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Dienstag, 28. Juni 2011

Launing Kapitel 4/4

„Lass dich nicht fertig machen. Du musst immer davon ausgehen, dass es überall eine zehn Prozent Arschlochquote gibt. Das gilt für die Leute, die bei uns mit in der Klasse sitzen und auch für die Lehrer. Und einige Lehrer sind manchmal echt arrogante Fachidioten. Wenn du in einer Klausur nicht das hinschreibst, was die für richtig halten, dann hast du nicht die geringste Chance über eine drei zu kommen.“

Dienstag, 21. Juni 2011

Launing Kapitel 4/3

Urplötzlich stieg ihr der Geruch ihres eigenen Schweißes in die Nase, gemischt mit dem ihres Regelblutes. Ruckartig drehte sie sich an der Schwelle ihrer Zimmers wieder um und begab sich zügig in das Bad. Ohne wirklich auf Ordnung zu achten warf sie ihre Sachen in die nächste Ecke und entledigte sich des Tampons, der schon fast vollgesogen war. Entgegen ihrer Neigung stellte sie das Wasser auf warm und ließ sich berieseln.
Der fehlende Schlaf und die auslaugenden Erlebnisse der letzten beiden Tage ließen sie wie in Trance die Wasserstrahlen betrachten die auf ihre Hände und Schultern fielen und von da herunter perlten.

Samstag, 28. Mai 2011

Launing Kapitel 4/2

Die Stimme ihrer Mutter hatte sich nur leicht verändert, aber Jahre des Trainings ließen genau den Ton erkennen, der darauf hindeutete, dass sie ernsthaft gereizt war.
Sie mochte ihren Bruder wirklich gerne, aber er war ein elender Provokateur, der nicht wusste wann es genug war, geschweige denn wann die richtige Zeit für schlechte Witze.
Der Erstgeborene erntete einen prüfenden Blick seiner Mutter, die darauf kühl nach dem Vater des Hauses rief.

Samstag, 21. Mai 2011

Launing Kapitel 4/1

Sonntag

Immer wieder wachte sie kurz auf.
Das verhinderte jedoch nicht, dass sie auf der Suche nach etwas war. Ihr Weg führte sie ununterbrochen am Rande eines Waldes entlang und ständig flogen Vögel in den Süden.
Dann kam ein Stechen im Bauch wie von einer Nadel. Der Schmerz breitete sich langsam und gleichmäßig in Wellen aus bis er ein glühender Ball in ihren Eierstöcken war.

Donnerstag, 28. April 2011

Launing Kapitel 3/5

„Wir haben etwas rumgemacht aber er war einfach...“
Ein elendes Arschloch das eine kranke Scheiße abgezogen hat.
„… ein verdammter Idiot, den ich dann stehen gelassen habe. Nicht weiter der Rede wert“
Lügen war so einfach, denn die Leute dachten nicht über das nach was ihnen erzählt wurde. Vielleicht sollte sie Politiker werden, oder Therapeut. Therapeutisch verlief auch das weitere Gespräch wo sie eigentlich nur dem unerträglich hohen Ton aus dem Hörer zuhörte wie er Wörter formte die sie so nicht kannte. Das Verliebt sein sollte ja biochemisch mit einer Geisteskrankheit vergleichbar sein, weil dann die Neuronen nicht mehr in der richtigen Reihenfolge aufblinkten.
Zum Mittagessen gab es Hühnerfrikassee mit Reis, was alle genossen, schließlich gab es das nur alle zwei Wochen. Die warme Mahlzeit tat ihr auch deshalb gut, weil die Wirkung des Likörs abgemildert wurde, so dass fast nichts mehr zu spüren war. Dadurch wurde aber wieder die Unruhe die bis jetzt abgestumpft war merkbarer. 
Sie brauchte etwas das sie aufbaute. Etwas das sie beschäftigte. Zum zeichnen war sie zu aufgewühlt. Sie brauchte etwas das sie mit ihren Fingern fühlen konnte. An Gartenarbeit war nicht zu denken, da es immer wieder regnete und der Gedanke bei diesem Wetter hinauszugehen ließ ihre Haut unangenehm kribbeln.
Im Wohnzimmer gab es einen Bastelkasten.
Ostern war schon an ihnen vorbeigezogen, aber ab dem nächsten Monat würden sich die Geburtstage aneinanderreihen und da war es nie verkehrt schon etwas vorbereitet zu haben.
Gekonnt wurde der Draht um Holz gewickelt und mehr und mehr vertiefte sie sich in die Detailarbeit aus der irgendwann die Rohlinge für Kerzenständer und Windspiele entstanden. Ab und zu fiel ihr dabei auf, dass sie den Draht vielleicht etwas zu fest drehte, wodurch er ein zwei Mal brach, was ihr die Möglichkeit gab zu fluchen ohne dabei wirklich wütend zu sein, sondern eher froh einen Grund zum fluchen zu haben.
Der Rest des Tages verschwamm zu einem Brei aus Floskeln und Ritualen. Es war Samstag, ein Tag wo nie wirklich viel geschah. Roberta hatte zwar vorgeschlagen sich zu treffen, aber darauf hatte sie nach der Quietschparade erst recht keine Lust. Als Entschuldigung hatte sie Gartenarbeit vorgeschoben. Irgendwann lag sie im Bett und schlief. Johnny hatte sich schon zuvor in die Nacht verabschiedet und erlegte sich wahrscheinlich einen Maulwurf oder ein Eichhörnchen. Ihre Hände pulsierten noch von den Anstrengungen des Bastelns.

