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Donnerstag, 14. Januar 2016

Pfleg dir deinen inneren Snob


Kaffe oder Tee?
Tee.
Schwarz, Rohbusch oder Kräuter?
Rohbusch.
Pur, Vanille oder Sahne – Karamell?
Karamell klingt gut.
Zitrone oder Limette?
Äh... Zitrone
Honig, Zucker oder Sirup?
KAFFEE, SCHWARZ, EIN STÜCK ZUCKER!
Kandis oder normalen Zucker?
Exemplarischer Besuch bei mir.

Das Erfolgsrezept von Geschäften wie Starbuck liegt darin, dass entscheidungsschwache Menschen drei Entscheidungen mit einem Satz wie „Ein koffeinfreier Latte mit extra Zucker“ fällen können.
Tom Hanks „You've got Mail“

Eine Begleiterscheinung, die komplett an mir vorbei gegangen ist, ist die Nachlässigkeit beim Essen.
Ein Beispiel, das mir besonders im Kopf geblieben ist, ist von einem Mann, der eines nachts mit einem unglaublichen Hunger aufgewacht ist und in seinem Kühlschrank nur noch eine vergammelte Zwiebel vorgefunden hat.
Andere erzählen davon, wie sehr sie es genießen sich wieder richtig Essen zuzubereiten.
Das mag jetzt wie eine Nebensache erscheinen, aber es ist Teil eines größeren Themas.
Selbstachtung. Selbstbewusstsein. Eigensinn.
Die Fähigkeit auf sich selber aufzupassen und sich selber versorgen.
Der Verfall der eigenen kulinarischen Sitten ist ein Zeichen dafür, dass die Selbstfürsorge ebenso verfällt.
Essen hält Leib und Seele zusammen, diesen Spruch haben wir alle schon mal gehört.
Seinen Wahrheitsgehalt können aber nur die erfassen, die auf diese eigentliche grundlegende Tätigkeit nicht genügend Achtsamkeit gelegt haben.
Ich falle da also raus.
Oft genug wurde in meinem Freundes- und Bekanntenkreis Scherze gemacht über meine anscheinend kreative Art und Weise mir mein Brot zu belegen. Also eine Form von Frischkäse, darauf dann gelber Käse (bei mir mit Vorliebe Tilsiter), darauf Pflaumenmus, darauf Lachsschinken, darauf dünn Meerrettich, zum Abschluss kommt noch eine Scheibe Gurke rauf und fertig ist die Köstlichkeit. Als Frischkäse ist bei mir gerade die Senf/Honig – Variante von BUKO hoch im Kurs.
Wenn ich gerade eine vegetarische Phase habe, dann kaufe ich mir nicht irgendwas aus gehärteten Soja – Öl, sondern mache mir die Bratlinge selber. Man püriert das was man haben will und presst den Saft aus. Dann bildet man mit genügend Mehl einen Teig daraus und formt sich die gewünschten Bratlinge, um sie dann in der Pfanne zuzubereiten. Meine Lieblingsvariante ist Apfel – Möhre, aromatisiert mit Cola – Kraut, Pfefferminze und Salbei. Der ausgepresste Saft kann mit ein paar Spritzern Zitrone zu einem leckeren ACE – Saft aufgerüstet werden.
Ich rate hier vom frittieren ab, da dadurch der Geschmack verloren geht und ich mir durch das spritzende Öl eine ansehnliche Wunde am Bein zugezogen hatte, die in der Klinik für eine Bisswunde gehalten wurde.
In der Klinik hatte ich nach zwei Wochen neben einem ansehnlichen Vorrat an Obst auch vier Sorten Tee in meinem Vorrat und fragte bei jedem Frühstück brav an der Essensausgabe, ob ich denn bitte ein paar Portionen Honig extra haben könnte um mir meinen Tee zu verfeinern.
Das mögen jetzt lauter kleine Eigenheiten sein, welche die kulinarischen Vorlieben angeht, aber an der Art wie sich jemand ernährt, kann man sehr gut ablesen wie wichtig man sich selber ist und tief in meinem inneren bin ich ein experimentierfreudiger Exzentriker.
Sicher kann man mal eine Nudelwoche einlegen oder sich nur von Kartoffeln ernähren, aber wenn das zur Regel wird, dann stumpfen die Geschmacksknospen ab.
Der Mund gehört zusammen mit der Zunge den erogenen Zonen des Körpers und so beweglich wie man in der Küche ist, so beweglich ist man auch im Kopf.
Ich habe eigentlich schon lange keine Küche mehr, sondern ein Labor in dem ich wie ein wahnsinniger Wissenschaftler schalte und walte.
So war der erste Schritt nach der klinischen Versorgung die eigene Küche wieder mit Material aufzufüllen. Das war keine bewusste Entscheidung, vielmehr war es ein Automatismus. Um nicht zu exzessiv beim Einkaufen zu verfahren, halte ich mich an eine knallharte dreier Regel: drei Sorten schwarzer Tee, drei Sorten Kräutertee, drei mal Wurst und Käse, drei mal Obst und Gemüse und so weiter und so fort, dazu noch ein paar kleine Extras.
Mir wird immer wieder gesagt, dass ich schnell geschaltet habe und ich denke diese Einstellung ist einer der unbewussten Gründe dafür.
Das ist ein gesunder Anteil von mir, den es zu pflegen gilt.

Und wenn ich doch einmal auf der Straße landen sollte, dann bin ich der Penner mit dem indischen Chai mit braunem Kandis und Limette.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Sollzustand


Schönsein ist kein Zustand, sondern ein Tun, ein Wirken
Robert Hamerling

Zwei Wochen nachdem ich aus der klinischen Behandlung entlassen wurde bemerke ich, wie ich wieder anfange gedanklich und damit auch körperlich zu versumpfen. Als Kontrollpunkte dienen mir hier das letzte Jahr, meine Selbsthilfegruppe, die wöchentlichen Besuche bei meinen Eltern und dieses Tagebuch.
Sicher hat es durchaus etwas mit Eitelkeit zu tun, dass ich diese Einträge öffentlich mach, aber gleichzeitig ist es auch eine Form der Selbstüberprüfung
Während andere die Tage zählen, die sie nicht getrunken haben, muss ich darauf achten, dass ich in Bewegung bleibe, damit ich nicht einroste und komplett versumpfe. Wenn man die Anzeichen kennt, dann kann man ihnen auch entgegen wirken. Depression wirkt langsam und nicht nur theoretisch hatte ich die Anzeichen eines Rückfalls.
Wie ich schon ganz zu Anfang erwähnt habe, bezeichne ich meine Macke als Motorschaden im Kopf. Man muss sich das so vorstellen, dass mein Hirn eine Starthilfe braucht um zu funktionieren. Diese Starthilfe sind klare und einfache Vorgaben.
Ich fange langsam an. Den einen Tag gehe ich mir neue Hosen kaufen. Die Anschaffung war eigentlich erst für den folgenden Monat geplant, da sich meine sonstige Kleidung langsam auflöst, aber es gibt gerade Sonderangebote, das Konto gibt es her und ich brauche etwas, das mir signalisiert, dass ich mich um mich selber kümmere.
Den nächsten Tag thematisiere ich meinen Zustand in der Selbsthilfegruppe und setze gleichzeitig mein Vorhaben um, mindestens eine Stunde etwas in der Wohnung aufzuräumen.
Den Tag darauf nehme ich mir wieder die Stunde Hausarbeit vor und nehme mir als erstes das Bad vor, es ist zwar für meine Begriffe sauber, aber was soll's. Nebenher läuft die Waschmaschine. Als ich mit dem Bad fertig bin gehe ich zur Küche über. Zwischendurch mache ich immer wieder Pausen und schreibe an Texten. Nebenher läuft das Radio. Zum Abschluss beziehe ich das Bett neu.
Das Wohnzimmer nehme ich mir für den nächsten Tag vor und setze mir gleichzeitig die Frist von zwei Tagen um es zu erledigen. Nebenher hole ich meinen Stuhl aus dem Hinterhof, der die ganze Zeit im Regen stand. Sitz und Lehne sind schon aufgequollen, die besten Anzeichen um ihn neu zu gestalten.
Ein bisschen hat mein Verhalten etwas von Pipi Langstrumpf, die mit sich selber schimpft und wenn sie nicht auf sich selber hört, dann wird sie richtig ernst mit sich selbst.
Bevor ich zu der geplanten Abendgestaltung übergehe mache ich noch die Hälfte meiner geplanten täglichen Sporteinheit, die ich in der letzten Woche habe schleifen lassen.
Die Abendgestaltung besteht aus einer Inszenierung des Schlossplatztheaters im Windkanal in Adlershof. Vor dem Losgehen bin ich beim schreiben so gefesselt, dass es mir schwerfällt mich davon zu lösen, also zwinge ich mich dazu loszugehen.
Auf dem Weg lasse ich mir durch den Kopf gehen was ich alles am Tag geschafft habe und bin glücklich und stolz darauf, dass ich ein potentielles Tief erkannt habe und gegengesteuert habe.
Ich bin stolz auf mich.
Bevor es in den Windkanal geht erinnere ich mich an eine ähnliche Situation, bei der ich niedergeschlagen vor der eigentlichen Veranstaltung nach Hause gegangen bin und kann mein Verhalten von damals nicht mehr nachvollziehen.
Im Windkanal erwartet mich abgedrehte Science – Fiction mit zwei ideellen Gegenpolen und ambivalenter Moral.
Also genau das richtige für mich.
Die Figuren sind in einem Raumschiff gefangen, ohne eigentlich zu wissen warum und ob man dem allgegenwärtigen Computer eigentlich trauen kann. Bei den kunstvollen Lichtinstallationen kommt mir die Idee wohin die Reise eines gewissen Robert Lampe gehen könnte.
Der letzte Tag ist der Sollzustand und ein neuer Bezugspunkt.

