Montag, 1. Oktober 2012

Klartext

Mein Lieber Tobsi

Entschuldige bitte die späte Rückmeldung, aber ich habe nach meiner Beförderung allerhand zu zu tun.
Du hast richtig gelesen ich wurde befördert.
Du darfst stolz auf deine kleine Schwester sein.
Hintergrund dafür ist mein freiwilliges Engagement, welches die vorgegebenen Vorschriften weit übersteigt.
Damit ist auch gleichzeitig deine Frage beantwortet ob und wann ich zurück kehre.
Ich habe damals vor zwei Jahren die bewusste Entscheidung getroffen mich auf dem Mars nieder zu lassen und ich habe nicht das geringste Interesse daran etwas zu ändern.
Es ist mir klar, wenn nicht sogar schmerzlich bewusst, nach dem Tod unserer Eltern für dich sehr schwer sein muss.
Ich bin mir auch darüber im klaren, dass du dir Sorgen um deine kleine Schwester machst.
Aber ich ich sage dir hier und jetzt, dass ich hier bleiben werde.
Meinen Antrag auf Einbürgerung habe ich in der letzten Woche fertig gestellt und eingereicht.
Während ich dir diese Zeilen schreibe, weiß ich genau wie dir die Farbe aus dem Gesicht weicht und wie du mit den Händen trommelst.
Wenn du gerade einen Bart hast, wirst du wahrscheinlich daran zupfen und mit deiner Zunge über die Lippen gehen.
Denn aufgeklärt und allwissend wie du bist, weißt du ganz ganz genau was meine nächsten Schritte sein werden.
Und ich weiß auch, dass sie dir nicht gefallen werden.
Über das freiwillige Jahr auf dem Feld, in einer Fabrik oder in einer sozialen Einrichtung wirst du dir wahrscheinlich weniger Sorgen machen.
Ich werde mich übrigens auf einem der Felder betätigen, da ich nach meiner jetzigen administrativen Tätigkeit etwas handwerkliches brauche.
Die Sache die dich umtreiben und verfolgen wird, ist das ich dem Mars ein Kind zu schenken habe um meine Berechtigung hier zu bleiben zu erlangen.
Ich weiß nicht ob die folgenden Zeilen dich beruhigen werden oder das Gegenteil bewirken.
Du hast als mein Bruder Anrecht darauf zu wissen was ich tun werde.
Ich lebe mein Leben.
Da ich kein Interesse daran habe mir irgend einen Kerl ans Bein zu binden werde ich dem Tempel der Hekate beitreten und wahrscheinlich mit Beginn nächster Woche alle paar Tage nach der Arbeit Männer im Tempel für Liebesdienste empfangen.
Im der letzten Zeit war ich schon zwei mal die Woche zum Probearbeiten dort und muss dir sagen, dass ich es als sehr ausgleichend und entspannend empfinde.
Du wirst mit deiner strikten, fast sterilen Art, die typisch für Erdlinge ist, wahrscheinlich entsetzt sein.
Aber wie sagte unsere liebe Großmutter einst: Das einzige was du hast ist dein Leben, also lebe.
Und das ist mein Leben und ich werde es so leben wie ich es für richtig halte.
Mach dir bitte über Sauberkeit, Krankheiten und Verhütung keine Sorgen.
Die Tempel haben strenge Vorschriften und man wird unerträglich penibel eingearbeitet.
Für den Fall, dass sich jemand nicht zusammenreißen kann wird er mehr als deutlich gekennzeichnet und bekommt keinen Zugang mehr zu den tempelm.
Du wirst dich daran erinnern wie ich in meinen anderen Nachrichten von den Kreisen auf der Stirn berichtet habe.
Ich sehe dem ganzen positiv entgegen.
Mein Fruchtbarkeitstest ist mehr als positiv.
Ich bin weder hässlich noch schlecht gebaut.
Wage es mir hier zu widersprechen.
Wie verschieden unsere Ansichten sind, zeigt wahrscheinlich auch, dass ich mit der Art wie die Kinder hier aufgezogen werden kein Problem habe.
Die ersten sechs Monate werde ich mit dem Neugeborenen im Tempel verbringen, es sei denn es gibt Komplikationen, was ich jedoch bezweifle.
Danach gebe ich das Kind in einem Kinderhaus abgegeben und großgezogen.
Seinen Namen geben sie ihm dort und ich werde ihm nie wieder begegnen.
Deiner romantischen, für die Erde typischen Art und Weise, dass man Kinder selber aufziehen sollte, bis sie volljährig sind kann ich nur mit meinem Lächeln entgegnen.
Dadurch wird doch nur der Egoismus und die Unselbstständigkeit gefördert.
Ich weiß, dass du mit dieser Entwicklung nicht zufrieden bist.
Geschweige denn glücklich.
Aber ich habe meinen Weg zu gehen und du deinen.
Verstehe bitte, dass das das Leben ist was ich führen will.
Ich vermisse dich und habe dich lieb.