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Donnerstag, 21. April 2011

Launing Kapitel 3/4

„Wie kommst du auf diese Idee mit der Beschreibung? Das was ich von den anderen Vätern mitbekomme so raten sie ihren Töchtern Feuer zu rufen.“
„Dein Onkel Thorsten war in seinem früheren Leben Polizist, aber darauf sprichst du ihn nicht an.“
Darauf prosteten sie sich ein letztes Mal zu, die Flasche wurde verstaut und sie gingen aus der Küche in den Flur wo ihnen ihre Mutter mit einem Wäschekorb und einem kritischen Blick entgegen kam.

Montag, 28. März 2011

Launing Kapitel 3/3

„Und du hast gestern wirklich nur Bier getrunken?“
„Ja verdammt.“
„Lass mein Mädel in Ruhe, die Woche war vielleicht wirklich einfach anstrengend.“
Das war eine der guten Seiten wenn ihre Mutter das lange Wochenende hatte, sie war viel entspannter.
Essen. Verstimmt näherte sie sich dem Kühlschrank um etwas Brauchbares zu einem verspäteten Frühstück zu verwerten. Als sie sich wieder umdrehte war ihre Mutter verschwunden und ihr Vater stellte zwei kleine Gläser neben eine Flasche mit Kräuterlikör.

Montag, 21. März 2011

Launing Kapitel 3/2

Nüchtern und klar wurde ihr bewusst, sie hatte richtig gehandelt. Was wäre gewesen, wenn der Typ ihr die Hose ausgezogen hätte um seinen Spaß zu haben. Oder die andere Version, wo sie sich hinknien musste um sein Ding in den Mund zu nehmen.
Es gab Opfer und es gab Kämpfer. So teilte sich die Welt auf. Sie war letzteres. Das war eine Feststellung.
Sie drehte das Wasser aus und trocknete sich ab. Zu dem dumpfen Traumgefühl hatte sich eine sachliche Klarheit gesellt. Eigentlich war ihr danach ihr Zimmer umzugestalten. Trotzdem begab sie sich nach unten zu ihrer Familie.

Montag, 28. Februar 2011

Launing Kapitel 3/1

Samstag
Da war ein Traum den  sie nicht wollte, doch er ließ nicht von ihr ab. Eng umschlungen hielt er sie, während sie versuchte sich frei zu kämpfen. Arme und Beine reagierten nicht auf Befehle, sondern lagen locker und doch verkrampft herum.
Erschwerend kam hinzu, dass Träume nicht zu greifen sind, sondern aus Nebel bestanden der sich unerbittlich auf einen legten und dabei Körper und Geist durchdrangen. Das Einzige womit man ihnen entkommen konnte war pure Willenskraft. Man musste den Willen aufbringen nicht mehr zu träumen und nicht mehr zu schlafen, sonst würde man wieder zurückfallen in den Nebel.

