Donnerstag, 1. Oktober 2015

Versumpft

 

Depression ist normalerweise nichts weiter als aus Angst unterdrückte Wut und unterdrückte Trauer.

Ich liebe dieses Zitat.
Ich möchte es im Arm halten, küssen, heiraten und mit ihm lauter neue Zitate aufziehen, weil es den Kern der Sache so wundervoll trifft.
Man versucht etwas in sich selber zu unterdrücken, weil einem beigebracht wurde, dass man nichts wert ist.
Da ist etwas in einem drin, das einem Angst macht, also schließt man es weg, nur ist es dann immer noch da.
Immer wieder bricht es sich seine Bahn in Form von Heulkrämpfen, von denen man nicht weiß woher sie eigentlich kommen.
Wie ein nie versiegender Brunnen kommen immer wieder neue Gedanken auf die man keine Lust hat in einer Intensität, die einem Angst vor einem Selbst macht und alle seelische Kraft wird darauf verwendet seine Gefühlswelt zu unterdrücken, bis man schließlich wie Mr. Spock auf die Frage „Wie fühlen sie sich?“ nicht mehr antworten kann.



Das Perfide an einer depressiven Phase ist, dass man den Anfang und das Ende nicht mitbekommt, weil es dafür keine klaren Punkte gibt.
Ein Schatten schleicht sich langsam heran und umschlingt schließlich in Form einer Wolke den Geist.
Ein sehr schönes Bild liefert hierfür die „Unendliche Geschichte“ in der das treue Pferd Artax vom Held Atreju sich in den „Sümpfen der Traurigkeit weigert weiter zu gehen und schließlich versinkt.
Genau so ist es mit der Depression.



Wenn ich jetzt hier die ganze Zeit über meine Krankheit schreibe, möchte ich hier darauf hinweisen, dass es sich bei mir um eine depressive Phase handelt und nicht um eine chronische Depression.
Das sind zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, wobei man allerdings davon ausgehen kann, dass sich eine depressive Phase chronifizieren kann, wenn da nicht gegen gesteuert wird.
Wie schon erwähnt, wirkt Alkohol, genauso wie andere Drogen, hier als Katalysator.
Obwohl meine Gesundung noch ein langer Weg sein wird, habe ich zum Glück keine chronische Depression.
Aus meinem beruflichen Erfahrungsschatz weiß ich wie so etwas aussieht und sich äußert und es wäre respektlos gegenüber den Betroffenen zwei Krankheiten, die sich zwar ähnlich sind, aber sich doch unterschiedlich äußern miteinander zu vermischen.
Man muss sich das so vorstellen wie bei einer Erkältung, die unbehandelt zu einer Herzschwäche führen kann.

Interessant ist hier auf der Station auch, dass ich nicht der einzige mit dieser Problematik bin.
Viele andere Betroffene beschreiben auch ein Gefühl der Lehre und das der Alkohol eine Art Ersatz für sie ist.
Mittlerweile habe ich auch eine Selbsthilfegruppe gefunden, die mir gleich zu Anhieb sympathisch war, da dort auch Themen wie Doppeldiagnose Depression/ Alkohol und Mobbing angesprochen wurden.
Interessanterweise höre ich in der letzten Zeit von Mobbing gegenüber Männern und immer wieder zeigt sich, dass das nicht ernst genommen wird.
Mobbing ist halt nur was für Mädchen.
Die Selbsthilfegruppe habe ich mir nach dem Credo der Erreichbarkeit ausgesucht, damit ich keinen Grund zum mogeln habe, gleichzeitig ist sie in einer sozialen Einrichtung ansässig, die mir bekannt und vertraut ist, das ist bei meiner Macke schon mal ein riesiger Vorteil.
Es handelt sich um eine Gruppe des VAL, was jetzt nichts zu heißen hat, eine andere Organisation, die mir nahe gebracht wurde sind Narcotics Anonymos.
Mit der Selbsthilfegruppe allein ist es nicht getan, gleichzeitig organisiere ich mir parallel zur klinischen Versorgung noch mit Unterstützung meiner Familie einen Nervenarzt und einen Psychotherapeuten.
Das alles wird dann zusammen mit meinen Happymakern (Mirtazapin um genau zu sein) zu einem Gesamtpaket geschnürt, dass meine perspektivische Gesundung zum Ziel hat.
Wie lange es jedoch dauert bis ich wieder ohne all das klar komme, das kann keiner sagen.