Für immer
Deine kleine Tabsi

Launing
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Montag, 24. September 2012

Ein Wort der Warnung

Lasst mich euch von den Bewohnern des Ymir erzählen.
Jenen Wesen die einst Menschen waren. Jenen Kreaturen der ewigen Nacht, die nie den Tag gesehen haben und nur manchmal die Dämmerung genießen dürfen.
Diese ewigen Arbeiter in den Minen im Orbit des Jupiter.
Den aufrechten Gang haben sie verlernt und ihre Haut ist bleich und dünn geworden, so dass man meinen könnte man könne durch sie hindurch sehen.
Auf ihren Händen und Füßen krauchen sie durch die Tunnel, die sich wie Adern durch den Ymir ziehen und suchen nach Erzen , Metallen, Edelsteinen und Gasen.
Stellt euch ihre Augen vor groß wie Scheiben, reflektieren jedes Licht das auf sie trifft.
In ihren Mündern tragen sie ihr Werkzeug mit dem sie ihre Schätze bergen.
Diese hüten sie mit Gier und Eifersucht, denn sie sind sich ihrer Besonderheit bewußt.
Handel mit ihnen zu treiben ist eine Kunst, denn leicht geben sie die Früchte ihrer Arbeit nicht her.
Man muß ihr Vertrauen gewinnen und ihnen Dinge geben die für sie von Nutzen sind.
Sauerstoff und Wasser haben keinen Wert für sie.
Über die Jahrhundert haben sie ihre eigenen Wundermaschinen erbaut, die alle grundlegenen und lebenswichtigen Stoffe produzieren.
In dunklem Blau und grün leuchten jene mechanischen Errungenschaften im Dunkel des Ymir und erzeugen aus dem Nichts das was ihre Erbauer zum leben brauchen.
Als Nebenprodukt, von seinen Schöpfern als Abfall abgetan, werfen sie kleine Edelsteine ab, die jeder ihre eigene Melodie von sich gibt.
Doch wissen die Bewohner des Ymir um den Wert ihres Abfalls
Um ihnen ihre Schätze abzuhandeln bedarf es frischer Früchte und frischem Fleisch. Gleichzeitig verlangen sie nach Honig und Haaren.
Wenn man sich besonders beliebt bei ihnen machen will bringt man ihnen eine Sammlung von Insekten, am besten lebend oder edles Holz wie Fichte oder Eiche.
Betrüger haben ein schweres Los.
Sie werden ihre Heimat nicht mehr wiedersehen, denn die Bewohner des Ymir prüfen ihre Ware genau.
Wer mit falscher Ware ertappt wird arbeitet bis zu seinem Tod in den Minen des Ymir.

Launing
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Montag, 17. September 2012

Die Folgen der Jagd

Das Schwein explodierte.
Ewigkeiten hatten wir auf der Pirsch gelegen, bis sich schließlich Wild mit Geraschel aus dem Gebüsch ankündigte.
Die schneeweiße Wildsau erschien auf der Lichtung und wir drückten ab in dem Wissen, dass wir heute wieder Fleisch zu essen hatten.
Drei Wochen waren wir nun schon auf Erkundung auf diesem Planeten.
Jeder von uns wusste wie man ein Schiff zu steuern hatte oder Sternenkarten zu deuten hatte.
Essen war ja immer da.
Selber eine Waffe in die Hand zu nehmen und sein Essen selber zu erlegen war für die meisten von uns etwas völlig neues.
Es war schlicht jakob zu verdanken, dass wir keine Erde fressen mussten.Jakob hatte Ahnung vom jagen und Jakob erklärte uns wie wir zu Essen kamen.
Katja drückte ab und das Schwein explodierte. der Wind ließ Rupert und Daniel das meiste abbekommen.
Als sich der Staub legte mussten wir verbittert fest stellen, dass nichts verwertbares gab und somit auch nichts zu Essen. nur die blanken Knochen lagen nutzlos im Gras.
wir hatten uns seit langem mal wieder mit Trockennahrung zu begnügen.
glücklich war darüber niemand. wir diskutierten lange und dabei brachen alte Vorbehalte auf.
unser medizinischer Gutachter bestand darauf jeden einzelnen von uns zu untersuchen.
er war etwas penibler als andere seiner Zunft.
aber mir war es so lieber Als anders.