Diesen gilt es auszubauen, damit ich kontinuierlich auf mich und auf das heute schauen kann und dabei die gewünschte Normalität sehe.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Jeden Tag irgendeine Tat


Nicht große Worte bestimmen das Leben, sondern kleine Taten.
Ansgar Simon Freigericht
 Also gut Leute, Hefter raus, Klassenarbeit.
Jetzt hier nicht herum murren, für mich ist das auch die zwölfte Stunde.
Erste Frage: Was haben Alkoholismus und Depression gemeinsam?
Richtig, sie entwickeln sich über einen längeren Zeitraum schleichend und treten nicht von heute auf morgen auf, wie vergleichsweise ein grippaler Infekt. Sehr gut.
Richtig. Wie bei allen ernsthaften Erkrankungen ist ein offener Umgang ausschlaggebend.
Richtig, Bei beiden gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade die jeweils gesondert zu betrachten sind.
Was ist noch wichtig zu beachten bei den beiden?
Genau, der eine wird depressiv weil er säuft, der andere säuft weil er depressiv ist. Gut beobachtet.
Wie findet man heraus was zuerst da war?
Hände weg vom Stoff, vollkommen korrekt.
Beim Alkoholiker stellt sich mit großer Wahrscheinlichkeit nach kurzer Zeit eine Euphorie ein, dass er auch ohne Stoff seinen Tag bewältigen kann, der Depressive sitzt dann immer noch da wie ein Kaninchen beim Gewitter. Das sind jetzt Verallgemeinerungen und Klischees, je nach Einzelfall variieren die Krankheitsbilder.
Was für Paradoxon können beobachtet werden bei beiden Krankheitsbildern?
Ja, das ist jetzt eine hinterhältige Frage weil wir das so explizit noch nicht hatten, aber mein Text, meine Regeln.
Exakt, es gibt Fälle die ihrem Krankheitsbild die Schuld für ihr Verhalten geben, quasi: Ich trinke, weil ich Alkoholiker bin oder ich kann nichts machen, weil ich depressiv bin. Ein wunderbarer Teufelskreis ist das meine Damen und Herren.
Jetzt lassen wir den Alkoholiker mal beiseite und konzentrieren uns auf den Depressiven.
Was ist die erste Herausforderung am Tag vor der ein solcher Mensch steht?
Nein es ist nicht das Freuen oder das Essen, es ist das Aufstehen an sich, was eine Hürde an sich darstellt, denn der Depressive an sich will schlafen, schlafen, schlafen und seine Ruhe haben.
Erst recht, wenn die Depression eine Folge von einem Burn -Out ist, wo man sich, wie der Begriff schon erahnen lässt, ausgebrannt und leer fühlt.
Was sagt uns dieses Dilemma an sich?
Der Depressive muss gegen seine Intuition handeln, denn sein Instinkt hat eine Fehlfunktion.
Er will nicht aufstehen, muss er aber, er will sich nicht bewegen, aber nur wenn der Körper in Gang kommt, kommen auch die festgefahrenen Gedanken wieder in Schwung und lüften sich, er will seine Ruhe haben, aber nur wenn er unter Leute kommt, kommt er auch auf andere Gedanken, er will nichts machen, aber er braucht Aufgaben um wieder handeln zu lernen.
Selbst wenn man aus der Klinik frisch und strukturiert kommt, gilt es diese Struktur aufrecht zu erhalten neben dem Aufstehen, neben der Arbeit und neben allen anderen.
Das ist ein täglicher Kampf und am besten ist es sich Aufgaben zu stellen.
Neben kaltem Duschen sollte man sich eine Liste mit vielleicht drei Aufgaben erstellen, die vielleicht einfach erscheinen, aber nach erreichen, stellen sie kleine Erfolgserlebnisse dar, an denen man sich in Zukunft messen kann.
Es gilt dabei eine heilsame Routine aufzubauen, die eine Stütze im Alltag darstellt auf dem Weg zur Gesundung und einen Kontrast zu der Routine darstellt, die zu der Erkrankung geführt hat.
Die neuerliche Gestaltung des Ich steht im unmittelbaren Vordergrund.
Und woran sollte man dabei immer denken?
Es ist ein langsamer Weg, der aus kleinen Schritten besteht und ebenso wie den Beginn der Krankheit wird man ihr Ende erst im Rückblick bemerken.

So, Feierabend für heute, denkt an die Hausaufgaben, sie sind vielleicht wichtiger als man denkt.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Können, Wollen, Dürfen, Brauchen


Du darfst dir ein Jahr nichts gönnen und dann kannst du Held spielen und durchstarten.
Paul Rudd

Wenn ich will kann ich jeden Moment Alkohol trinken.
Ein Späti ist ein Steinwurf entfernt und gefühlte zwei Meter ist der Bahnhof bei dem es geschätzt drei andere Möglichkeiten gibt sich Stoff zu holen. Zusätzlich gibt es noch einen Döner, einen anderen Späti und eine Videothek in der Nähe. Nicht zu vergessen ist die Tanke.
Theoretisch könnte ich jetzt mit einem Einkaufskorb los laufen und ganz entspannt die Preise vergleichen um mir dann die billigste Kombination aus allen sieben Geschäften zusammensuchen.
Wenn ich clever bin suche ich mir einen Supermarkt wie Kaufland oder Kaisers, die jeweils bis 22 oder 24 Uhr offen haben und decke mich da entsprechend ein. Verglichen mit Tanke, Döner, Spätkauf ist das bestimmt die billigste Variante.
Ich darf auch jederzeit Alkohol trinken wenn ich will.
Ich bin nicht nur über 16, sondern auch über 18 und seien wir doch mal ehrlich, den ersten Alkohol trinken die meisten spätestens mit 14 bei der Jugendweihe. Da war ich selber keine Ausnahme, in der Überzeugung, dass so etwas mit dazu gehört habe ich dort anstandshalber eine kleine Flasche Feigling getrunken und fand den Geschmack widerlich.
Am nächsten morgen überschlugen sich meine Klassenkameraden mit ihren Geschichten wie sehr alle getrunken und gekotzt hatten. Das war in Berlin – Marzahn nach der Wende in den neunziger Jahren. Noch Fragen?
Was mir damals befremdlich erschien, entpuppt sich im Rückblick als Märchen von kleinen Jungs, die große Männer sein wollten.
Ich konnte damit genauso wenig anfangen wie mit dem sogenannten Männertag bzw. mit dem Brauchtum sich genau an diesem Tag bis zum Gehtnichtmehr die Kannte zu geben.
Ich bin hier in Deutschland und nicht nur das, ich bin in Ostdeutschland und nicht nur das, ich bin hier in Berlin, genauer gesagt Ost – Berlin.
Wenn ich den Statistiken glauben kann, und sie sprechen eine deutliche Sprache, dann bin ich an dem Ort, wo statistisch am meisten gesoffen wird. Die Ostdeutschen haben da selbst die Russen abgehängt. Suck on that Wladimir!
Hier kann ich mich immer und überall besaufen, wenn ich denn nur will.
Scheiß doch auf die Kartoffel , Schnaps und Bier zu Wurst und Krautsalat sind die Eckpfeiler der deutschen Küche.
Bier ist doch flüssig Brot und war damals auch gesünder als Wasser.
Wir leben hier im Land vom Reinheitsgebot. Wir sind das erste Land auf der Welt das ein Gesetz für Bier erlassen hat und das sagt unterm Strich eine Menge über uns aus.
Was uns das Bier ist den Franzosen der Wein, den Briten das Ale und den Russen der Wodka.
Alkohol ist ein Kulturgut.
Am Suff sollst du sie erkennen.
Was mich zu der Frage bringt: Soll ich Alkohol trinken? Muss ich?
Gibt es in unserem gesellschaftlichen Grundcode eine versteckte Erwartung an erwachsenen Männer sich zu besaufen?
Ich beantworte diese Frage für mich mit einem definitiven Jein.
Mit Sicherheit ist die Tradition bezüglich saufen stärker verankert als in afrikanischen, asiatischen oder arabischen Kulturen und ich kann jedem pubertierenden Teenie nur empfehlen voll krass vegetarischer Antialkoholiker zu werden um gegen die Traditionen der eigenen Eltern zu rebellieren. Das geht tiefer als freie Liebe. Straight Edge anstatt Punk und Nazi.
Interessant ist auch, dass man erst vom Onkel Doktor erfährt, dass Alkohol ein Nerven und Zellengift ist und nicht etwa vom Herrn Lehrer. Klarer Fall von Bildungslücke.
Man kann sich einbilden, dass die Gesellschaft einen zu irgendetwas zwingt.
Damit schiebt man die Verantwortung bequem ab und erwartet, dass andere die eigenen Probleme lösen und da ist es praktisch, dass die Gesellschaft ein großes, schwammiges Ding ist, dass man nicht greifen kann, ebenso wie mögliche Probleme im Kopf.
Wenn mich die Datensammelwut von Fratzbuch nervt, dann gehe ich da nicht on.
Wem Handys zu stressig sind, der schafft sich halt keins an.
Ohne Führerschein lebt sich's auch nicht schlecht.
Wer entdeckt oder erkennt, dass Alkohol eine schädliche Wirkung auf einen hat, sollte sich fragen ob er den Stoff braucht.

