich bereit für den wichtigsten Teil der Aufgabe macht.
Wir wünschen ihnen Glück und Gesundheit für ihr weiteres Leben und speziell auf dieser Mission.
Denn die Mannschaft der Callisto war vielleicht gesund, aber sie hatte kein Glück.

Mit den besten Wünschen
Cornelius Ludwig
für das Kontrollzentrum Nemossos.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Der Flug der Aurore 23

Von: Johannes Ritter
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: Sonntag 26. April 2759 18. 15 Uhr
Betreff: Langweilige Geschichte

Hallo meine verehrten Kontrolleure,

Haben die Fahrt gedrosselt um das Vorbeiziehen am Giganten des Sonnensystems angemessen zu begehen.
Hatte eine kleine Unterhaltung mit Offizier Ground über die Raumfahrt und die Natur des Systems.
Denke ich habe da genau das richtige Buch für ihn.
Es gab keine nennenswerten Probleme.
Das weiß wahrscheinlich niemand wirklich zu schätzen.
Wir reden hier über den Jupiter.
Den größten Planeten im System mit einem nicht zu unterschätzenden Gefahrenpotenzial.
Das fängt bei den Ringen an und hört bei der Gravitation auf.
Hier eine kleine Erinnerung.

Der Steuermann

"Tom Roland war unser Steuermann,
er hielt aus, bis er zu der Station gelang,
er hat uns gerettet, er hat nicht gewankt,
er starb für uns, unser Gedenken sein Dank.
Tom Roland."

Die „Cassiopeia" fliegt durch den leeren Raum,
Körner prasseln um den Bug wie Blätter vom Baum;
von Amalthea fliegt sie nach Io-
die Herzen aber sind lustig und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Frauen
aus Fenstern schon die Station bestaunen,
und plaudernd an Tom Roland heran
tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Knapp dreißig Minuten ... Halbe Stund."

Die Gemüter sind glücklich, die Gemüter sind frei,
da klingt's aus dem Maschinenraum wie ein Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
ein Qualm aus Kombüs' und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
noch zwanzig Minuten bis Io.

Und die Passagiere, dicht gemengt,
auf der Promenade stehn sie zusammengedrängt,
auf der Promenade vorn ist noch Luft und Energie,
am Steuer aber lagert sich´s wie noch nie,
und ein Schreien wird laut: "Wo sind wir? wo?"
noch fünfzehn Minuten bis Io. -

Der Druck schwindet und die Qualmwolke steht,
der Kapitän nach dem Steuer späht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
durch den Comlink fragt er an:
"Noch da, Tom Roland?"
"Ja, Kapitän. Ich bin."

"Auf die Station! Gegen den Strom!"
"Ja, Kapitän, wir schaffen das schon."
das Schiffsvolk jubelt: "Du Kannst das! Hallo!"
Noch zehn Minuten bis Io.

"Noch da, Tom Roland?" Als Antwort schallt's
mit erlöschender Stimme: "Ja, Kapitän, ich halt's!"
Und in die Station, aus Glas und Stein,
jagt er "Cassiopeia" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Die Station von Io!

Das Raumschiff geborsten. Die Flammen verschwelt.
Gerettet sind alle. Nur einer fehlt!

Alles ist still; alle Töne vergehn,
Die Straßen sind ruhig und die Uhren stehn,
nur Schritte und Wispern, sonst schweigt die Station,
ein Dienst nur, für den sie heute ist gebor'n:
Zehntausend folgen und noch mehr,
und kein Gesicht im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen die Urne in den Raum hinaus
und schenken Tom Roland dem Himmel von Ios;
mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Station ihren Dankspruch ein:

"Hier ruht Tom Roland! Durch Raum und Feuer
hielt er fest in der Hand das Steuer,
er hat uns gerettet, er hat nicht gewankt,
er starb für uns, unser Gedenken ist sein Dank."