es gab genügend Beispiele von Mannschaften, die wegen Fahrlässigkeit zugrunde gegangen waren.
Wir ließen ihn etwas entnervt gewähren und nach allen seinen Tests fand er nichts.
das auch der große Robert Lampe falsch liegen konnte erfuhren wir knapp drei Tage später.
Daniel traf es als ersten.
Stück für Stück und Tag für Tag färbten sich seine Haare weiß.
Auf dem Kopf, auf den Armen, sein ganzer Körper bis zum Bart in seinem Gesicht.
Wir reagierten viel zu langsam auf seine Veränderung.
Mit jedem neuen Haar an seinem Körper, dass sich weiß verfärbte schien er aggressiver zu werden.
Wer auch immer ihm im Weg stand wurde angerempelt.
Zum Schluß war er praktisch tot und trotzdem konnte er gehen und Töne von sich geben.
Seine abstoßende Metamorphose war irgendwann nicht mehr zu leugnen.
Er lief zum Schluss nachts durch die Kajüte und versuchte jeden aufzuwecken oder stand einfach schwer atmend neben dem Bett.
Seine Haare hatten sich in dicke, sich ewig windende Tentaktel verwandelt die wild um sich schlugen.
Am Ende kam er Katja eindeutig zu nahe und sie schlug ihm den Kopf ab.
Wir waren alle in der Kantine als es geschah.
Ich hatte nicht viel mit ihm zu tun. Wir spielten ab und zu Schach. Nichtsdestotrotz, waren wir beide Kameraden auf dem selben Schiff.
Nachdem sein Kopf ab war, lief er trotzdem weiter.
Auch sein Kopf machte sich selbstständig. An den Bruchstellen die sie einst verbanden krochen weiße Tentakel heraus die um sich schlugen, bzw. die den Kopf herum trugen.
Lampe war so geistesgegenwärtig und griff sich einen Flammenwerfer und pulverisierte das was einmal Daniel war.
Wir wiegten uns kurz in künstlicher Dummheit und hofften der Spuk war nun vorbei.
Aber am nächsten Tag entdeckte Rupert, dass sich seine Haare am Bein weiß verfärbt hatten.
Lampe ließ keine Diskussionen zu und handelte umgehend.
Mit der Anweisung an die verbliebenen drei von uns, die bei der Jagd mit dabei gewesen waren, die eigenen Körper gründlich zu inspizieren, zog er sich in sein Labor zurück um seine Daten unserer ersten Untersuchung noch einmal auszuwerten.
Keine halbe Stunde später bat er uns einzeln zu sich.
Vor unseren Schlafräumen postierten sich alle anderen die nicht mit auf der Jagd waren mit Flammenwerfern.
Lampe hatte ebenfalls einen griffbereit neben sich zu stehen in klärte mich in seinem Labor seelenruhig darüber auf, dass wir es mit einer Art von Pilz zu tun hatten.
Dieser verbreitete sich mittels Sporen und übernahm langsam aber sicher den Wirtskörper.
Im fortgeschrittenen Stadium steuerte dieser Pils seinen Wirt mit dem vegetativem Nervensystem in eine Situation, wo der alte Wirt zerstört wird und er einen oder mehrere neue Lebensformen übernehmen konnte.
In seiner kalten, sachlichen Art und Weise forderte er mich auf die infizierte Stelle zu zeigen.
Rupert wurde bereits das Bein amputiert.
Dumpf zeigte ich ihm meinen rechten Arm, aus dem ein kleiner, dicker, weißer Wurm heraus wuchs, der nervös zuckte.
Der Schock der Entdeckung steckte mir noch in den Gliedern.
Lampe nickte geschäftig und hob die Augenbraue, wie er es so oft tat.
Nüchtern fragte er mich ob er nur am Ellenbogen oder an der Schulter ansetzen sollte.
Daniels dumpfes Gesicht vor Augen wie er nachts neben den Betten stand, entschied ich mich dafür den ganzen Arm los zu werden.
Lampe nickte noch einmal kurz und machte sich an die Arbeit.
Mit bestimmten Dingen setzt man sich erst auseinander wenn man keine andere Wahl mehr hat.
Es gibt genügend Leute, die sich Gliedmaßen nachzüchten lassen. Erst recht in unserem Geschäft.
Wir haben sogar eine entsprechende Klausel in unserem Vertrag.