Diese Frage ist durch und durch selbstbezogen, realistisch und so wie ich das mitbekommen habe, vollkommen angebracht.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Ich – Werdung


Glück macht Freunde, aber Not prüft sie.

Jedes Kind lernt irgendwann das die magische Kombination aus vier Buchstaben mit der Bezeichnung „Nein“.
Bei der Nutzung dieses kleinen aber entscheidenden Wörtchens beginnt jedes Kind die Bedeutung desselben zu erlernen.
Man bedenke hier Bitte, dass Sprache nur ein gemeinsamer Code ist, auf den wir uns vor langer Zeit geeinigt haben, dessen einzelne Bestandteile, genannt Wörter wir mit spezifischen Bedeutungen aufgeladen haben um die Welt in und um uns zu erfassen und zu erläutern.
Das Nutzen und Erlernen von „Nein“ ist je nachdem im ersten bis zum zweiten Lebensjahr anzusiedeln und wird auch gerne mit einer „Bockphase“ gleichgesetzt.
Als erfahrener Erzieher richte ich hier allen Eltern die von einer „Bockphase“ reden gerne aus: Bis zum Auszug aus der elterlichen Wohnung kommt das Kind aus dieser Phase nicht mehr raus und selbst danach würde ich nicht darauf wetten.
Beim „Nein“ handelt es sich vielmehr um einen weiteren kleinen Schritt auf dem Weg zu der Selbsterkenntnis, den wir alle im Laufe unserer Entwicklung hinter uns gelegt haben.
Begreift sich der Mensch im Mutterbauch und auch in den Monaten nachdem er ihn verlassen hat als Teil eines Lebewesens entdeckt er danach mehr mehr sich selbst.
Es entwickelt sich ein Ego.
Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist die Entdeckung, was zu einem gehört und was nicht.
Was will man selbst und was will man selbst.
Werden dafür zuerst grundlegende Äußerungen von Emotionen genutzt wie Lachen, Weinen oder Gleichgültigkeit, markiert das Nutzen von „Nein“ den Zeitpunkt, wo man den Code der Umwelt geknackt hat.
Ab jetzt kann man seinen Willen sowohl verbal, als auch nonverbal verständlich machen.
Man kann sich abgrenzen.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass sich die menschliche Entwicklung auf einzelne Phasen konzentriert und dazwischen nichts passiert.
So denken nicht wenige, dass mit dem Abschluss der Pubertät, je nach Auslegung zwischen dem 18 und dem 35 Lebensjahr, die Entwicklung des Menschen abgeschlossen ist. Danach kommen dann irgendwann nur noch die Midlifecrisis oder die Wechseljahre, je nachdem von welcher Perspektive man es betrachtet.
In der Realität sieht es jedoch so aus, dass Lernen, Entwicklung, Bilden und Erziehung lebenslange Prozesse darstellen, die in den bekannten Hochphasen eine Grundlage bilden, die jedoch keineswegs unabänderlich ist, da die bereits genannten Prozesse weiter im Hintergrund laufen und somit die Möglichkeit schaffen Angeeignetes und/oder Gefestigtes zu justieren, abzuändern oder zu verwerfen.
Nach der Ausbildung des Egos bzw. des Ichs kommt die andauernde Gestaltung dessen.
Bei dieser Gestaltung gehört das „Nein“ - sagen weiter dazu, da es das Sortieren repräsentiert, welche Personen, Orte, Substanzen, Ideen und Tätigkeiten wir als für uns selber wichtig erachten oder eben nicht. Daraus entwickeln wir jeweils unser Ich, unsere Originalität und unsere Natur.
Wenn man jetzt von Lernen, Entwicklung, Bilden, Erziehung und „Nein“ - Sagen jeweils den ersten Buchstaben nimmt, bekommt man das Wort LEBEN, genauso wie Personen, Orte, Substanz, Ideen, Tätigkeiten, Ich, Originalität und Natur die jeweilige POSITION bilden.

Ob beides richtig aussieht, muss man immer wieder für sich selber überprüfen und wenn man dann feststellt, dass etwas nicht richtig ist muss man überlegen ob und wie man sich sortiert und ob es die Kraft, die man hineinsteckt wert ist.

Donnerstag, 12. November 2015

Abgefuckt und Funktional


Arbeit ist das was Spaß macht, alles andere ist Geld verdienen
Bertolt Brecht

Reden wir.
Reden wir über meine Sucht.
Ich weigere mich bis zum heutigen Tage mich als Alkoholiker zu bezeichnen oder zu behaupten, dass ich generell ein Problem mit dem Stoff habe.
Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich mich in den Suff geflüchtet habe, geschweige denn an dem Umstand, dass ich mit Sicherheit das habe, was man allgemein ein Suchtproblem habe und ich rede hier nicht von den Zigaretten.
Reden wir darüber, dass ich ein Workaholic bin.
Ich bin da bei weitem nicht der einzige. Immer wieder höre ich von anderen Betroffenen, dass sie sich nicht nur auch, sondern in erster Linie durch ihre Arbeit identifizieren und ausleben.
Was passiert eigentlich mit so einer Person, wenn man so jemanden den Lohn für seine Arbeit verweigert und anderen zuspricht? Womit kompensiert man das?
Für mich ist der Missbrauch von Alkohol immer ein Symptom, mit dem man etwas kaschieren, betäuben oder ersetzen versucht.
Vor dem Missbrauch einer Substanz kommt immer etwas anderes, etwas einschneidendes.
Wie ich schon eingangs erwähnt habe, bin ich der „Fun“ im „funktionalen Alkoholiker“.
Das ist eine interessante Wortkombination und ein kleines aber feines Hobby von mir ist es eigentümliche Worte und/oder Kombinationen unter die Lupe zu nehmen um ihren Sinn heraus zu schälen.
Alkoholiker sind doch die ungewaschenen Typen, die am Döner ihr Hartz IV versaufen und dabei auf die Gesellschaft schimpfen.
Alkoholiker torkeln doch besoffen durch die Bahn und verticken dabei irgendeine Obdachlosenzeitung, wenn sie sich nicht gerade ein paar Taler zu erschnorren versuchen.
Alkoholiker prügeln doch ihre Kinder ins Bett und haben keine Zähne.
Alkoholiker sind doch die Bauarbeiter, die ihren Tag mit einem Bier beginnen und ihre Schicht mit Wodka meistern.
Alkoholiker grölen doch so oft sie nur können und suchen Streit wo sie nur können.
Wie kann denn bitte so jemand funktional sein?
Aber anscheinend gibt es genügend davon um einen eigenen Begriff zu etablieren.
Warum gibt es eigentlich keine funktionalen Kiffer?
Koks und Chrystal Meth haben doch schließlich auch den Ruf illegale Drogen zu sein, die dazu genutzt werden um die Funktionalität zu erhöhen. Das hat sich auch schon bis in den Bundestag herumgesprochen.
Neben dem Pegeltrinker und dem Wirkungstrinker mausert sich der funktionale Alkoholiker langsam aber sicher zu einer eigenen Gattung.
Dabei handelt es sich um eine sozialpsychologische Einteilung. Trotz eines weitverbreiteten ganzheitlichen Ansatzes steht für die humanbiologischen Mediziner aufgrund ihrer gewählten Fachrichtung immer das körperliche im Vordergrund. Jeder beschaut sich halt das Problem aus seiner eigenen fachlichen Brille, inklusive Scheuklappen.
Die Grenzen zwischen den einzelnen Gattungen sind fließend und augenscheinlich nebensächlich.
Es ist auch durchaus möglich, dass man im Laufe der Jahre die Gattung wechselt.
Auch ein Pegeltrinker kann nach seinem Schnaps am Morgen mit genügend Nelken oder Deo funktionieren und seiner Arbeit nach gehen. Ein Wirkungstrinker kann auch erst nachdem er auf  Arbeit funktioniert hat sich seiner gewünschten Wirkung entgegen trinken.
Warum schält sich nun der funktionierende Alkoholiker in den letzten Jahren immer mehr als eigenständige Unterkategorie heraus?
Von meiner Art des Alkoholmissbrauchs und von anderen Berichten kann ich darauf schließen, dass  es darum geht den Kopf auszuschalten, da man sich vom Grübeln oder ewig kreisenden Gedanken lösen will. Ja i ti Roboti.
Man will keinen Rausch, man will nicht lustig sein und man will mit nichts mehr zu tun haben.
Man will sich nach der gewünschten Funktion ausschalten um dann am nächsten Tag wieder funktionieren zu können. Ja i ti Roboti.
Der Alkohol wird dazu genutzt um unliebsame Emotionen und Gedanken abzuschalten. Der Kopf soll endlich Ruhe geben. Das Leben bekommt einen kalten, mechanischen Automatismus.
Man funktioniert für alles andere, nur nicht für sich. Ja i ti Roboti.
Irgendwann  ist es dann soweit, dass man überhaupt nichts mehr mit Emotionen anfangen kann.
Wollte man zuerst nur seine eigenen Gedanken beruhigen, stellen am Ende die eigenen Gefühle Fremdkörper dar. Der Automatismus bekommt autistische Züge.
Und dann fängt man an zu heulen und weiß nicht warum. Man ist eben doch kein Roboter.
Anstatt die Wunde mit Alkohol zu desinfizieren oder das Getriebe zu schmieren, hast du dich damit komplett betäubt.
Das solltest du nie vergessen, denn wer nicht aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen vermag ist dazu verdammt sie zu wiederholen.
Es ist ein Fehler sich selber für andere zu vernachlässigen.
Es ist ein Fehler nur funktionieren zu wollen.