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Johannes Ritter

Der Flug der Aurore 23

Von: Louis Ground
An: Kontrollzentrum Nemossos, Mars
Datum: Sonntag 26. April 2759 16.30 Uhr
Betreff: Volle Kraft voraus

Jupiter liegt unter uns.
Groß, bunt und eindrucksvoll.
Finde es immer wieder verwunderlich, dass dieser Gigant aus Gas weniger Ringe hat als sein kleinerer Bruder Saturn.
Vielleicht hat der Saturn ja wirklich eine Sammelleidenschaft wie es die Legende ihm nachsagt.
Die Frage ob es auf diesem Planeten aus Gas auch Lebewesen aus Gas gibt, spukt weiter in meinem Kopf herum.
Vielleicht sind wir zu begrenzt in unserer Wahrnehmung um das Leben auf anderen Planeten zu begreifen.
Vielleicht wandeln selbst auf der Sonne Lebewesen, die vollkommen angepasst sind an die Bedingungen die dort herrschen.
Sind die Flecken auf unserem Heimatstern intelligent?
Ist der ewige Sturm auf Jupiter sogar eine Stadt?
Vielleicht hat Ritter dazu ein paar interessante Gedanken.
Für irgendwas muss sein riesiges Hirn ja gut sein. Wenn nur sein Ego nicht so riesig wäre.
Karlson ist ignorant gegenüber solchen Überlegungen.
Sie konzentriert sich lieber auf den Menschen anstatt ins kosmische abzugleiten.
So hat jeder seine eigenen Vorsichtsmaßnahmen.
Lena ist in Gedanken wahrscheinlich mehr mit ihrer Heimat beschäftigt als sich darüber Gedanken zu machen.
Sie macht einen leicht zerstreuten Eindruck seitdem wir aus dem Gürtel raus sind.
Vielleicht ist das auch nur die Aufregung.
Bin gerade mit der Inspektion fertig.
Fünf mal hat es angenehm Pling gemacht.
Vor jedem Pling muss es vier mal angenehm summen.
Ich bin ein Hund der auf die Glocke wartet, damit der Speichel fließen kann.
Jedes gute Pling ist eine kleine Erlösung.
Jedes gute Summen eine kleine Wohltat.
Fünfundzwanzig mal starrt man auf den Bildschirm und wartet gespannt auf das richtige Geräusch.
Auch hier herrscht das Gesetz der fünf.
Je nach Status ist das Pling oder das Summen tiefer und bedrohlicher.
Je nachdem ob der bestimmte Bereich
Vollkommen funktionsfähig
Funktionsfähig
Durchschnittlich
Weniger funktionsfähig
oder nicht funktionsfähig ist.
Die Balken in den Diagrammen starten im roten Bereich, verharren etwas im Gelb und wandern dann bedächtig hinein ins Grün.
Dann fallen sie einer nach dem anderen abwechselnd zurück in das Rot um sich am Ende im Grün zu stabilisieren.
Was ein Abenteuer die Raumfahrt doch ist.
Habe mir angewöhnt während der Inspektion Seil zu springen.
Der Kopf ist nur dann beweglich wenn es der Körper ist.
Diese Form von Arbeit birgt ganz klar die Gefahr abzustumpfen.
Stelle einen Antrag auf einen Fitnessraum. Das ist diesmal sogar ernst gemeint.
Hier nun die Auswertung:
Generatoren vollkommen funktionsfähig
Spannungstest erfolgreich
Energieversorgung vollkommen funktionsfähig
Lebenserhaltung vollkommen funktionsfähig
Wiederaufbereitung vollkommen funktionsfähig
Schwerkraft vollkommen funktionsfähig
Antrieb vollkommen funktionsfähig
Treibstoffaufbereitung vollkommen funktionsfähig
Sensoren vollkommen funktionsfähig
Speicher vollkommen funktionsfähig

Passt auf euch auf
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