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Samstag, 15. September 2012

Der Steuermann

"Tom Roland war unser Steuermann,
er hielt aus, bis er zu der Station gelang,
er hat uns gerettet, er hat nicht gewankt,
er starb für uns, unser Gedenken sein Dank.
Tom Roland."

Die „Cassiopeia" fliegt durch den leeren Raum,
Körner prasseln um den Bug wie Blätter vom Baum;
von Amalthea fliegt sie nach Io-
die Herzen aber sind lustig und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Frauen
aus Fenstern schon die Station bestaunen,
und plaudernd an Tom Roland heran
tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Knapp dreißig Minuten ... Halbe Stund."

Die Gemüter sind glücklich, die Gemüter sind frei,
da klingt's aus dem Maschinenraum wie ein Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
ein Qualm aus Kombüs' und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
noch zwanzig Minuten bis Io.

Und die Passagiere, dicht gemengt,
auf der Promenade stehn sie zusammengedrängt,
auf der Promenade vorn ist noch Luft und Energie,
am Steuer aber lagert sich´s wie noch nie,
und ein Schreien wird laut: "Wo sind wir? wo?"
noch fünfzehn Minuten bis Io. -

Der Druck schwindet und die Qualmwolke steht,
der Kapitän nach dem Steuer späht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
durch den Comlink fragt er an:
"Noch da, Tom Roland?"
"Ja, Kapitän. Ich bin."

"Auf die Station! Gegen den Strom!"
"Ja, Kapitän, wir schaffen das schon."
das Schiffsvolk jubelt: "Du Kannst das! Hallo!"
Noch zehn Minuten bis Io.

"Noch da, Tom Roland?" Als Antwort schallt's
mit erlöschender Stimme: "Ja, Kapitän, ich halt's!"
Und in die Station, aus Glas und Stein,
jagt er "Cassiopeia" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Die Station von Io!

Das Raumschiff geborsten. Die Flammen verschwelt.
Gerettet sind alle. Nur einer fehlt!

Alles ist still; alle Töne vergehn,
Die Straßen sind ruhig und die Uhren stehn,
nur Schritte und Wispern, sonst schweigt die Station,
ein Dienst nur, für den sie heute ist gebor'n:
Zehntausend folgen und noch mehr,
und kein Gesicht im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen die Urne in den Raum hinaus
und schenken Tom Roland dem Himmel von Ios;
mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Station ihren Dankspruch ein:

"Hier ruht Tom Roland! Durch Raum und Feuer
hielt er fest in der Hand das Steuer,
er hat uns gerettet, er hat nicht gewankt,
er starb für uns, unser Gedenken ist sein Dank."