Und Roboter bedeutet wortwörtlich nichts anderes als Arbeiter und auch Arbeiter haben ein Herz.

Donnerstag, 5. November 2015

Es kann der Frömmste nicht in Frieden...



Spießer sind immer die anderen.

Der Alltag hat mich schneller wieder als mir lieb ist.
Am Dienstag nachdem ich endgültig aus der Klinik entlassen wurde, steht bei mir der Hausmeister vor der Tür und richtet mir aus, dass meine Blumentöpfe vom Fenstervorsprung verschwinden müssen, da sie eine Unfallgefahr darstellen.
Die Dinger stehen nun schon seit dem Frühling da draußen
Meine Nachfrage ob es Beschwerden von Nachbarn gab bejaht er, will mir aber nicht die Namen nennen, die ich auch nicht zu hören brauche, da es immer wieder dieselben sind die sich beschweren.
So räuspere ich mich anscheinend auch nachts zu laut in meiner Küche und die speziellen Nachbarn sehen sich gezwungen mich darüber am Samstagmorgen um sechs Uhr darüber zu unterrichten.
Wenn ich dann verständlicherweise gnatzig reagiere, habe ich einen dreiseitigen Brief im dafür bereit gestellten Kasten, der mich darüber aufklärt, dass ich doch das Bild was die speziellen Nachbarn von mir haben, bei eben jenen noch korrigieren kann.
Mit den anderen Nachbarn in meinem Haus, die ebenfalls von den speziellen Nachbarn drangsaliert werden, bin ich mir einig, dass da gewisse Leute gehörig einen an der Klatsche haben.
Schön zu wissen, dass ich nicht alleine bin.
Meinen Aufenthalt in der Klinik habe ich dazu genutzt, die Hausverwaltung darüber zu unterrichten, dass ich für einen ziemlich langen Zeitraum wohl keine Störung darstelle und auch andere Nachbarn sind für die Spezialisten immer dann zu laut, wenn sie nicht da sind.
Jetzt also die Blumentöpfe.
Ich könnte mir wie in einer Posse über Kleingärtner vorkommen, stattdessen tanze ich im Sitzen auf meinem Stuhl, da ich bei einem meiner literarischen Projekte die 30000 – Wörter – Marke geknackt  habe und auch die anderen Manuskripte merklich voran kommen.
Immer wieder ziehe ich dabei in Gedanken den Vergleich zum Fahrrad fahren. Der Anfang ist schwer, aber sobald man das erste viertel geschafft hat, ist es leicht bis zur Hälfte und von da ist es fast spielend einfach bis zum Ende und dann kommt das Hoch über die erreichten Erfolge.
Gut, ich überlege in meinem Hoch, ob ich mich jetzt jedes Mal bei meinen speziellen Nachbarn abmelde, wenn ich das Haus verlasse, aber ich ich kenne mich zu gut und weiß, dass dieser Vorgang so lange in meinem Hinterkopf schlummern wird, bis er sich in einem Text wiederfindet.
Zwei Texte über ein vereinsamtes Paar, das in seinem eigenen Saft schmort gibt es schon und es gibt genügend Platz für weitere.
Das Minutenprotokoll von den Spinnern nebenan war eine richtige Goldgrube.
Wenn sich ein kreativer Mensch in dich verliebt, dann wirst du unsterblich, allerdings gilt das auch dann wenn du ihn anpisst.
Große Pläne kann ich noch nicht machen und nutze die erste Woche dazu mich wieder in meiner Wohnung einzufinden und meinen Rechner wieder als Arbeitsinstrument kennen zu lernen.
Dem Internet bleibe ich soweit es geht fern, weil mich die permanente Erreichbarkeit ankotzt.
Bis auf Nachrichten und Blog programmieren bin ich offline und genieße es in vollen Zügen.
Für die zweite Woche nach der Klinik nehme ich mir vor mich um die herumliegenden Krumen meines Studiums zu kümmern. Vor einem Jahr habe ich mir eine To – do Liste angefertigt und bin momentan tierisch froh über meine Angewohnheit alles wichtige in kurzen Stichpunkten zu notieren.
Da meine kreativen Auswüchse auf dem Papier gut voran kommen, pirsche ich mich so langsam aber sicher an das Klugscheißen auf dem Papier heran um dann schlussendlich auf Papier fachsimpeln zu können.
Den Anfang dafür hat dieses therapeutische Tagebuch gemacht.

Ein Grund mehr es weiter zu führen.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Aufbauarbeiten


Fallen ist keine Schande, liegenbleiben schon.