Montag, 21. Februar 2011

Launing Kapitel 2/6

Dabei hatte sie es nur so dahin gesagt, damit sie ihre Ruhe hatte.
„Achtung, eine Kurve!“ rief es plötzlich neben ihr und steil fuhr das Auto in den nächstgelegen Kreisverkehr. Ihre schlechte Laune war wohl so offensichtlich, dass er nun versuchte aufzuheitern. Das mit der Kurve und dem Kreisverkehr machte er seit sie Kinder waren und es klappte auch diesmal sehr gut. Sie fuhren so lange steil im Kreis mit ihm Unsinn redend bis sie das Grinsen von ihrem Gesicht nicht mehr weg bekam.
Zu Hause angekommen umarmte sie ihren Vater noch einmal bevor sie nach oben ging und blieb ein wenig länger an seinem warmen schützenden Körper. Er hielt sie fest und strich ihr sachte durch das Haar.
„Du riechst nach Bier und Zigaretten Kleines“, brummte die Brust an ihrem Ohr.
Langsam löste sie sich von ihm um fast verteidigend zu erwidern: „Geraucht habe ich nicht, der ganze Schuppen war voller Qualm.“
„Ach, aber getrunken.“
„Nur eine Flasche und die anderen Male hast du nichts gesagt.“
Eine verspielt ernste Miene zierte sein Gesicht. Er wusste, dass sie die Geschichte mit seinem Vater kannte und sie hatte nie gelogen was diese Sachen anging. Mahnend erhob sich sein linker Zeigefinger vor ihrer Nase.
„Das mir das nicht zur Gewohnheit wird.“
„Nein Papa, gute Nacht.“
„Du gehst jetzt schon ins Bett? Meine kleine Nachteule?“
„Ja, vielleicht lese ich noch ein bisschen in diesem Weisen.“
„Alles klar, gute Nacht
Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn und dann ging sie die knirschende Treppe hoch direkt in das Badezimmer.
Endlich allein. Maxi war mit seinen Kumpels bestimmt noch in irgendeinem Keller, wo sie Musik hörten und sich mit ziemlicher Sicherheit die Kannte gaben.
Wo blieben die Tränen fragte sie sich verwundert. Jedes andere Mädchen dass sie kannte würde in Panik verfallen. Ihre Hände zitterten nicht, der Atem war ruhig. Aus dem Spiegel blickte ihr ein lauerndes Mädchen entgegen, das angespannt darauf wartete, dass aus der Duschkabine ein Angreifer heraussprang. Langsam zog sie ihre Kapuze zurück und betrachtete den Hals. Eine braune Kruste hatte sich dort breitgemacht. Sie konnte von Glück reden, dass ihre Wunden immer schnell verheilten. Wenn Berta sich schnitt, dann brachen die Wunden immer wieder auf, das hatte irgendetwas mit den Blutplättchen zu tun und bei ihr funktionierten sie anscheinend mehr als gut.
Aus dem Hahn strömte lauwarmes Wasser mit dem sie langsam und bedacht die Kruste abwusch. Die Wunde war kleiner als gedacht, wahrscheinlich hatte der Typ eine Ader mit viel Blut getroffen, aber das hatte nichts zu heißen. Sie hatte sich mal den Kopf an der Schläfe gestoßen und das Blut hatte nur so gesprudelt. Maxi, der sie zu der Kletteraktion überredet hatte, war der Panik nahe gewesen und hatte aufgeregt nach ihrer Mutter gerufen. Als diese dann angekommen war und die Situation begutachtete, hatte sie nur ein Schulterzucken dafür übrig. Es war nichts gebrochen und die getroffene Ader war nicht überlebenswichtig.
Sie faltete ihren Pulli zusammen und betrachtete sich noch einmal abschließend im Spiegel. Da war ein Kratzer am Hals. Vielleicht war sie unpraktisch aus dem Bett gefallen. Mehr nicht.
Den Pulli den ihre Mutter nach ihren Vorstellungen gestrickt hatte fest an ihre Brust gedrückt ging sie nach dem Zähneputzen in ihr Zimmer, zog sich um und legte sich ins Bett um in das Reich der Träume zu flüchten.
Am Fenster klopften die ersten Regentropfen einen eigenen Takt.