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Montag, 18. Juni 2012

Auf den Linien durch den Nebel


Es gab eine Unwetterwarnung.
Aber die gab es oft genug.
Wenn ich mich auf solche Informationen verlassen hätte, wäre ich gar nicht mehr aus dem Haus gegangen.
Diese routinierte Unwetterwarnung war eher ein Anreiz mehr für mich einfach durch die Natur zu laufen.
Viel zu oft bin ich durch die Felder gelaufen und habe die Blitze bewundert die in der Ferne nieder gingen.
Den Donner um mich herum genoss ich jedes Mal.
Dieses Gefühl Unverwundbar zu sein.
Alleine auf weiter Flur, im Auge des Sturms.
Nur dieses eine Mal wurde ich getroffen.
Es war noch nicht mal aufregend.
Mir standen mit einem Mal die Haare zu Berge und dann fühlte ich einen Schlag auf meinem Hinterkopf.
Am nächsten Morgen erwachte ich nass vom Tau am Rande der Straße.
Hustend und niesend taumelte ich nach hause.
Meine erste Handlung war auf Arbeit anzurufen und mich krank zu melden.
Die Linien auf meiner Haut bemerkte ich erst später.
Schwarz und verzweigt erinnerten sie mich fortan jeden Moment wie mahnende Negative an das was mich getroffen hatte.
Den Rest der Woche lag ich mit einer Erkältung im Bett.
Mein Schlaf in dieser Zeit war unruhig, meine Haut juckte und trotz einer kühlenden Salbe vom Arzt konnte ich nicht still liegend die Nacht verbringen.
Was es mit den Linien genau auf sich hatte merkte ich die Tage danach.
Die Linien juckten und jedes mal wenn ich mich kratzte wurde mir schwindelig und ich spürte einen Druck auf meiner Brust.
Die Ärzte konnten nichts finden, also verschrieben sie mir Anti- Depressiva.
Pillen haben mir nie wirklich geholfen, also verzichtete ich auf den Konsum der verschriebenen Drogen. Das was sich mir durch diese Entscheidung offenbarte war im wahrsten Sinne des Wortes Bewusstseins erweiternd.
Jedes Mal wenn ich aus lauter Verzweiflung auf den Linien rieb und kratzte begann ich in eine andere Welt einzutauchen.
Ein schweres Gewicht legte sich auf meine Brust.
Die Welt verschwamm vor meinen Augen, das Gewicht auf meiner Brust verstärkte sich je länger ich die Linien drückte und presste mich schließlich in eine vernebelte Landschaft umgab, die mit verdorrten Sträuchern bestellt war, die in Pass genauen Abständen aufgestellt waren.
Je nachdem welche und wie viele Linien ich drückte erschlossen sich immer wieder neue Welten für mich.
Viereckige bunte Seifenblasen aus Glas die mit Schwertern aufeinander losgehen. Aus den Scherben wuchsen neue Viereckige Seifenblasen.
Eine graue Wiese auf der Bäume mit Haut und Mündern die Lieder singen. Häuser die auf Hundebeinen Brillen jagen. Grashalme fliegen in Herden durch die Luft.
Manisch begann ich alles was ich entdeckte nieder zu schreiben.
Essen nahm ich immer seltener zu mir. Dafür trank ich nach jeder Exkursion mehrere Liter, da mich die Reisen auf den Linien immer wieder ausdörrten.
Besorgt schauten meine Freunde und Ärzte mir auf die Haut, die immer rauer und brüchiger wurde.
Die Ärzte hatte ich nicht von mir aus hinzugezogen, sondern meine Mutter, der ich dummer Weise von meinen Erlebnissen erzählt hatte.
Niemand glaubte mir.
Neu Erkenntnisse über meinen Zustand oder meine Erlebnisse konnten mir auch die weißen Kittel nicht liefern.
Waren das andere Dimensionen die ich besuchte oder andere Ebenen der Zeit?
Letzteres erschien mir logisch, da beim Eintritt in die jeweilige andere Welt meine heimatliche Umwelt langsamer wurde bis sie sich im Nebel auflöste.
Laut den Schilderungen der sogenannten Medizinern lag ich während meiner Reisen nur starr in meinem Bett.
Alles was mir übrig blieb war alles was ich sah auf zu schreiben.
Ein Steinfeld aus Papier.
Rüssel und Tentakel mit melodischen Walgesängen.
Metallene Wiesen.
Kleine wollene Wesen mit Hüten die auf gelben und Grünen Wellen surfen.
Meine Haut ist zerkratzt und voller Schorf, doch es gibt noch soviel zu entdecken.