Insgesamt bin ich fünf Wochen im Krankenhaus.
Drei Wochen sationär, zwei Wochen teilstationär.
Wenn meine Symptome schlimmer werden, kann ich mich in einer Tagesklinik vorstellen, unter der Voraussetzung, dass ich nüchtern bzw. abstinent bleibe.
Nach der letzten Visite wird in meinem Arztbrief erwähnt, dass ich bezüglich, meiner Abstinenz selbst überschätzend erscheine.
Die Tage zuvor habe ich jeweils um die 2000 Wörter geschrieben, teilweise sogar noch mehr.
Es ist als ob mein Hirn auftaut.
Die Wirkung des Antidepressivum ist langsam und kontinuierlich.
Wie eine wärmende Lampe scheint es die Verkrampfung in meinem Hirn ab zu schmelzen und die Kapazitäten, die darin schlummern frei zu legen.
Schreiben hatte für mich immer schon eine besondere Wirkung.
Ich habe einen großen Kopf und da passt eine Menge rein, aber diese Menge will auch frei sein und zu Papier gebracht werden.
Dass ich kontinuierlich an kreativen Texten arbeiten kann ohne mich vor irgendeinem imaginären Richtspruch zu fürchten ist eine unglaubliche Befreiung.
Man könnte auch sagen, dass ich durch diese Befreiung high werde.
Wenn du dich mit deinen eigenen Welten beschäftigst und die von dir erschaffenen Figuren aufstellst und gewisse Logikmuster im Text einfängst hat das etwas wahnhaftes.
Nicht umsonst behaupte ich gerne von mir, dass ich keine Drogen brauche, sondern stoned by nature bin.
Vollkommen perplex stelle ich fest, dass ich im Fluss bin und Aufgaben die vor drei Monaten noch unmöglich schienen mit einer Leichtigkeit zu erledigen sind.
Dass mir das von Ärzten als Selbstüberschätzung ausgelegt wird, schlägt in die logische Kerbe, die mit „Darf sich nicht über eigene Erfolge freuen“ beschriftet ist.
Dadurch, dass ich mich nicht auf diese logische Kombination einlasse, sondern mich lieber auf meine kleinen Erfolge konzentriere, merke ich dass es mit mir beständig aufwärts geht.
Dazu bilden meine Gedankenblasen immer wieder neue Ausläufer, die ich problemlos verfolgen kann.
Ich habe auch kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich mich schick mache und mich um mich selber kümmere.
An Gitarre und Verse ist im Moment noch nicht zu denken, aber alles braucht seine Zeit.
Immer wieder schleicht sich ein schlechtes Gewissen wegen Kleinigkeiten im Hinterkopf an, aber ich schaffe es immer wieder es abzuschütteln, wenn das bedeutet, dass ich dadurch vielleicht einen Tick entwickle, dann nehme ich das in Kauf. So merke ich zum Beispiel, dass ich mich verstärkt räuspere, wenn ich unliebsame Gedanken an die Vergangenheit niederkämpfe.
Noch bevor ich mich um die erneute Krankschreibung für meine Arbeit kümmere oder andere ärztliche Versorgungen organisiere, schreibe ich eine Bewerbung für meinen Arbeitgeber, damit ich auf eine andere Stelle versetzt werde.
Man kann an seinem Handeln erkennen, was einem wichtig ist.
So habe ich bei mir im Flur ein Küchenbuffet, dass ich genüsslich langsam gestalte, während ich im Wohnzimmer die Texte in die Tasten haue.
Genauso wie ein Stein eine Skulptur in sich trägt die frei gesetzt werden will, will ein Möbelstück auf eine ganz bestimmte Weise dekoriert werden.
Was meine Abstinenz angeht, so weigere ich mich schlicht groß irgendetwas zu schwören, da meine Erfahrung mit allerlei Menschen immer wieder gezeigt hat, dass jene die am schnellsten schwören, am schnellsten ihre Fehler wiederholen.
So spüre ich zum Beispiel endlich wieder seit langer Zeit Zuversicht.
Der Satz „Ich werde das schaffen“ macht sich wohlig warm in meinem Kopf breit und das liegt an den Medikamenten.
Ich darf nicht vergessen, dass dieser Zustand an den Medikamenten liegt, denn sonst interpretiere ich diese neue Zuversicht neu und komme möglicherweise auf die dumme Idee sie abzusetzen und reiße mir alles wieder ein.
Der Weg nach vorn sollte immer mit den Erfahrungen geplant werden, die hinter einem liegen.

Ansonsten halte ich mich an einen Spruch den ich mir aus einem Comic von Ralf König abgewandelt habe „Heute geht es mir besser als gestern, gestern ging es mir besser als vorgestern, dass heißt für morgen und übermorgen sieht es doch gar nicht mal so schlecht aus.“.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Lebensmathe

Eine mathematische Wahrheit ist an sich weder einfach noch kompliziert, sie ist.
Émile Lemoine

Mir ist langweilig. Also lasst uns was spielen.
Am besten irgendwas experimentelles.
Ich habe gerade keine Kleintiere zu Hause, die Nachbarn passen auf ihre Katzen sehr gut auf und Experimente am Menschen sind in einem gewissen Rahmen immer noch illegal.
(Obwohl ich immer noch echt tierisch Bock hätte bestimmte Personen …. aber lassen wir das.)
Wie wäre es also mit einem kleinen Mathespielchen.
Ich liebe Mathe und Formeln, sie sind so herrlich berechenbar und erst recht liebe ich Gedankenspielchen.
Das ist in sich ein Paradoxon, da ich in der Schule nie wirklich ein großes Interesse am viel gescholtenen M hatte, ich tobte mich lieber in Physik und Chemie aus, da diese auch weitaus praktischer orientiert sind.

Nehmen wir für unser kleines Experiment nun einmal die Zahl 4.
Es handelt sich hierbei nicht nur um eine Zahl oder Ziffer, sondern auch um eine Summe und somit um ein potentielles Ergebnis.
Warum ausgerechnet die 4? Keine Ahnung, sie ist mir halt als erstes eingefallen und das hier ist mein Blog und mein therapeutisches Tagebuch und wenn ich will, kann ich einfach anfangen auf englisch zu schreiben.
So don't bother me with useless questions, I don't want to loose my track of thought.
Außerdem wäre es mir zu langweilig nur mit 1 und 0 zu hantieren wie ein Informatiker.
Setzen wir das potentielle Ergebnis der 4 nun mit einem alkoholfreien Leben gleich.
Die wahrscheinlichste Gleichung um zum Ergebnis zu kommen ist unter anderem 2 + 2.
Wenn sich jetzt jemand zu einem alkoholfreien Leben entschließt und dieses kundtut ist es wahrscheinlich, dass die meisten vermuten oder wissen, dass dieser jemand zu viel getrunken hat.
Ergo kann man die Gleichung 2 + 2 = 4 mit Alkoholiker + Einsicht in seine Krankheit = Verzicht auf Alkohol gleichsetzen.
Ein anderes Beispiel wäre die Gleichung 1 + 1 + 1 + 1 = 4
Hier haben wir vier Faktoren, die zu dem gewünschten Ergebnis führen.
Wie wäre es zum Beispiel mit Mobbing + Burn Out + Depression + Einsicht in die katalysierende Wirkung des Alkohols = Verzicht auf Alkohol.
Ich gebe zu, dass ich hier ein wenig schummele, da ich einzelne Zahlen mit unterschiedlichen Funktionen besetze, aber das ist dann der Länge des Textes geschuldet und dem Umstand, dass hier soziale Wissenschaften auf Naturwissenschaften treffen, was zu Verständnisschwierigkeiten zwischen den beiden führen kann.
Was ist jetzt aber, wenn wir es mit dem Schummeln ein wenig zu weit treiben?
Hier kommt uns die sogenannte orwellsche Gleichung zugute oder anders gesagt, eine Gleichung, die unmöglich stimmen kann zum Beispiel 2 + 2 = 5, wobei wir hier die 5 mit kontrolliertem Trinken gleichsetzen.
Ein echter Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken.
Jemand, der gerade in einer depressiven Phase steckt kann auch nicht kontrolliert trinken ohne sich weiter in das Tief hinein zu begeben in dem er sich gerade befindet.
Man würde sich dabei ganz klar in den Minusbereich begeben und die eigentliche Gleichung müsste dann beispielsweise 2 – 3 oder 1 + 1 + 1 – 5 lauten.

Einen anderer Vorteil von diesem kleinen Lebensmathe ist, dass es de facto unendliche Wege zum gewünschten Ergebnis gibt.
Multiplikation und Division haben wir komplett ausgelassen ebenso wie den Weg sich der erwünschten 4 nur mittels Subtraktion zu nähern.
Das veranschaulicht kurz, knapp und klar, das jeder seinen eigenen Weg zum gewünschten Ziel haben kann und das man niemanden über einen Kamm scheren kann.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Kalte Dusche

Wir mögen die Welt kennenlernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.
Johann Wolfgang von Goethe


Im September letzten Jahres entschloss ich mich dazu, mich von allem zu trennen, dass mich in irgendeiner Form behindert.
Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits ab, dass der Verein dem ich 12 Jahre meines Lebens gewidmet hatte viel lieber beim Mobbing durch Vorstandsmitglieder mitmachte und von mir erwartete, dass ich ohne wirkliches entgegen kommen weiter meine Zeit und Kraft investierte.
Dass ich nach der finalen Trennung im Dezember dann in eine depressive Phase verfalle war nicht geplant.
So etwas plant man nun mal nicht, das ist dem Prozess geschuldet und der Art und Weise wie mit mir umgegangen wurde.
Dabei hatte mir mein Körper ziemlich klare Warnsignale gegeben, neben Panikattacken hatte ich mich im Dezember übergeben und ich übergebe mich sonst nie.
Weder von Alkohol, noch von Essen, auch nicht von Kotze oder Exkrementen anderer Leute und auch nicht von schlechten Filmen.
Wenn, dann habe ich mich immer vor Aufregung übergeben.
Als Kind reichte dazu eine Fahrt zu Oma, die ich alleine unternehmen sollte.
Mittlerweile bin ich ganz gut in Sachen Stress trainiert und es braucht einiges um mich zum Kotzen zu bringen.
Natürlich nimmt ein Dickkopf wie ich es bin solche Hinweise zuerst nicht war, wischt sie zur Seite und macht einfach weiter.
Nur dummerweise war der angerichtete Schaden so groß, dass er sich zu einem Krankheitsbild verdichtete, dass allgemein als depressive Phase bekannt ist.
Die letzten Wochen haben etwas vom Aufwachen aus einem schrecklichen Albtraum für mich.
Selbstverständlich gab es auch positive Episoden, aber die konnte man nicht genießen aufgrund der Erkrankung, da mir eingeredet wurde, dass ich ja nichts wert bin.