Donnerstag, 24. September 2015

YES! Doch kein Alkoholiker!


Ey Leute, ich bin gar nicht alkoholkrank. Ich bin einfach nur nach massivem Mobbing in eine depressive Phase verfallen.
Das heißt also ich kann so viel von dem Zeug trinken wie ich will, es wirkt sich halt nur verstärkend auf meinen Zustand aus...
ACH VERDAMMT!!!
Egal wie man es jetzt dreht und wendet, für mich heißt es Alkohol ade.
Ich bin zwar nicht abhängig, dafür vertrage ich das Zeug nicht bzw. tut es mir nicht gut.
Gleichzeitig beißt es sich mit meiner Medikation.
Nicht nur ist mir theoretisch bekannt, dass Alkohol mit Medizin gemischt eine bescheuerte Idee ist, ich durfte die Effekte auf Arbeit bei Klienten hautnah miterleben.
Bei der richtigen Kombination kann das einem das Hirn vermurksen und mir ist mein Hirn sehr wichtig, da sind meine Ideen drin.
Alles in allem ist es hier für mich an der Zeit, mir mal ordentlich selber auf die Schultern zu klopfen.
Vom Therapeuten weiß ich nicht nur, dass ich mich mit dem Alkohol selber medikametiert habe, ich habe meinen Zustand schnell erkannt und schnell geschaltet. Das mein Handeln richtig war bekomme ich auch von Freunden und Familie zu hören.
Als ich nicht mehr dazu in der Lage war Informationen zu verarbeiten, habe ich zugelassen, dass mir meine Mutter kurz das Ruder in die Hand nahm und sich mit der Stationsärztin austauschte.
da dies in meinem Sinne war und ich eine nachhaltige Behandlung meiner Krankheit haben wollte.
Zu dem Zeitpunkt war auch meine logische Seite in sich zusammen gesunken und eigentlich war ich nur noch eine wandelnde Hülle und versorgte die Bedürfnisse meines Körpers nach Obst und Bewegung.
Letzteres ist ein das beste natürliche Gegenmittel gegen Depressionen, wie mir vom Therapeuten versichert wurde und ich kann es nur bestätigen.
Ich fange wieder an Dinge zu kommentieren, so wie es mir einfällt und ich beginne wieder zu summen und zu singen. Noch sind es kurze Sequenzen, aber sie sind da.

Wenn ich mir so alles im Nachhinein betrachte, dann kann ich zufrieden feststellen, dass meine Instinkte und meine Intuition sehr gut funktionieren und ich alles richtig gemacht habe
Das Mobbing durch Vorstandsmitglieder habe ich sowohl schriftlich als auch verbal angemerkt, wenn es den Tätern an Selbstreflektion mangelt, dann ist das nicht mein Fehler.
Wenn dann ein gewisser Projektleiter in seiner Ignoranz meint das de facto straffällige Verhalten zu zerreden und zu verklären, dann ist das nicht mein Fehler. („Ich könne nicht erwarten gerecht behandelt zu werden, nur weil ich Recht hätte“ „Ich habe mich doch bei den Personen beliebt zu machen, die sich auf meine Kosten profiliert haben.“)
Wenn ein gewisser Verein es nicht schafft ein Korrektiv zu negativen, faulen und inkompetenten Vorstandsmitgliedern zu schaffen, von denen sie nicht nur wissen dass diese negativ, faul und inkompetent sind, sondern auch dass diese mobben, dann ist das nicht mein Fehler.
(„Das ist halt ihre Art.“ „Freue dich doch mal darüber wie du behandelt wurdest“)
Wenn ich irgendwann mit zwei erhobenen Mittelfingern Gift und Galle spucke, weil permanent die Schuldigen verteidigt werden und ich nur nicht permanent für das Fehlverhalten der anderen zur Verantwortung gezogen werde sondern von mir auch noch erwartet wird, dass ich ich Zeit, Geld und Kraft in etwas vollkommen undankbares und parasitäres investiere, dann ist das nicht mein Fehler.