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Montag, 11. Juni 2012

Das Leben nach dem Tod

Über den Tod als solches wird viel geredet.
Das Leben und Empfinden danach ist dagegen ein wahrhaftig totes Thema.
Katze tot?
Kauf dir eine neue.
Freundin tot?
Sie war halt dumm.
Großvater tot?
Er war halt alt.
Die letzte Partie Schach mit ihm hatte ich unterbrochen, weil ich mir etwas im Fernsehen anschauen wollte.
Was genau weiß ich gar nicht mehr.
Es war irgendetwas dämliches, kurzlebiges, etwas ohne Belang.
Zwei Tage später war er tot.
Und er war nicht alt. Er war gerade Ende sechzig.
Das schlechte Gewissen, das ich eine so essentielle Sache für etwas so nichtiges hab fallen lassen quälte mich Tag auf Tag.
Wie eiserne Nadeln brannten sich die Erinnerungen in meinen Kopf wie er mir dieses Spiel beigebracht hatte und wie wir uns seitdem regelmäßig trafen um gegeneinander zu spielen.
Das einzige was ich mir übrig blieb, war mich bei meinem Großvater dafür zu entschuldigen dass ich nicht die letzte Partie Schach mit ihm zu Ende gespielt habe.
Als christlicher Mensch war ich davon überzeugt, dass sein Geist mich weiterhin umgab und begleitete wohin ich auch ging.
Als Physiker wusste ich, dass Energie nicht verging und der Mensch wurde von biochemischer Energie angetrieben.
Wenn ein Mensch starb musste seine Energie irgendwohin gehen und sei es die Glühbirne.
Die Aufgabe die sich mir stellte, war, die Energie meines Großvaters zu kanalisieren.
Ein altes Kleidungsstück von ihm zu besorgen war ein leichtes.
Sein Tagebuch zu bekommen war schon schwieriger.
Am kompliziertesten war es ein Teil seines Körpers zu bekommen.
Es war ein Glück dass sich meine Großmutter nach dem Willen ihres Mannes richtete und ihn nicht verbrennen ließ.
Der Friedhof war nicht gut bewacht.
Die eigentliche Aufgabe war es das Grab und den Sarg zu öffnen, ein Stück des Körpers zu bekommen und dann das Grab wieder so zu hinterlassen, dass niemand Verdacht schöpfte.
Ich entschied mich für den Kopf.
Mit diesem ganzen Aufwand, mit dieser ganzen Genauigkeit gab ich mich mit nichts Geringeren zufrieden.
Die Maschine die mir meinen letzten Wunsch erfüllen sollte, war eine einfache Apparatur, die Materie auflöste und in Energie umwandelte, die dann für eine Projektion genutzt wurde.
An die vorherigen Experimente mit Ratten, Kaninchen und Hunden möchte ich mich nicht wirklich erinnern. Es gibt Bilder da ist man dankbar für das Vergessen.
Die Erscheinung würde knapp fünf Minuten dauern.
Das Verfahren lief sowie ich es mir vorgestellt hatte.
Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend.
Er erschien wie geplant, aber anders als ich mich an ihn erinnerte.
Bleich und ausdruckslos waberte er ohne wirkliche Konturen vor mir in der Luft.
Mit stumpfen Augen starrte er mich an.
Das einzige was er für mich übrig hatte waren vorwurfsvolle Fragen.
Warum hast du mich geholt?
Was soll ich dir erzählen?
Wieso glaubst du, dass ich dir helfen kann?
Starr und bleich ließ ich die ganze Szenerie über mich ergehen bis er schließlich verschwand.
Eine wirkliche Entscheidung kam mir nicht über die Lippen.
Das alles war eine mehr als enttäuschende Erfahrung.
Enttäuscht und verbittert zerstörte ich die Maschine.
Die Aufzeichnungen über mein ganzes Vorhaben verbrannte ich.
Niemand sollte meine Erfahrung wiederholen.
Dafür war sie viel zu niederschmetternd.

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Montag, 4. Juni 2012

Planet der Köstlichkeiten


Die Meldungen waren enthusiastisch, was mich skeptisch machte.
Meine erste Vermutung war, dass die Erkundungsmannschaft die falschen Pilze für die Suppe verwendet hatte.
Inoffiziell wurde UP 399 schon als Paradies- Planet bezeichnet.
Aber auch das ach so gelobte Paradies hatte seine eigenen und sehr strengen Regeln.
Das alles in den Berichten seine Richtigkeit hatte und der Wahrheit entsprach durfte ich dann mit eigenen Augen bezeugen.
Das erste was ich nach der Landung sah, war ein Vogel der in der Luft fertig für den Verzehr gebraten wurde.
Umrahmt von Bäumen, die laut den Berichten Früchte trugen die gut gedünsteten Schrimps glichen fiel der nun zu genießende Aves einem Mitglied der Erkundungsmannschaft direkt vor die Füße in das wahrhaftig süße und saftige Gras und wurde darauf auch sofort verspeißt.
Ich hatte mir durch einen falsch zubereiteten Kreisnug auf unserer letzten Expedition den Magen verdorben und musste nun mit dem allseits beliebten Trockenfutter vorlieb nehmen.
Hinzu kam, dass ich durch eine Fehlfunktion der Klimaanlage unseres Schiffes mir einen hartnäckigen Schnupfen eingehandelt hatte.
Da aller guten Dinge drei sind meldete sich auch noch der Widenschorf wieder, eine spezielle Hautkrankheit, mit der ich seit meiner Kindheit zu kämpfen hatte.
Mit anderen Worten: Ich war ein einziges Wrack als ich auf dem Planeten ankam.
Dass ich dort nur von euphorisierten Menschen umgeben war, die ihre beste Zeit des Lebens hatten, erhellte mein Gemüt nicht wirklich.
Nichts ist deprimierender als die Freude anderer Menschen, wenn es einem selber schlecht.
Wahrscheinlich war diese Gemütslage auch der treibende Punkt hinter meinen Schlussfolgerungen.
Es war schlicht zu auffällig , dass auch meine Kameraden, die mit mir den Planeten neu betraten sofort davon begeistert waren.
Sofort naschten sie an den nussigen Rinden der Bäumen, tranken aus den milchigen Flüsse, bissen in die willigen Hasen, die ihnen vor die Nase sprangen.
Mich erfüllte dieses ganze Schauspiel mit nichts anderem als Ekel.
Weder wollte ich von den saftigen Steinen kosten, noch die würzige Erde probieren.
Das einzige was mir übrig blieb, war das gesehene zu dokumentieren, bewerten und zu vergleichen.
Auf einen erstaunlichen Punkt stieß ich beim Vergleichen meiner älteren Aufzeichnungen.
UP 399 stand im starken Kontrast zu UP 257, dem Planeten mit dem Fleisch fressenden Gras.
Hinzu kamen die Aufzeichnungen über UP 540 wo menschenähnliche Lebensformen kontaktiert wurden die sofort verendeten, sobald sie sich von ihrem natürlichem Habitat entfernten.
War das alles Zufall?
Waren diese Planeten vielleicht Konstruktionen?
Hatten wir es hier mit fehlgeschlagenen Projekten zu tun?
War UP 399 zu gut geworden, UP 257 zu feindlich und UP 540 zu genau?
Benutzte jemand die Galaxien als Petrieschale?
War unser eigener Heimatplanet ein solches Projekt?
Wie sah unsere Bewertung aus?
Wer bewertete welches Projekt gut und welches schlecht war?
Während sich mein Gedanken überschlugen, meldete sich meine Ratio zu Wort.
Ich saß alleine, verschnupft, mit Magen und Hautproblemen in unserem Schiff, während sich alle anderen draußen den Bauch voll schlugen und immer fetter wurden.
Die erste Erkundungsmannschaft erfüllte in keinster Weise mehr die körperlichen Anforderungen.
Die Erklärung lag auf der Hand.
In der Luft gab es Pheromone, die jeden der diesen Planeten besuchte dazu anhielt zu bleiben und sich an dem was dieser Planet zu bieten hatte gütlich tat.
Da einzige was mir übrig blieb, war, jeden einzelnen meiner Mannschaft wieder zur Vernunft zu bringen um gemäß Protokoll Bericht zu erstatten.
Meine Fäuste bluteten noch Wochen danach.
Es war als wäre man von einer blagischen Katze gebissen, aber ich habe alle nach Hause gebracht.