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Freitag, 28. Januar 2011

Launing Kapitel 2/5

Das einzige was sie wahrnahm war sein Gesicht das sich dem ihren näherte. Sie schloss ihre Augen, öffnete ihren Mund um den seinen willkommen zu heißen. Alles war schön und verschwommen. Noch durch die geschlossenen Augenlieder meinte sie sein Gesicht sehen zu können. Dann verspürte sie ein Stechen im Hals, als ob etwas eindrang. Schlagartig waren ihre Augen wieder geöffnet. Der Typ hing ihr am Hals. Er hatte hineingebissen. Wie war sein Name? Sie wollten seinen Namen rufen, damit er aufhörten, aber er hatte ihn nicht genannt. Die ganze Zeit nicht.
Sie versuchte ihn von sich zu pressen, doch er hielt sie nur weiter fest, Panik kam in ihr auf, die sie sofort zu unterdrücken verstand, das alles hatte sie schon mal geübt. Da bemerkte sie etwas Schweres in ihrer Hosentasche. Maxis Messer. Fast selbstständig holte ihre Hand das Messer aus der Hose, ließ es aufschnappen und stieß es mit voller Wucht dem Angreifer in den Rücken. Brüllend bäumte er sich auf. Die Wand als stabilen Rückhalt nutzend trat sie ihm in den nun wunderbar freiliegenden Bauch worauf er brutal auf dem Rücken landete. Ohne weitere Zeit zu vergeuden ging sie mit einem zackigem Schwenk nach rechts zurück in Richtung Eingang. Aber der Typ hatte anscheinend seine Lektion noch nicht gelernt. In Windeseile hatte er sich wieder aufgerappelt und war hinter ihr her. Seine Hand fiel fest auf ihre linke Schulter und hielt sie wie ein Schraubstock fest.
Automatisch ergriff sie seine Hand und warf ihn über ihre Schulter. Den Arm hielt sie fest, drehte ihn bis kurz vor dem Ausrenken und hielt seine Kehle mit ihrem Fuß fixiert. Panisch schauten sie seine nun überhaupt nicht mehr betörenden Augen an. Mit einem kurzen wohldosierten Tritt gegen den Kopf machte sie ihn endgültig kampfunfähig.
Mit einem kurzen müden „Reiß dich alter“ ließ sie von ihm ab und ging wieder zurück in die Disco. Damit keiner sah was an ihrem Hals geschehen war, klappte sie die Kapuze hoch. Ihr gesamter Körper war angespannt und darauf eingestellt einen Angriff abzuwehren, egal von welcher Seite er auch kam. Das Messer war wie von selbst wieder zusammengeklappt in ihrer Tasche verschwunden. Hoffentlich klebte kein Blut dran.
Als nächstes ging sie auf die Toilette. Dann holte sie ihr Handy heraus und rief ihre Eltern an. Ihr Vater war am Telefon und willigte etwas verwundert, aber ohne Umschweife ein sie abzuholen. Als aus der Toilette heraus zu der Tanzfläche ging blieb sie kurz in der Tür stehen und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Angestrengt versuchte sie sich an das Gesicht des Angreifers zu erinnern, doch es wollte ihr nicht wieder einfallen. Nachdem sie sich sicher war, dass niemand in der näheren Umgebung sich auf sie stürzen würde ging sie geradewegs auf das Tor zu.
Dort stand irgendjemand den sie flüchtig kannte, den sie in irgendein Gespräch verwickelte das sich um irgendetwas aus der Schule drehte.
Schließlich kam ihr Vater mit einem aufgesetzt strengen Blick durch das Tor. Sie verabschiedete sich mit aufgesetzter Verwirrtheit von ihrem Gesprächspartner, dessen Namen sie sich nie wirklich merkte und machte sich mit ihrem Vater auf den Weg zum Auto.
Er konnte es sich nicht verkneifen kurz jemanden darauf anzusprechen, dass das Bier dass er gerade trank Tiere sterben mussten. Gestern wäre ihr das unangenehm gewesen, jetzt wusste sie, dass diese Schlagfertigkeit sie vor schlimmeren bewahrt hatte.
Ohne Worte, aber mit einem prüfenden Blick in ihre Richtung setzte er sich an das Steuer und fuhr los. Mit lässigem Blick aus dem Fenster, jedoch mit geschärfter Aufmerksamkeit sah sie die Scheune an sich vorbeiziehen und Häuser wandern. Heiß pulsierte ihr Hals unter der Kapuze.
Ihren ersten Kuss hatte sie von einem Psycho bekommen. Das war mehr als deprimierend. Dabei war es noch nicht einmal ein richtiger Kuss gewesen. Jedenfalls nicht für sie.
„Und wie war es?“ kam es von links.
„Ach ich weiß nicht, komische Musik, komische Leute, vor allem komische Kerle.“
Wenn sie ihren Eltern davon erzählen würde, wäre das nächste Mal dass sie in die Disco darf weit nach ihrem achtzehnten Geburtstag.
„Das war einfach nichts für mich. Rumstehen oder Zappeln oder Sitzen. Vielleicht warte ich noch ein paar Jahre und gehe dann in der Stadt weg.“
„Wenn du das für richtig hältst.“
Der betont beiläufige Ton konnte über seine Erleichterung nicht hinwegtäuschen. Sie war doch Papas Prinzessin. Das Küken auf das aufgepasst werden musste.
„Vielleicht! Ich habe vielleicht gesagt.“

