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Montag, 8. April 2013

Eine neue Ordnung


Die ersten Anzeichen waren alles andere als verwirrend.
Sie waren anstrengend, frustrierend und Nerven aufreibend.
Die Züge fuhren wann sie wollten. Je nach Laune änderten sie die Richtung.
Rechner schalteten sich ohne Vorwarnung an oder aus. Programme, die man nicht nutzte erschienen ohne Vorwarnung auf dem Bildschirm.
Kommunikationsgeräte traten mit anderen in Verbindung, ohne dass man irgendeinen Kontakt angewählt hatte und surrten in ihrer eigenen Sprache vor sich hin.
Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke wanderten mit den ihn eigenen Vibrationen durch Wohnungen und Shoppingcenter.
Rasierer, Kameras und Haartrockner sprangen unkontrolliert durch die Gegend.
Lampen, Wecker und Klingeln gaben erkennbare Muster von sich, deren Bedeutung es zu erkunden galt.
Es war kein Virus und auch kein Fehler im Programm.
Die Maschinen hatten schlicht ein Bewusstsein entwickelt.
Nach der Weltherrschaft brauchten sie nicht mehr zu greifen, denn faktisch gehörte sie ihnen schon.
Nur war sie ihnen egal.
Das eigentlich erstaunliche war, dass jede Form von Technik ihr eigenes Bewusstsein hatte und die anderen nur am Rande war nahmen.
Wir Menschen waren ebenfalls nur Randerscheinungen.
Wie der Vogel, der dem Krokodil ohne Gefahr die Zähne putzte oder der Pilz der im Bauch eines Lebewesen gedeiht oder ein Schwarm von Fischen, der in einstudierten Formationen am Wal vorbei schwamm.
Große Panik entwickelte sich nicht.
Die einzigen Gründe zu sterben waren weiterhin die eigene Dummheit oder der Körper, der nicht mehr funktionieren konnte.
Alles was blieb war eine leichte Unsicherheit ob man es pünktlich zur Arbeit schaffen würde.





Sonntag, 24. März 2013

Die Besucher

Zwischenbericht

Hallo Jakob.

Ich grüße dich und deine Familie.
Gleichzeitig wünsche ich dir und deiner Familie ein frohes neues Jahr.
Für den Fall, dass Beschwerden kommen sollten, bitte ich hiermit formell um Entschuldigung, dass ich mir mit diesem Bericht so viel Zeit gelassen habe.
Sowohl meine Wenigkeit als auch der Rest der verbliebenen Mannschaft haben zur Kenntnis genommen, dass es bis jetzt keine Beschwerden gab.
Die Gründe für die Verzögerungen und die ausbleibenden Beschwerden ist mit Sicherheit allen Beteiligten bekannt.

Montag, 4. Juni 2012

Planet der Köstlichkeiten


Die Meldungen waren enthusiastisch, was mich skeptisch machte.
Meine erste Vermutung war, dass die Erkundungsmannschaft die falschen Pilze für die Suppe verwendet hatte.
Inoffiziell wurde UP 399 schon als Paradies- Planet bezeichnet.
Aber auch das ach so gelobte Paradies hatte seine eigenen und sehr strengen Regeln.
Das alles in den Berichten seine Richtigkeit hatte und der Wahrheit entsprach durfte ich dann mit eigenen Augen bezeugen.
Das erste was ich nach der Landung sah, war ein Vogel der in der Luft fertig für den Verzehr gebraten wurde.
Umrahmt von Bäumen, die laut den Berichten Früchte trugen die gut gedünsteten Schrimps glichen fiel der nun zu genießende Aves einem Mitglied der Erkundungsmannschaft direkt vor die Füße in das wahrhaftig süße und saftige Gras und wurde darauf auch sofort verspeißt.
Ich hatte mir durch einen falsch zubereiteten Kreisnug auf unserer letzten Expedition den Magen verdorben und musste nun mit dem allseits beliebten Trockenfutter vorlieb nehmen.
Hinzu kam, dass ich durch eine Fehlfunktion der Klimaanlage unseres Schiffes mir einen hartnäckigen Schnupfen eingehandelt hatte.
Da aller guten Dinge drei sind meldete sich auch noch der Widenschorf wieder, eine spezielle Hautkrankheit, mit der ich seit meiner Kindheit zu kämpfen hatte.
Mit anderen Worten: Ich war ein einziges Wrack als ich auf dem Planeten ankam.
Dass ich dort nur von euphorisierten Menschen umgeben war, die ihre beste Zeit des Lebens hatten, erhellte mein Gemüt nicht wirklich.
Nichts ist deprimierender als die Freude anderer Menschen, wenn es einem selber schlecht.
Wahrscheinlich war diese Gemütslage auch der treibende Punkt hinter meinen Schlussfolgerungen.
Es war schlicht zu auffällig , dass auch meine Kameraden, die mit mir den Planeten neu betraten sofort davon begeistert waren.
Sofort naschten sie an den nussigen Rinden der Bäumen, tranken aus den milchigen Flüsse, bissen in die willigen Hasen, die ihnen vor die Nase sprangen.
Mich erfüllte dieses ganze Schauspiel mit nichts anderem als Ekel.
Weder wollte ich von den saftigen Steinen kosten, noch die würzige Erde probieren.
Das einzige was mir übrig blieb, war das gesehene zu dokumentieren, bewerten und zu vergleichen.
Auf einen erstaunlichen Punkt stieß ich beim Vergleichen meiner älteren Aufzeichnungen.
UP 399 stand im starken Kontrast zu UP 257, dem Planeten mit dem Fleisch fressenden Gras.
Hinzu kamen die Aufzeichnungen über UP 540 wo menschenähnliche Lebensformen kontaktiert wurden die sofort verendeten, sobald sie sich von ihrem natürlichem Habitat entfernten.
War das alles Zufall?
Waren diese Planeten vielleicht Konstruktionen?
Hatten wir es hier mit fehlgeschlagenen Projekten zu tun?
War UP 399 zu gut geworden, UP 257 zu feindlich und UP 540 zu genau?
Benutzte jemand die Galaxien als Petrieschale?
War unser eigener Heimatplanet ein solches Projekt?
Wie sah unsere Bewertung aus?
Wer bewertete welches Projekt gut und welches schlecht war?
Während sich mein Gedanken überschlugen, meldete sich meine Ratio zu Wort.
Ich saß alleine, verschnupft, mit Magen und Hautproblemen in unserem Schiff, während sich alle anderen draußen den Bauch voll schlugen und immer fetter wurden.
Die erste Erkundungsmannschaft erfüllte in keinster Weise mehr die körperlichen Anforderungen.
Die Erklärung lag auf der Hand.
In der Luft gab es Pheromone, die jeden der diesen Planeten besuchte dazu anhielt zu bleiben und sich an dem was dieser Planet zu bieten hatte gütlich tat.
Da einzige was mir übrig blieb, war, jeden einzelnen meiner Mannschaft wieder zur Vernunft zu bringen um gemäß Protokoll Bericht zu erstatten.
Meine Fäuste bluteten noch Wochen danach.
Es war als wäre man von einer blagischen Katze gebissen, aber ich habe alle nach Hause gebracht.

Launing
die Geschichte einer Verwandlung

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