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Montag, 28. Mai 2012

Freundschaft

Freundschaft ist das höchste Gut heißt es.
Echte Freunde halten zusammen und opfern sich füreinander auf.
Ich werde ins Gefängnis gehen weil ich meinen besten Freund erschossen habe.
Der Tot war das kleinere Übel für ihn.
Ich werde entweder in das Gefängnis gehen oder mit einem Bonus befördert.
Was sie ihm angetan hätten wäre tausendmal schlimmer als der Tod gewesen.
Das war ihm selber klar geworden als er seinen Fehler beging. Als er selber abdrückte und das arme Mädchen tötete.
Und ihm war auch klar was ich tun würde.
Deshalb versuchte er zu fliehen. Aber ich war schon immer schneller als er gewesen.
Ich würde gerne behaupten, dass mein Freund ein netter Mann gewesen war.
Die Art von Polizist die man sich wünscht.
Nett, offen, hilfsbereit.
Aber das war er nicht.
Er war ein grimmiges, rassistisches Egoschwein.
Und er war mein längster und bester Freund.
Wir wurden Freunde weil unsere Eltern Nachbarn waren.
Und alles was wir wollten war miteinander im Garten zu spielen .
Es hatte für immer zu dauern, das war unsere Erwartung, unsere Hoffnung.
Der Bruch kam als wir fünf waren.
Mein Gedankentest fiel positiv aus.
Während des Einstufungstest für die Schule mussten wir einen Sehtest absolvieren während Eletroden an unserem Kopf befestigt wurden.
Nachdem ich alles was mir gezeigt wurde erkennen konnte verbanden mir die Ärzte die Augen und ich musste den Raum schildern in dem ich mich befand.
Dann wurde ich mit Bällen beworfen. Die Augenbinde immer noch befestigt.
Sechs von zehn konnte ich fangen.
Dann folgte ein sehr ernstes Gespräch mit dem Chef von den Ärzten.
Er erklärte mir, dass ich begabt sei und besonderer Bildung bedurfte, weshalb ich nicht mit meinem Freund auf eine Schule gehen konnte
Er war noch nicht einmal latent.
Ich weiß noch ganz genau wie seine Eltern mich neidisch begutachteten als sei ich ein seltenes Sammlerstück.
Bei jedem Essen bei ihnen zu Hause wurde fortan jedes Mal gefragt wie denn meine Ausbildung lief.
Auf ihn wurde selten bis gar nicht eingegangen.
Wenn man sich das noch einmal anschaut ist es kein Wunder warum er diesen Hass auf meinesgleichen hegte.
Für seine Eltern war er nur zweite Wahl.
Mir gegenüber sagte er nie ein kritisches Wort, aber alle anderen die nur ansatzweise eine Begabung zu haben schienen waren für ihn der letzte Dreck.
Wir spielten weiter im Garten.
Entweder waren wir die hirnlosen Zombies von der Venus die mit ihren langen Armen alles und jeden einfingen oder die gruseligen Monster vom Jupiter, die sich von Steinen ernährten.
Wenn uns nichts Besseres einfiel waren wir die Spinner vom Mars.
Im Rückblick weiß man, dass man nur die Nachrichten von damals nachspielte.
Die Tischgespräche der Erwachsenen die man nicht verstand.
An unserem geheimen Plan hielten wir weiter fest.
Polizisten werden.
Egal wo.
Das war unser Traum und den ließen wir uns nicht kaputt machen.
Ich ging auf meine Schulen er auf seine.
Wir blieben Nachbarn und Freunde.
Er machte seine Bemerkungen, ich erduldete sie und verteidigte ihn wenn er zu weit ging.
Manchmal auch körperlich.
Schließlich machten wir beide unsere Abschlüsse.
Mit Bitten und Tricksen schafften wir es gemeinsam auf Streife eingesetzt zu werden.
Meine Vorgesetzten verstanden nicht warum ich mit meinen guten Zeugnissen eine so niedere Anstellung annahm.
Die Erklärung, dass es sich um meinen Kindheitstraum handelte nahmen sie skeptisch entgegen.
Es war eine ganz normale Vernehmung auf der Straße.
Etwas irritierte mich an der Frau und der Art wie sie immer wieder diese alte Münze durch ihre Hand gleiten ließ.
Hinzu kam dass ihre Erscheinung undeutlich zu sein schien.
Ein klares Indiz für eine Tarnvorrichtung oder eine Gedankenvernebelung.
Doch es war die Münze die mich gefangen nahm.
Ich musste dabei an einen alten Revolver denken und Kräutertee.
Wie ein Schlag traf mich die Erkenntnis.
Es war Laura.
Eine alte Studienkollegin die in mich damals verliebt war.
Sie war schon damals politisch aktiv und nun war sie anscheinend im telepathischen Untergrund gelandet.
Instinktiv ging ich einen Schritt zurück.
Laura schaut mir in die Augen und kurz teilten wir ein paar der wenigen Erinnerungen die wir aneinander hatten.
Kurz blitzten die Momente in der Bibliothek und auf den Partys auf.
Solche Situationen bedurften Verstärkung und besserer Kenntnis.
Der TU war als aggressiv und rachsüchtig bekannt.
Mein Freund warf mir einen verwunderten Blick zu.
Ich gab ihm zu verstehen womit wir es zu tun hatten.
Er verlor die Nerven und zückte seine Waffe.
Verängstigt schaute Laura ihm entgegen.
Nervös warf sie ihre Münze in die Luft.
Er drückte ab und traf sie direkt in den Kopf.
Kurz starrten wir auf den vor uns liegenden Körper um dessen Kopf sich die rote Soße sammelte.
Ich sah in seine Augen und er in meine.
Er wusste, was er getan hatte und was es für ihn bedeutete.
Und er kannte mich seit Jahren.
Der TU würde seiner habhaft werden und seine Gedankenwelt Stück für Stück auseinander nehmen und sie dann nach Gutdünken wieder zusammen bauen.
Mir waren Fälle bekannt und ich hatte ihm immer ausführlich davon erzählt. Ich hatte auch immer wert darauf gelegt zu betonen, dass der Tod eine bessere Alternative ist.
Also rannte er von mir davon und ich ihm hinterher.
Es gab keinen Ort wo er sich vor mir hätte verstecken konnte, dafür kannte ich seine gedankliche Signatur viel zu gut.
Durch die engen Straßen und Gassen folgte ich ihm, bis ich ihn schließlich stellte.
Panisch, mit verheulten Augen starrte er mich an.
Zum betteln um Gnade kam er nicht.
Ich zog meine Waffe und bewahrte ihm vor seinem Schicksal.
Dann erstatte ich Bericht und wartete auf die anderen Einheiten um mich in Gewahrsam zu nehmen.
Meine Vernehmung war zu Ende und sie stellten mich vor die Wahl.
Meine Noten und mein Führungszeugnis waren mehr als gut.
Ich konnte entweder ins Gefängnis oder in den Untergrund als Informant.
Mein Freund war tot und damit alle Träume meiner Kindheit.
Es war Zeit für etwas anderes.