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Freitag, 21. Januar 2011

Launing Kapitel 2/4

„Das hier ist ein Dorf, keine Kleinstadt, ein gottverdammtes Dorf. Die Jugend hier ist eine Dorfjugend. Schau sie dir doch an, diese kleinen Jungs mit ihren Käppis die einen auf Gangster machen. Jeder kennt hier jeden, es ist der reinste Inzest. Wenn du mir nicht glaubst, dann warte bis du deinen zweiten Freund hast und merkst wie der mit deinem ersten in Verbindung steht, oder noch schlimmer mit Maxi. Mach dich hier bloß vom Acker wenn du mit der Schule fertig bist. Sonst versauerst du hier noch als die Friseuse vom Dienst.“
Es war lustig gewesen Paul von der Jugend reden zu hören obwohl er selbst noch keinen richtigen Bartwuchs hatte, worauf man ihn gut ansprechen konnte wenn man ihn ärgern wollte.
Lydia kam mit zwei Flaschen Bier zurück. Warum trank sie überhaupt diese verdorbene Suppe? Weil es alle taten, weil es dazu gehörte. Bei der nächsten Familienfeier würde sie sich hartnäckig an süßen Wein halten. Entgegen den Prophezeiungen ihrer Verwandten bekam sie davon keine Kopfschmerzen und es schmeckte ihr um einiges besser als dieses ganze saure und bittere. Ihr Onkel, der Koch, beharrte jedoch auf der Meinung dass sich das ändern würde, da die Geschmacksknospen mit zunehmendem Alter immer mehr abstumpften und nur diejenigen für den bitteren Geschmack am hartnäckigsten waren. Ob das stimmte war eine Frage für sich, aber Gefallen fand sie daran nicht wirklich.
Beim Bier hielt sie sich an den Ratschlag ihres Großvaters, langsam ansetzen, langsam absetzen, sonst hatte man die Brühe im Gesicht und auf den Sachen. Gleichzeitig war es eine Kontrolle den Alkohol nicht zu schnell hinter zu kippen und nicht besoffen zu werden. Es kam halt auf die richtige Erziehung an, auch wenn ihre Eltern nicht gerade darüber begeistert waren, dass ihre Eltern den Enkelkindern Tipps in Sachen Alkohol gaben.
Gerade als sie sich mit Lydia, die nichts dagegen hatte Didi genannt zu werden, darüber unterhielt wie affig doch der eine typ aussah, kam Roberta wieder angebraust und stellte sich offensiv mit dem Rücken zu der Menge.
Es war nicht mehr zum aushalten. Fünf Jahre waren genug. Sie tauschte mit Didi kurz Blicke aus und fing an der unglücklich Verliebten klaren Wein einzuschenken: „So Berta, du gehst jetzt zu ihm, lächelst ihn an und dann sagst du: „Hey ich habe mein Geld zu Hause vergessen, gibst du mir ein Bier aus?“ Wenn er das macht sprichst du ihn auf seinen Scheiß mit der Eisenbahn an. Klar?“
Vollkommen verdattert starrte sie die Angesprochene an.
„Und wenn du das jetzt nicht durchziehst, hör auf uns die Ohren voll zu heulen“, schob Lydia hinterher.
Als sei sie eine mechanische Puppe drehte sich Roberta um und begab sich in die Richtung ihres Herzblattes. Damit war der Seifenopernabschnitt erst einmal erledigt und die verbliebenen zwei prosteten sich zu um sich dann zu einer freien Couch zu begeben. Das hielt nicht lange an, denn Didi war zum tanzen hier, sie selber blieb lieber noch sitzen und betrachtete etwas genüsslich das ganze Theater, das sich hier abspielte.
Irgendwann fiel ihr der Typ auf der in ihre Richtung starrte. Das hatte gerade noch gefehlt.
Schlecht sah er nicht aus. Gesehen hatte sie ihn noch nie, wahrscheinlich kam er von irgendeinem abgelegenen Nachbardorf. Er war auch ungefähr in ihrem Alter, was definitiv angenehmer war als irgendjemand, der älter als ihr großer Bruder war.
Ohne sich mit irgendwelchen Höflichkeiten aufzuhalten setzte er sich neben ihr, hielt dabei einen angemessenen Körperabstand, der es ihm aber trotzdem erlaubte sich lässig in ihre Richtung zu lehnen und fing an über die Leute auf der Tanzfläche herzuziehen.
Diese Kombination aus Unverfrorenheit und einem Humor der den ihrem gleichkam ließ sofort Sympathie für diesen unbekannten Spinner entstehen.
Schließlich sagte er, „Das ist aber ziemlich laut und verraucht hier, wollen wir nicht lieber an die frische Luft gehen?“
Er strahlte eine seltene Aufmerksamkeit aus, die sie regelrecht verzauberte. Etwas Fremdartiges hatte sich in ihrem Gesicht eingenistet. Sie hatte so etwas schon bei anderen Mädels gesehen, es war ein Lächeln, das sie sonst als albern mädchenhaft  bezeichnen würde.
Ohne weitere Anstalten zu machen ging sie mit ihm auf den Hinterhof. Als sich die Tür hinter ihr mit einem mechanischen Klacken schloss griff er ihre Hand und zog sie an sich. Warm und willkommen berührten sich ihre Körper.