Ich habe jetzt meine Medikamente und werde ambulant von Fachärzten versorgt.
Dazu lebe gerade abstinent vom Alkohol. Wie lange das anhalten wird, weiß ich nicht. Ich steuere nicht verzweifelt die nächste Flasche an. Mein Kopf ist mir da wichtiger.
Auf meiner Seele sind immer noch Narben die nicht komplett verheilt sind, weshalb sie wie verrückt jucken.
Am liebsten würde ich dem Impuls nachgeben und mich da mental kratzen, aber dann würden sie wieder anfangen meine Gedanken voll zu bluten und die Heilung würde wieder verhindert werden und ich würde meinen Zielen nicht näher kommen.
Also starte ich lieber den Tag mit einer kalten Dusche, weil das den Kopf frei machen soll, gleichzeitig soll es auch den Testosteronspiegel heben, aber das ist dann wenn überhaupt eine nette Nebenerscheinung.
Ich habe mir einen kleinen täglichen Trainingsplan zurecht gelegt, den ich befolge.
Beides bringt das Blut in Wallung und beides dient dazu kleine Erfolgserlebnisse zu schaffen.
Ich habe ein Küchenbuffet, das endlich nach Jahren gestaltet wird.
Und ich lese und schreibe.
Jetzt nicht in dem Umfang, wie ich es gewohnt bin, aber trotzdem ist das doch schon mal was.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Das ist nicht lustig und darüber macht man Witze

 
Die klügsten Fische treibt der Hunger an die Angel.
Johann Wolfgang von Goethe

Insgesamt verbringe ich drei Wochen stationär im Krankenhaus. Eine normale Entgiftung dauert maximal 7 bis 10 Tage. Meine Entgiftung ist nach einem Tag abgeschlossen.
Um das eigentliche Problem anzugehen verstecke ich mich hinter meiner Mutter, die mit einen gepfefferten Brief durchsetzt, dass ich länger bleibe.
Nach etwas mehr als zwei Wochen kann ich erst wieder mit fremden Menschen reden und das auch erst, nachdem meine Medikation herauf gestuft wurde, um eine antidepressive Wirkung zu erwirken.
Nach knapp dreieinhalb Wochen kann ich endlich wieder damit anfangen ein Buch zu lesen.
Es ist das zweite in diesem Jahr.
Dazu muss man wissen, dass ich seitdem ich lesen kann, alles lese was mir unter die Nase kommt.
Ich bin das was man einen Faktenfresser nennt.
Und je abstruser die Fakten oder die Geschichten, desto besser.
Nicht zu lesen oder gar zu schreiben zu können ist für mich eine Qual, erst recht, da ich über einen recht beweglichen Kopf verfüge in dem sich allerlei Gestalten tummeln.
Um diesen Notstand abzuschwächen lulle ich mich mit Hörbüchern in den Schlaf.
Es ist ein minimaler Ersatz für das, was mein Hirn eigentlich will, aber es hilft.

Auf der Beratungsstelle für Suchterkrankungen werde ich nach vier Wochen gefragt, ob ich zwischen mir und den anderen irgendwelche Parallelen erkennen kann.
Nein, kann ich nicht. Ich fühle mich wie auf Arbeit und habe immer wieder den Eindruck, als ob ich es mit den Eltern meiner Klienten oder mit meinen Klienten plus 20 bis 30 Jahre zu tun habe.
Ich erkenne jedoch, dass ein Politox- Patient von anderen Patienten geschnitten, ignoriert, zurecht gewiesen und hinter seinem Rücken gelästert wird.
Mit anderen Worten, er wird gemobbt.
Irgendwann entlässt sich der gemobbte Politox- Patient von selbst und der andere Politox- Patient, der ihn immer wortreich für seinen Wortreichtum kritisiert hat, teilt seine Erleichterung über diese Entwicklung wortreich mit.

Als ich im betreuten Jugendwohnen gearbeitet habe, fiel mir auf, dass sich all die Jugendlichen schon untereinander aus anderen Kriseneinrichtungen kannten.
So ähnlich ist es auch hier.
Die anderen Patienten tauschen sich gegenseitig Geschichten ihrer vielen Aufenthalte aus und trinken bis zum abendlichen Skatspiel Kaffee und wundern sich dann darüber, dass sie nicht einschlafen können.
Ich sitze versnobt in meiner Ecke und tue mich an meiner Melone gütlich.
Ich habe keine Lust mich mit den anderen unnötig zu unterhalten und ich habe auch keine Ahnung worüber.
Das ist keine Arroganz, jeder hat hier seine Macke und jeder hier wurde vom Leben gefickt.
Und ganz so drüber stehe ich auch nicht, schließlich habe ich auch versucht mir meine Depression schön zu saufen.
Auf einer Veranstaltung fällt der passende Satz: „Nur weil ich ein Spritti bin, bin ich kein schlechter Mensch.“
Man könnte auch sagen: Nur weil ich eine Macke habe, bin ich nicht blöd.

Am Ende meiner drei stationären Wochen sind insgesamt fünf Patienten wieder eingewiesen worden, die nach der Entgiftung entlassen wurden.
Eine Patientin macht das genau drei mal in drei Wochen durch.
Für mich und meine Krankheit ist das eine kleine Bestätigung, dass wenn man sich in Drogen flüchtet, nochmal vielleicht etwas anderes dahinter steckt.
Was genau das bei jedem einzelnen ist, ermaß ich mir nicht an zu vermuten.
Unter anderem weil ich hier nicht auf Arbeit bin und ich mich hier um mich selber zu kümmern habe.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Versumpft

 

Depression ist normalerweise nichts weiter als aus Angst unterdrückte Wut und unterdrückte Trauer.

Ich liebe dieses Zitat.
Ich möchte es im Arm halten, küssen, heiraten und mit ihm lauter neue Zitate aufziehen, weil es den Kern der Sache so wundervoll trifft.
Man versucht etwas in sich selber zu unterdrücken, weil einem beigebracht wurde, dass man nichts wert ist.
Da ist etwas in einem drin, das einem Angst macht, also schließt man es weg, nur ist es dann immer noch da.
Immer wieder bricht es sich seine Bahn in Form von Heulkrämpfen, von denen man nicht weiß woher sie eigentlich kommen.
Wie ein nie versiegender Brunnen kommen immer wieder neue Gedanken auf die man keine Lust hat in einer Intensität, die einem Angst vor einem Selbst macht und alle seelische Kraft wird darauf verwendet seine Gefühlswelt zu unterdrücken, bis man schließlich wie Mr. Spock auf die Frage „Wie fühlen sie sich?“ nicht mehr antworten kann.



Das Perfide an einer depressiven Phase ist, dass man den Anfang und das Ende nicht mitbekommt, weil es dafür keine klaren Punkte gibt.
Ein Schatten schleicht sich langsam heran und umschlingt schließlich in Form einer Wolke den Geist.
Ein sehr schönes Bild liefert hierfür die „Unendliche Geschichte“ in der das treue Pferd Artax vom Held Atreju sich in den „Sümpfen der Traurigkeit weigert weiter zu gehen und schließlich versinkt.
Genau so ist es mit der Depression.



Wenn ich jetzt hier die ganze Zeit über meine Krankheit schreibe, möchte ich hier darauf hinweisen, dass es sich bei mir um eine depressive Phase handelt und nicht um eine chronische Depression.
Das sind zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, wobei man allerdings davon ausgehen kann, dass sich eine depressive Phase chronifizieren kann, wenn da nicht gegen gesteuert wird.
Wie schon erwähnt, wirkt Alkohol, genauso wie andere Drogen, hier als Katalysator.
Obwohl meine Gesundung noch ein langer Weg sein wird, habe ich zum Glück keine chronische Depression.
Aus meinem beruflichen Erfahrungsschatz weiß ich wie so etwas aussieht und sich äußert und es wäre respektlos gegenüber den Betroffenen zwei Krankheiten, die sich zwar ähnlich sind, aber sich doch unterschiedlich äußern miteinander zu vermischen.
Man muss sich das so vorstellen wie bei einer Erkältung, die unbehandelt zu einer Herzschwäche führen kann.