Wenn ich eine Lehre aus der ganzen Sache ziehe dann, dass ich selbst im abgefuckten Zustand mehr auf die Reihe kriege, als irgendwelche Laberköppe, die große Ideale beschwören, ohne auch nur ansatzweise danach zu handeln.
Und da sich ja Stress bekanntlich negativ auf die Höhe des IQ auswirkt, kann ich aufgrund der vorliegenden Fakten feststellen, dass ich auch in belastenden Situationen einen großen Kopf habe in dem ganz viel rein passt.
In diesem Kopf rennen gerade alle möglichen Gedanken und Ideen umher und wollen heraus, aber ich habe zu warten bis sie ihren Platz gefunden haben, damit ich auch weiß wo ich sie finde.
Auf keinen Fall darf ich mich jetzt übernehmen und muss alles in Ruhe angehen.
Ich vertraue hier wie immer auf meine Intuition.
Aus diesem Grund habe ich auch darauf verzichtet Selbsthilfegruppen zu besuchen, obwohl es mir immer wieder vorgeschlagen wurde, da ich bei zu vielen Menschen Kopfschmerzen bekomme und ich mich dann nicht konzentrieren kann.
Aus dem selben Grund schreibe ich auch dieses öffentliche therapeutische Tagebuch.
Das hilft beim sortieren, erleichtert und ich selber habe im Internet durch Erfahrungsberichte und andere Quellen mir selber Lösungsansätze geholt.
An Märchen, Gedichte oder anderes ist im Moment nicht zu denken, im Moment gilt immer noch die Devise: „Schreiben was ist“

Einer der Lösungsansätze kommt von dieser Seite, die ich bemerkenswert finde, da die Autorin sich ebenso wie ich von einer bestimmten Szene aus STAR TREK angesprochen fühlt, wo Spock vom Computer gefragt wird, wie er sich denn fühle und Spock keine Antwort darauf weiß, da er mit der Frage nichts anfangen kann.

https://dontdatethatdude.wordpress.com/2007/11/17/how-do-you-feel/

Donnerstag, 17. September 2015

Party auf dem Ergometer


Es ist ein Armutszeugnis, wenn man nur von seinem Reichtum zu reden weiß.
Sprichwort