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Dienstag, 28. Dezember 2010

Launing 2/3

„Nein danke.“
„Komm, das sieht cool aus und beeindruckt die Jungs.“
Hiermit war dann auch schon der peinlichste Satz des Abends gefallen. Roberta war mehr als nervös, was Gunter anging, Das ganze Hin und Her mit den beiden dauerte jetzt schon seit der Grundschule an. Er schien noch nicht einmal abgeneigt, er machte eher den Eindruck als ob er sich nicht so viele Gedanken über solche Sachen machte. Unter dieser Voraussetzung betrachtet würde sie wahrscheinlich eher mit ihm klar kommen als ihre beste Freundin. Das wäre doch der ideale Stoff für eine Seifenoper.
„Dann bin ich lieber uncool und habe frischen Atem.“
Eigentlich lag es eher daran, dass sie dank ihres Bruders ziemlich genau wusste, dass Jungs bei rauchenden Mädels eher nicht daran dachten wie cool die Zigaretten aussahen, sondern eher daran, dass da etwas Langes in einem weiblichen Mund war.
Sofort wurde dieser Gedanke abgeschüttelt, sie dachte eindeutig zu viel nach, Roberta erklärte sie, dass ihr einfach kalt war. Ihren Bruder verfluchte sie nicht, da er in manchen Belangen einfach recht behielt. Schwer drückte das Messer gegen ihren Oberschenkel.
Von weitem dröhnte die Musik zu ihnen. Langsam aber sicher erschien das Ziel vor ihren Augen
Vor den Toren der umgebauten Scheune hatten sich kleine Gruppen versammelt. Aus allen Ecken und benachbarten Dörfern waren Leute gekommen, weil sonst nichts los war. Hier wurden wahrscheinlich auch schon vereinzelt Pläne für Techno-Partys mitten im Wald geschmiedet, wo die einen das nötige Equipment mitbringen würden und die anderen den Alkohol. Sie selber würde dann mit Freunden auf dem Fußballfeld hocken und von fern aus dem Wald den Beat hämmern hören. Das Ganze würde die Nacht andauern, vereinzelt würden sich Leute darüber beschweren, aber sie konnten dem nichts entgegen setzen, da keiner genau wusste wo denn die Party stattfand. Maxi würde als überzeugter Rocker auch das eine oder andere Mal erst nach Sonnenaufgang nach Hause kommen, schlicht und einfach, weil die Stadt zu weit entfernt war um jedes Wochenende rein zu fahren und weil sonst nichts los war.
Sie gingen hinein und ein Nebel aus Rauch, Schweiß und Alkohol umfing sie. Roberta schaute sich nervös um, machte auf einmal ein komisches Geräusch, das an ein Meerschweinchen erinnerte und entschuldigte sich auf Toilette. Irgendwo im Halbdunkel war ein Umriss zu erkennen der an Gunter erinnerte. Etwas ratlos stand sie alleine neben dem Eingang herum, aber die Rettung kam in Person von Lydia, die sie von hinten ansprang. Nach der üblichen Umarmung zur Begrüßung ging sie auf den Vorschlag auf ein Bier ein. Lydia kassierte das Geld ein und machte sich auf den Weg zur Bar. So hatte sie noch einen Moment um sich die ganze Szenerie genauer zu betrachten.
Das war also die tolle Party. Nüchtern betrachtet unterschied sich diese Veranstaltung nicht groß von den Kiddieparties zu denen sie mit ihrem Vater gegangen war. Nur dass hier die Kiddies ein paar Jahre älter waren. Und nüchtern würde sie bleiben. Mit Sicherheit hatten sich andere Wodka organisiert und ihn mit Saft gemischt. Die ganz harten Jungs machten das mit Eistee. Gerüchten zufolge hatte Andrea mal 'nen Absturz bekommen weil sie Alkohol mit Tabletten gemischt hatte. Ihren Eltern sollte sie die Übelkeit mit Regelbeschwerden erklärt haben.
Ihr Vater hatte da eine lustige Geschichte auf Lager, wie er immer wieder besoffen abends nach Hause gekommen war und sich manchmal auch übergeben musste. Seinen Eltern hatte er erzählt ihm wäre von dem fetten Fleisch übel, dass es immer zu essen gab. Irgendwann hatte ihr Großvater ihn beiseite genommen und ihm verklickert, dass der Geruch von Alkohol auch ihm und seiner Frau bekannt war und dass jeden Morgen sein Zimmer danach stank.
Ein paar von den Mädels standen schon angetrunken auf der Tanzfläche. Dabei war es erst kurz nach acht. Um die kichernden Püppchen hatten sich auch schon ein paar Jungs versammelt, die alle etwas älter waren. Hier trieben sich auch Kerle über zwanzig herum, was ihr mehr als peinlich vorkam. In einer Ecke sah sie Andrea, der gerade ein Bier gebracht wurde von einem der älteren. Sie machte sich ganz gut als kleines süßes Mädchen das sich bedienen ließ. Wirklich unglaublich, dass so ein Augenaufschlag so eine Wirkung haben konnte auf jemanden der unter Druck stand. Ein Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht. Ihr gefiel der Gedanke, dass die Vorzeigeblonde der Klasse den Kerl einfach nur ausnutzte. Das alles passte sehr gut zu dem was Paul von ihr mal erzählt hatte. Paul war jetzt knapp zwanzig, studierte in Marburg.  Seine Eltern wohnten neben ihnen.