Interessant ist hier auf der Station auch, dass ich nicht der einzige mit dieser Problematik bin.
Viele andere Betroffene beschreiben auch ein Gefühl der Lehre und das der Alkohol eine Art Ersatz für sie ist.
Mittlerweile habe ich auch eine Selbsthilfegruppe gefunden, die mir gleich zu Anhieb sympathisch war, da dort auch Themen wie Doppeldiagnose Depression/ Alkohol und Mobbing angesprochen wurden.
Interessanterweise höre ich in der letzten Zeit von Mobbing gegenüber Männern und immer wieder zeigt sich, dass das nicht ernst genommen wird.
Mobbing ist halt nur was für Mädchen.
Die Selbsthilfegruppe habe ich mir nach dem Credo der Erreichbarkeit ausgesucht, damit ich keinen Grund zum mogeln habe, gleichzeitig ist sie in einer sozialen Einrichtung ansässig, die mir bekannt und vertraut ist, das ist bei meiner Macke schon mal ein riesiger Vorteil.
Es handelt sich um eine Gruppe des VAL, was jetzt nichts zu heißen hat, eine andere Organisation, die mir nahe gebracht wurde sind Narcotics Anonymos.
Mit der Selbsthilfegruppe allein ist es nicht getan, gleichzeitig organisiere ich mir parallel zur klinischen Versorgung noch mit Unterstützung meiner Familie einen Nervenarzt und einen Psychotherapeuten.
Das alles wird dann zusammen mit meinen Happymakern (Mirtazapin um genau zu sein) zu einem Gesamtpaket geschnürt, dass meine perspektivische Gesundung zum Ziel hat.
Wie lange es jedoch dauert bis ich wieder ohne all das klar komme, das kann keiner sagen.

Donnerstag, 24. September 2015

YES! Doch kein Alkoholiker!


Ey Leute, ich bin gar nicht alkoholkrank. Ich bin einfach nur nach massivem Mobbing in eine depressive Phase verfallen.
Das heißt also ich kann so viel von dem Zeug trinken wie ich will, es wirkt sich halt nur verstärkend auf meinen Zustand aus...
ACH VERDAMMT!!!
Egal wie man es jetzt dreht und wendet, für mich heißt es Alkohol ade.
Ich bin zwar nicht abhängig, dafür vertrage ich das Zeug nicht bzw. tut es mir nicht gut.
Gleichzeitig beißt es sich mit meiner Medikation.
Nicht nur ist mir theoretisch bekannt, dass Alkohol mit Medizin gemischt eine bescheuerte Idee ist, ich durfte die Effekte auf Arbeit bei Klienten hautnah miterleben.
Bei der richtigen Kombination kann das einem das Hirn vermurksen und mir ist mein Hirn sehr wichtig, da sind meine Ideen drin.
Alles in allem ist es hier für mich an der Zeit, mir mal ordentlich selber auf die Schultern zu klopfen.
Vom Therapeuten weiß ich nicht nur, dass ich mich mit dem Alkohol selber medikametiert habe, ich habe meinen Zustand schnell erkannt und schnell geschaltet. Das mein Handeln richtig war bekomme ich auch von Freunden und Familie zu hören.
Als ich nicht mehr dazu in der Lage war Informationen zu verarbeiten, habe ich zugelassen, dass mir meine Mutter kurz das Ruder in die Hand nahm und sich mit der Stationsärztin austauschte.
da dies in meinem Sinne war und ich eine nachhaltige Behandlung meiner Krankheit haben wollte.
Zu dem Zeitpunkt war auch meine logische Seite in sich zusammen gesunken und eigentlich war ich nur noch eine wandelnde Hülle und versorgte die Bedürfnisse meines Körpers nach Obst und Bewegung.
Letzteres ist ein das beste natürliche Gegenmittel gegen Depressionen, wie mir vom Therapeuten versichert wurde und ich kann es nur bestätigen.
Ich fange wieder an Dinge zu kommentieren, so wie es mir einfällt und ich beginne wieder zu summen und zu singen. Noch sind es kurze Sequenzen, aber sie sind da.

Wenn ich mir so alles im Nachhinein betrachte, dann kann ich zufrieden feststellen, dass meine Instinkte und meine Intuition sehr gut funktionieren und ich alles richtig gemacht habe
Das Mobbing durch Vorstandsmitglieder habe ich sowohl schriftlich als auch verbal angemerkt, wenn es den Tätern an Selbstreflektion mangelt, dann ist das nicht mein Fehler.
Wenn dann ein gewisser Projektleiter in seiner Ignoranz meint das de facto straffällige Verhalten zu zerreden und zu verklären, dann ist das nicht mein Fehler. („Ich könne nicht erwarten gerecht behandelt zu werden, nur weil ich Recht hätte“ „Ich habe mich doch bei den Personen beliebt zu machen, die sich auf meine Kosten profiliert haben.“)
Wenn ein gewisser Verein es nicht schafft ein Korrektiv zu negativen, faulen und inkompetenten Vorstandsmitgliedern zu schaffen, von denen sie nicht nur wissen dass diese negativ, faul und inkompetent sind, sondern auch dass diese mobben, dann ist das nicht mein Fehler.
(„Das ist halt ihre Art.“ „Freue dich doch mal darüber wie du behandelt wurdest“)
Wenn ich irgendwann mit zwei erhobenen Mittelfingern Gift und Galle spucke, weil permanent die Schuldigen verteidigt werden und ich nur nicht permanent für das Fehlverhalten der anderen zur Verantwortung gezogen werde sondern von mir auch noch erwartet wird, dass ich ich Zeit, Geld und Kraft in etwas vollkommen undankbares und parasitäres investiere, dann ist das nicht mein Fehler.

Wenn ich eine Lehre aus der ganzen Sache ziehe dann, dass ich selbst im abgefuckten Zustand mehr auf die Reihe kriege, als irgendwelche Laberköppe, die große Ideale beschwören, ohne auch nur ansatzweise danach zu handeln.
Und da sich ja Stress bekanntlich negativ auf die Höhe des IQ auswirkt, kann ich aufgrund der vorliegenden Fakten feststellen, dass ich auch in belastenden Situationen einen großen Kopf habe in dem ganz viel rein passt.
In diesem Kopf rennen gerade alle möglichen Gedanken und Ideen umher und wollen heraus, aber ich habe zu warten bis sie ihren Platz gefunden haben, damit ich auch weiß wo ich sie finde.
Auf keinen Fall darf ich mich jetzt übernehmen und muss alles in Ruhe angehen.
Ich vertraue hier wie immer auf meine Intuition.
Aus diesem Grund habe ich auch darauf verzichtet Selbsthilfegruppen zu besuchen, obwohl es mir immer wieder vorgeschlagen wurde, da ich bei zu vielen Menschen Kopfschmerzen bekomme und ich mich dann nicht konzentrieren kann.
Aus dem selben Grund schreibe ich auch dieses öffentliche therapeutische Tagebuch.
Das hilft beim sortieren, erleichtert und ich selber habe im Internet durch Erfahrungsberichte und andere Quellen mir selber Lösungsansätze geholt.
An Märchen, Gedichte oder anderes ist im Moment nicht zu denken, im Moment gilt immer noch die Devise: „Schreiben was ist“

Einer der Lösungsansätze kommt von dieser Seite, die ich bemerkenswert finde, da die Autorin sich ebenso wie ich von einer bestimmten Szene aus STAR TREK angesprochen fühlt, wo Spock vom Computer gefragt wird, wie er sich denn fühle und Spock keine Antwort darauf weiß, da er mit der Frage nichts anfangen kann.

https://dontdatethatdude.wordpress.com/2007/11/17/how-do-you-feel/

Donnerstag, 17. September 2015

Party auf dem Ergometer


Es ist ein Armutszeugnis, wenn man nur von seinem Reichtum zu reden weiß.
Sprichwort