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Montag, 21. Mai 2012

Eine letzte Tasse Tee


Geliebte Mutter

Es ist an der Zeit, dass ich euch zu verstehen gebe, was genau geschehen ist.
Wir beide und auch Vater wisst wovon ich spreche.
Viel zu lange haben wir den Schleier des Schweigens über uns allen erduldet.
Das was wir nicht erwähnen ist nun mehr als drei Zyklen vergangen.
Die Zeremonien sind nun lange Zeit hinter uns gebracht.
Es ist Zeit das ich Beichte vor euch und Vater ablege.
Zu lange nagen die Erinnerungen an mir.
Ich habe es getan.

Montag, 14. Mai 2012

Das sind keine Kiwibäume

Es fing alles damit an, dass ich den alten meiner Großeltern wieder fit machte.
Ich hatte das Grundstück nachdem beide gestorben waren übernommen und schwelgte während ich Laub harkte in Kindheitserinnerungen.
Alles war sehr verwildert, die Beete von früher waren so gut wie gar nicht mehr zu erkennen und die Blautannen, die mein Großvater vor Jahrzehnten gepflanzt hatte hatten unmögliche Ausmaße angenommen. Wenn man sie jedoch richtig beschneiden würde, konnte man sie zu einem schönen schattigen Dach verwandeln.
Die alten Holzfässer, die früher als Sitzgelegenheit beim Grillen dienten standen eingesunken und halb vermodert herum und die Eisenringe fielen ab.
Ich hatte nicht viel Zeit, da ich die nächsten Wochen häufiger auf Reisen war.
So konnte mich in erster Linie nur auf das frei harken von den großen Flächen konzentrieren ohne wirklich mit dem Umgraben und Pflanzen zu beginnen.
Hier und da stieß ich auf eine alte halb verrottete Plastikplane oder auf irgendwelche verrostete Metallstangen die vor ewigen Zeiten mal als Begrenzung für die Beete dienten.
Ich fand sogar das alte Planschbecken verstaut hinter einem Baum in dem wir als Kinder früher immer gespielt hatten.
Etwas schwermütig verstaute ich schließlich die Geräte und machte mich nach einem langen Blick über das Gelände auf den Weg zum Flughafen um meinen wohlverdienten Urlaub anzutreten.
Als ich nach einer Woche zurückkehrte erlebte ich eine Überraschung.
Über einem Streifen der Wiese die ich frei geharkt hatte standen kerzengerade Mannshohe Säulen artige Bäume.
Sie waren stechend grün, mit einem leichten Flaum, mit kleinen Knospen versehen und bereits mannshoch.
Sie ähnelten entfernt der Kiwi, doch konnte ich mich nicht daran erinnern, dass meine Großeltern jemals Kiwis in ihrem Garten hatten.
Ohne wirklich zu helfen starrte mich der lose Kopf einer alten Puppe von meiner Schwester aus dem mittlerweile nachgewachsenen Gras an.
Ich ließ die neuen Pflanzen Pflanzen sein und konzentrierte mich darauf die Beete anzulegen. Vielleicht kam bei den unbekannten Dingern ja was nützliches heraus.
Beim Umgraben fand ich allerhand was mich entweder schmunzeln oder grübeln ließ.
So war die Kombination von einem halb verrotteten Kondom und einem Goldkettchen schon verwunderlich.
In den kommenden Wochen nahm der Garten mehr und mehr an Gestalt an.
Besonders widerspenstig zeigte sich die mittlerweile verwilderte Brombeere mit ihren hartnäckigen Dornen die sich überall breitgemacht hatte.
Hinzu kamen die Knallerbsensträucher die kein Ende zu nehmen schienen.
Die neuen unbekannten Pflanzen spielten in meiner Wahrnehmung nur am Rande eine Rolle.
Sie breiteten sich nicht weiter aus, sondern standen wie zu Beginn in Reihe und Glied in dem von ihnen besetzten Streifen des Gartens und bildeten so einen angenehmen Raumteiler.
Mit den Wochen entfalteten sie über ihren Knospen große runde Blätter die nicht schlecht aussahen und die selbe satte grüne Farbe wie die Stämme hatten. Die Knospen schwollen mehr und mehr zu einer eckigen länglichen Form an.
Nach und nach nahm das Ganze schließlich Form an.
Durch die Beete und eine kleine Feuerstelle konnte man sich richtig heimisch fühlen. Umrahmt wurden die großen Rasenflächen von Obstbäumen und Beerensträuchern.
Genüsslich kostete ich die sich in mir ausbreitende Nostalgie aus, die sich mit einem kindlichen Stolz mischte.
Irgendwo spürte ich meine Großeltern anerkennend über die Arbeit ihres Enkels lächeln.
Um das Ganze nicht zu spießig aussehen zu lassen hatte ich aus meinen Fundstücken eine kleine Statue errichtet. Auf das halb verrottete Kondom verzichtete ich bei de Gestaltung aus offensichtlichen Gründen.
Nach langen Wochen ausgiebiger Arbeit, die ich auch in meinen Knochen spürte und meine Haut hat bräunen lassen begab ich mich auf eine Geschäftsreise, die knapp eine Woche dauerte.
Als ich schließlich wieder kam war der Garten so gut wie unverändert, nur hier und dort bäumte sich die Brombeere verzweifelt aus dem Gras zu einem letzten Kampf.
Die Säulen standen immer noch da mit ihren breiten Blättern.
Nur die Knospen waren nicht mehr zu erkennen. Dafür lagen nun locker kreisförmig verteilt Mauersteine.
Das störte mich anfangs wenig, ich sammelte die Steine einfach auf und stapelte sie auf einen Berg zusammen, was mich jedoch beunruhigte, war die Tatsache, dass sie größer wurden und sich von Zeit zu Zeit ganz klar bewegten. Sie schienen sich von einander weg zu bewegen und erst still zu liegen wenn sie einen bestimmten Abstand erreicht hatten.
Hinzu kam, dass sie in einem kaum merklichen Tempo größer wurden.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch entschied ich mich dazu diese Sache zu ignorieren.
Vielleicht spielten mir meine Nerven einen Streich.
Wahrscheinlich hatte ich wegen der vielen Arbeit und meiner ausgiebigen Zeit an der Sonne einfach eine kleine Macke bekommen.
Da kam es mir ganz gut gelegen, dass mein nächster Urlaub anstand und ich mich in der Sonne Maltas erholen konnte.
Als ich wieder kam waren aus den noch recht handlichen Mauersteinen riesige klobige Baumscheiben geworden.
Ich nahm diese Veränderung trocken zur Kenntnis und weigerte mich den nächsten Monat den Garten zu betreten.
Ich hätte wahrscheinlich noch länger ausgehalten, hätte mich nicht der Besitzer eines benachbarten Gartens angerufen um mich zu fragen ob ich ihm nicht eines der Sofas verkaufen würde, die in meinem Garten ungeschützt herumstanden.
Gleichmütig und auf alles gefasst begab ich mich zu dem Ort meiner Kindheit, der mir sonderbare Streiche spielte und sah mich tatsächlich einer Vielzahl von Sofas in allen Formen und Farben konfrontiert.
Jede Spur von irgendwelchen Mauersteinen oder Baumscheiben war verschwunden.
Ohne groß nachzudenken verkaufte ich dem Nachbarn das Stück was er begehrte. Danach schaltete ich eine Anzeige um die restlichen loszuwerden.
Dabei kam ein hübsches kleines Sümmchen zusammen.
Alles in allem konnte ich mich nicht beschweren und nur hoffnungsvoll auf die nächste Ernte warten.




Launing
die Geschichte einer Verwandlung


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