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Dienstag, 21. Dezember 2010

Launing Kapitel 2/2

„Die Welt ist abgedreht und gefährlich. Das war sie schon immer.  Es geht nur darum vorbereitet zu sein.“
Der Rest des Nachmittags war ereignislos. Das einzige größere Ereignis war ein geschwisterlicher Disput über den Abwasch, den Maxi für sich entschied. Ihre Mutter nahm sich die Zeit um mit ihnen Skat zu spielen und dann war es auch schon so weit sich für den Abend fertig zu machen.
Roberta hatte vorgeschlagen sich bei ihr zu treffen um sich gemeinsam auf zu hübschen, Lydia würden sie vor Ort treffen, da sie noch Nachhilfe gab bei irgendwelchen Kindern.
Was müssen das für Eltern sein die ihren Kindern Freitagnachmittag Nachhilfe aufs Auge drückten, oder wie schlecht mussten die Kinder in der Schule sein, dass so etwas nötig war?
Die Kombination für den Abend bestand aus Jeans, einer gelben Bluse, schwarzen Halbstiefeln und einem braunen Kapuzenpullover, den ihre Mutter nach ihren Vorstellungen angefertigt hatte. Ihre Haare hatte sie wie immer ohne unnötiges Zeug und frisch gewaschen. Vor Ewigkeiten hatte sie als Knieläufer mit den Utensilien ihrer Mutter herumgespielt und fand die Lockenwickler und das Brenneisen fürchterlich anstrengend, nicht dass das was am Ende dabei herauskam schlecht aussah, die Prozedur war ihr einfach zu anstrengend und mühevoll. Männer hatten es da bedeutend einfacher. Lange Haare oder kurze Haare, Bart, frisch rasiert oder drei Tage Bart. Das alles in den jeweiligen unterschiedlichen Kombinationen war dann auch das gesamte Angebot.
Sie rief ihren Eltern von der Tür ein Auf Wiedersehen zu, worauf ihre Mutter erwiderte, sie solle sich nicht wegfangen lassen, das jedoch in einem angemessenen scherzhaften Ton.
Selbst wenn etwas passieren sollte, das war ein Dorf in dem sie lebten, da würde der Täter entweder auffallen oder mit jemand würde ihn erkennen. Den Gedanken schüttelte sie auch sofort wieder ab, da sie nicht die geringste Lust hatte sich den Abend durch unnötige Paranoia zu vermiesen und vorbereitet war sie ja.
Die Luft roch nach Regen und am Horizont ballte sich eine Wolkenwand zusammen, der Wind blieb aber aus. Die ersten Tropfen würden wahrscheinlich erst nach Mitternacht fallen.
Bei Roberta angekommen, ging vor dem Spiegel die Schmink- Action los. Lipgloss, Wimperntusche und was noch alles dazu gehört. Aber das war eher Nebensache. Hauptsache war das hier:
„Drea kann echt nerven bis zum umfallen. Die soll mit ihrem Cheerleader Scheiß nach Texas gehen wo es hingehört.“
„Hast du mit Gunter reden können?“
„Ich meine wie peinlich ist das denn in kurzen Kleidchen vor den Jungs herum zu hüpfen.“
„Wann bringen uns die endlich bei wie dieses ganze System funktioniert?“
„Vergiss es, der war damit beschäftigt Leo ins Gewissen zu reden.“
„Es kommt ohne Scheiß Psychologie auf uns zu. Und wer ist dein geheimes Herzblatt?“
„Vielleicht hast du ja Glück und er ist heute am Start.“
„Herzblatt?“
„Das Wort ist doch von ganz alt her. Scheiß auf Herzblatt, darüber denke ich in zehn Jahren nach, schau dir doch die Auswahl an.“
„Selbst wenn, ich steh dann neben ihm wie bestellt und nicht abgeholt.“
„Irgendwie scheint jeder darauf zu warten, dass ich endlich einen Kerl am Start habe.“
„Und dann stehen wir beide da, schweigen uns an, das ist einfach zum kotzen.“
„Schritt für Schritt, mehr als knutschen ist nicht.“
„Und dann schaut er mich an und ich weiß nicht was ich sagen soll.“
„Aber sonst eine Klappe haben die man vom Mars aus sehen kann.“
Roberta hatte noch die Idee, dass sie sich doch Spangen ins Haar machen könnte, was ohne weitere Diskussion abgelehnt wurde.
Sie posierten noch einmal vor dem Spiegel um sich selber zu bewundern und um sicherzugehen, dass sie auch gesellschaftsfähig waren.
Arm in Arm untergehackt marschierten sie im erfrischenden Nachtwind der Disco- Scheune entgegen.
Nach langem herum kramen in der Handtasche, holte ihre Freundin eine Schachtel Zigaretten hervor.
„Willst du eine?“
Aufdringlich schwebte die Schachtel im Schritttakt vor ihrer Nase herum.