Eigentlich will ich diesen Text hier nicht schreiben.
Ich habe da ein Raumschiff, dass gerade in einer Raumzeitverkrümmung festhängt, einen Typen der durch eine verwunschene Stadt irrt und noch lauter andere Geschichten, die mir gerade durch den Kopf geistern.
Aber die können gerade irgendwie nicht raus.
Genauso wie ich letztes Jahr meine Wohnung in zweieinhalb Stunden sauber gekriegt habe, konnte ich auch im Durchschnitt 1500 Wörter pro Tag schreiben, genauso wie ich Texte mal eben quer lesen konnte.
Jetzt liegen in meinem Nachtschrank lauter Bücher, die ich nicht lesen kann, weil mir die Konzentration fehlt.
Das einzige was ich gerade aufnehmen kann sind Zitate und mein Wordcount ist bei knapp 500 die Woche.
Wenn ich mit Menschen zu tun habe bekomme ich Kopfschmerzen und selbst gut gemeinte Besuche strengen mich an. Nach einer Stunde Ballspielereien in der Bewegungstherapie falle ich vollkommen erschöpft in mein Bett.
Theoretisch könnte ich da den ganzen Tag bleiben, aber dann ist da wieder die innere Unruhe und die Monster in meinem Kopf machen sich breit.
Also setze ich mich so oft es geht auf den Ergometer, auch bekannt als Hometrainer oder Standfahrrad, und reagiere mich ab.
Entweder weil man als Süchtiger seine Ausdauer trainieren soll oder weil ich aus gut unterrichteter Quelle weiß, dass das russische Wort für trainieren wortwörtlich übersetzt aufladen bedeutet.
Beim auf der Stelle radeln höre ich Musik und mach die Augen zu, dann habe ich vor der Welt meine Ruhe.
Nach knapp 30 Minuten kommt die leichte Euphorie, die nach dem Absteigen knappe 10 Minuten anhält.
Wenn es möglich ist, gehe ich spazieren.
Am besten da wo es keine oder nur wenige Menschen gibt.
Im Wald fühle ich mich wohl, hier bin ich aufgewachsen und kein Wildschwein kann so grausam sein wie manche Menschen die ich kenne.
Die frische Luft erfrischt ein wenig den Kopf und lockert ein wenig die Wolke die ihn umgibt.
Auf der Station geistern die unterschiedlichsten Patienten herum.
Eine Frau hat den Körper einer Zwanzigjährigen, aber das Gesicht ist nochmal vierzig Jahre älter.
Dazu trägt sie farblich abgestimmten Nagellack zu Haarschleife und Pullover.
Ein großer kräftiger Mann gibt in der Arztsprechstunde zu verstehen, dass er kein Alkoholiker ist.
In der Bewegungstherapie lässt er durchblicken, dass er wegen Amphetaminen hier ist.
Er freundet sich schnell mit einer jungen blonden Frau an, die ein mechanisches Lachen hat und wegen Medikamenten hier ist.
Dann ist da ein kleiner Mann, der nur hier ist um mal kurz Pause vom dauernden Saufen zu machen, was eine Freundin mit „Der hat den Schalter nicht gefunden“ kommentiert.
Schließlich ist da noch ein Mann mit Gehstock, der laut eigener Aussage seit 40 Jahren Schwerstalkoholiker ist und ja nur hier ist um ein Gerinsel zu überprüfen, alles andere werde wird sich schon irgendwie geben und diesen Psychoterror hier kann ja niemand aushalten.
Ich nenne ihn „männliche Margarete“, weil er mich an jemanden bestimmtes erinnert.
Er haut verbal gerne auf den Putz, nur um danach dann leise hinter den Rücken der anderen zu sagen „Verstehst ja wie ich das gemeint habe“.
Keine Aussage hat auch nur irgendwie ein Gewicht, geschweige denn Hand und Fuß.
Eigentlich könnte ich ihn auch Jan nennen.Christine, Daniel oder Sarah wären auch in der engeren Wahl.
Mit den Leuten hier verbindet mich nichts.
Bei den Selbsthilfegruppen die sich hier vorstellen, fällt immer wieder gerne der Satz „Wir wissen ja alle was wir für ein Problem haben“
Ich habe keinen Saufdruck, mein Blutdruck singt beständig, ich zähle nicht die Tage, die ich ohne Suff meister und die Flaschen rufen auch nicht nach mir.
Ich bin ein ziemlich starker Raucher und ich weiß wie sehr der Stoff nach einem schreien kann und wenn ich nicht rauche kribbelt meine Haut, als ob Ameisen darauf tanzen würden.
Der Alkohol ist eine Nebensächlichkeit, die außer Kontrolle geraten ist um etwas zu kaschieren.
Er macht so herrlich dumpf und er behindert so schön das nachdenken.
Unbewusst habe ich versucht eine Wunde in meinem Kopf zu sterilisieren.
Jetzt kann ich meinen Kopf nicht mehr so nutzen wie vor einem Jahr.

Donnerstag, 10. September 2015

Ist ja wie auf Arbeit hier



Alkohol macht dumm und gleichgültig.
Kapier ich nicht ist mir auch egal

Für die ersten Tage wird mir Bettruhe verordnet.
Keine Ahnung was das sein soll, wahrscheinlich soll man aufpassen, dass das Bett ruhig steht.
Die Wochen vor meiner Einweisung in die Klinik bin ich jeden Tag 20 Kilometer gelaufen um mich irgendwie zu beschäftigen.
Einmal zur Wohnung und in einem Raum Staub wischen und wieder zurück. Es sind minimale Ziele, aber wenigstens sind es Ziele die ich erreichen kann.
Rauchen gehe ich auf eigene Gefahr, da es beim Entzug zu Krampfanfällen kommen kann.
Ich habe keine Krampfanfälle und tiger auf und ab.
In der ersten Nacht schlafe ich ohne Alkohol erlöst durch, genauso wie den folgenden Tag.
Überhaupt schlafe ich sehr viel im Moment.
Das bekannte Muster tritt wieder in der zweiten Nacht auf und mein Kopf gibt keine Ruhe.
Meine Gedanken beißen sich fest und lassen sich nicht mehr steuern.
Grübeln“, nannte das die Ärztin im Aufnahmegespräch. Die Art wie ich behandelt wurde bezeichnete sie herrlich sachlich als Mobbing.
Am dritten Tag kann ich endlich für eine halbe Stunde raus und verlaufe mich praktischerweise zum nächsten Supermarkt da ich mir ein Sportgetränk holen will.
Meine innere Unruhe kotzt mich an und ich will sie in irgendwas umsetzen.
Im Flur der Station steht ein sogenannter Ergomat, auf dem ich mich auspowern will.
Auf der Suche nach dem gewünschten Getränk komme ich an Bier, Schnaps und Wein vorbei und verspüre weder Saufdruck, noch irgendein anderes Verlangen mir das Zeug zu kaufen oder rein zu kippen.
Ekel passt eher.
Ich habe mich mit diesem Dreck betäubt um schlafen zu können und am Ende hat es nichts geholfen.
Selber habe ich immer gepredigt, man solle nicht aus Frust oder Trauer trinken und überhaupt nur zu bestimmten Anlässen und bin dann am Ende selber in diese Falle getappt.
Am selben Tag findet ein Jubiläum statt, was quasi ein Klassentreffen darstellt und eine Menge enger Freunde werden da sein.
Da ich nach der Hochzeit einer engen Freundin zuhause einen Heulkrampf bekommen habe ist es unterm Strich besser, dass ich jetzt in der Klinik bin.
Ich bin umgeben von Leuten, die das alles schon mehrmals hinter sich hatten, manche sogar mehrmals im Jahr.
Einer ist jünger als meine Eltern und sieht knapp zehn Jahre älter aus.
Nachdem ich kurz von meinem Beruf erzähle, fragt er mich nach meiner Visitenkarte. Muss am Jackett liegen.
Der Kandidat sucht sich immer neue Ausreden, wenn etwas von ihm erwartet wird und pickt sich sonst die Rosinen aus dem Kuchen.
Das Verhalten kenne ich ja jetzt zur Genüge und wahrscheinlich habe ich es mit der Muttermilch aufgesogen, dass ich diese Art und Weise zum kotzen finde.
Ein anderer möchte immer als erster ran kommen.
Man kann hier nicht alle über einen Kamm scheren und so mischen sich unter diejenigen die gut zurecht kommen erwachsene Kinder.
Mein Zimmergenosse ist wegen Canabis hier und erzählt stolz, dass er schon zwei Wochen Entzug durchgestanden hat. Er redet auch manchmal im Schlaf.
Von seinen Ausflügen kommt er mit Sonnenbrille zurück, trinkt dann sehr viel und legt sich ins Bett.
Eine Freundin ermahnt mich, dass ich doch bitte nicht auf Arbeit bin.
Überhaupt erhalte ich viele Glückwünsche, die ich alle sachlich wahrnehme.
Ich soll mich erholen, man ist für mich da, man denkt an mich und alles wird gut.
Am fünften Tag gratuliert mir die Oberärztin bei meiner ersten Visite, dass ich den Entzug doch ganz gut gemeistert habe.
Darauf weist sie eine Schwester darauf hin, dass ich noch keine Woche da bin.
So schlimm kann das Blutbild also nicht sein.
Immer wieder werde ich gefragt wie es mir geht und ich kann diese Frage nicht beantworten.
Körperlich bin ich leistungsfähig, aber sonst bin ich leer und unsortiert und kann meine Energien nicht anzapfen.
Am Abend des fünften Tages bekomme ich einen Heulkrampf und weiß nicht warum.
Ich habe mir immer wieder umsonst den Arsch für andere aufgerissen und das rächt sich jetzt.

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