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Sonntag, 28. November 2010

Launing Kapitel 2/1

Freitag

Ihre Träume waren durchzogen von Dialogfetzen aus Nathan dem Weisen. Immer wieder hallten die Wörter in der Dunkelheit nach und ließen ihren Kopf vibrieren. Ein alter Mann kam auf einem Reh heran geritten und meinte er wolle mehr vom Leben.

Freitag, 10. September 2010

Launing Kapitel 1/9

In der Küche wurde sie mit folgenden Worten begrüßt: „Ah wie schön das du kommst, du kannst mir gleich helfen. Du lernst jetzt wie man aus Kartoffeln und Zwiebeln eine magische Mischung zaubert aus der Kartoffelpuffer entstehen.“
„Kann ich schon. Papa hat gesagt ich soll mit dir wegen morgen reden.“
„Das ist schön Kleines, holst du bitte die Reibe raus.“

Sonntag, 5. September 2010

Launing Kapitel 1/8

Mit einem theatralischen Seufzen setzte er sich in seinen Sessel, nippte genüsslich an seinem Kaffee und sprach dann den obligatorischen Satz: „So Kinder, Mappen her!“
„Jawohl Chef“ erwiderte sie wie aus der Pistole geschossen. Maxi machte auch keine Anstalten zu wiedersprechen, murmelte aber etwas davon dass er gerade angekommen war.
Es hatte eh keinen Sinn mit ihrem Vater darüber zu diskutieren. Wenn man ihn darauf ansprach, dann hielt er einen Vortrag darüber, dass es als Elternteil seine Pflicht war über die Schulleistungen seiner Kinder zu wachen, solange sie zur Schule gingen.

Montag, 30. August 2010

Launing Kapitel 1/7

„Werde mich mit ein paar Choreos beschäftigen.“
Als Sport würde sie das was jetzt kam nicht betrachten.
 Für die Mädchen war es mehr mit Bällen spielen und Gymnastik. Ganz schlimm wurde es wenn irgendjemand versuchte mit dem Band elegant auszusehen, das sah dann meistens eher plump aus.

Mittwoch, 25. August 2010

Launing Kapitel 1/6

„Hey, ich wollte mal fragen wie eure Meinung ist?“
Andrea war ein Fan der Vereinigten Staaten und hatte es sich in den Kopf gesetzt eine Cheerleader Mannschaft an der Schule aufzubauen.
Äußerlich war sie das wandelnde Klischee einer Blondinen, aber sie war auch eine der besten in Englisch und Mathe und was noch schlimmer war, wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann ließ sie davon nicht ab.

Samstag, 21. August 2010

Launing Kapitel 1/5

Roberta war schon da und hatte sich auch schon auf ihrem Platz ausgebreitet.
„Nur weil ich schwarz bin“, antwortete sie automatisch.
Jeder brauchte sein Begrüßungsritual.
Dummerweise war Henry auch schon anwesend. Er war bestimmt kein schlechter Mensch, aber was Intelligenz anging so war er nicht gerade einer der Größten. 
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