Eigentlich will ich diesen Text hier nicht schreiben.
Ich habe da ein Raumschiff, dass gerade in einer Raumzeitverkrümmung festhängt, einen Typen der durch eine verwunschene Stadt irrt und noch lauter andere Geschichten, die mir gerade durch den Kopf geistern.
Aber die können gerade irgendwie nicht raus.
Genauso wie ich letztes Jahr meine Wohnung in zweieinhalb Stunden sauber gekriegt habe, konnte ich auch im Durchschnitt 1500 Wörter pro Tag schreiben, genauso wie ich Texte mal eben quer lesen konnte.
Jetzt liegen in meinem Nachtschrank lauter Bücher, die ich nicht lesen kann, weil mir die Konzentration fehlt.
Das einzige was ich gerade aufnehmen kann sind Zitate und mein Wordcount ist bei knapp 500 die Woche.
Wenn ich mit Menschen zu tun habe bekomme ich Kopfschmerzen und selbst gut gemeinte Besuche strengen mich an. Nach einer Stunde Ballspielereien in der Bewegungstherapie falle ich vollkommen erschöpft in mein Bett.
Theoretisch könnte ich da den ganzen Tag bleiben, aber dann ist da wieder die innere Unruhe und die Monster in meinem Kopf machen sich breit.
Also setze ich mich so oft es geht auf den Ergometer, auch bekannt als Hometrainer oder Standfahrrad, und reagiere mich ab.
Entweder weil man als Süchtiger seine Ausdauer trainieren soll oder weil ich aus gut unterrichteter Quelle weiß, dass das russische Wort für trainieren wortwörtlich übersetzt aufladen bedeutet.
Beim auf der Stelle radeln höre ich Musik und mach die Augen zu, dann habe ich vor der Welt meine Ruhe.
Nach knapp 30 Minuten kommt die leichte Euphorie, die nach dem Absteigen knappe 10 Minuten anhält.
Wenn es möglich ist, gehe ich spazieren.
Am besten da wo es keine oder nur wenige Menschen gibt.
Im Wald fühle ich mich wohl, hier bin ich aufgewachsen und kein Wildschwein kann so grausam sein wie manche Menschen die ich kenne.
Die frische Luft erfrischt ein wenig den Kopf und lockert ein wenig die Wolke die ihn umgibt.
Auf der Station geistern die unterschiedlichsten Patienten herum.
Eine Frau hat den Körper einer Zwanzigjährigen, aber das Gesicht ist nochmal vierzig Jahre älter.
Dazu trägt sie farblich abgestimmten Nagellack zu Haarschleife und Pullover.
Ein großer kräftiger Mann gibt in der Arztsprechstunde zu verstehen, dass er kein Alkoholiker ist.
In der Bewegungstherapie lässt er durchblicken, dass er wegen Amphetaminen hier ist.
Er freundet sich schnell mit einer jungen blonden Frau an, die ein mechanisches Lachen hat und wegen Medikamenten hier ist.
Dann ist da ein kleiner Mann, der nur hier ist um mal kurz Pause vom dauernden Saufen zu machen, was eine Freundin mit „Der hat den Schalter nicht gefunden“ kommentiert.
Schließlich ist da noch ein Mann mit Gehstock, der laut eigener Aussage seit 40 Jahren Schwerstalkoholiker ist und ja nur hier ist um ein Gerinsel zu überprüfen, alles andere werde wird sich schon irgendwie geben und diesen Psychoterror hier kann ja niemand aushalten.
Ich nenne ihn „männliche Margarete“, weil er mich an jemanden bestimmtes erinnert.
Er haut verbal gerne auf den Putz, nur um danach dann leise hinter den Rücken der anderen zu sagen „Verstehst ja wie ich das gemeint habe“.
Keine Aussage hat auch nur irgendwie ein Gewicht, geschweige denn Hand und Fuß.
Eigentlich könnte ich ihn auch Jan nennen.Christine, Daniel oder Sarah wären auch in der engeren Wahl.
Mit den Leuten hier verbindet mich nichts.
Bei den Selbsthilfegruppen die sich hier vorstellen, fällt immer wieder gerne der Satz „Wir wissen ja alle was wir für ein Problem haben“
Ich habe keinen Saufdruck, mein Blutdruck singt beständig, ich zähle nicht die Tage, die ich ohne Suff meister und die Flaschen rufen auch nicht nach mir.
Ich bin ein ziemlich starker Raucher und ich weiß wie sehr der Stoff nach einem schreien kann und wenn ich nicht rauche kribbelt meine Haut, als ob Ameisen darauf tanzen würden.
Der Alkohol ist eine Nebensächlichkeit, die außer Kontrolle geraten ist um etwas zu kaschieren.
Er macht so herrlich dumpf und er behindert so schön das nachdenken.
Unbewusst habe ich versucht eine Wunde in meinem Kopf zu sterilisieren.
Jetzt kann ich meinen Kopf nicht mehr so nutzen wie vor einem Jahr.

Donnerstag, 10. September 2015

Ist ja wie auf Arbeit hier



Alkohol macht dumm und gleichgültig.
Kapier ich nicht ist mir auch egal

Für die ersten Tage wird mir Bettruhe verordnet.
Keine Ahnung was das sein soll, wahrscheinlich soll man aufpassen, dass das Bett ruhig steht.
Die Wochen vor meiner Einweisung in die Klinik bin ich jeden Tag 20 Kilometer gelaufen um mich irgendwie zu beschäftigen.
Einmal zur Wohnung und in einem Raum Staub wischen und wieder zurück. Es sind minimale Ziele, aber wenigstens sind es Ziele die ich erreichen kann.
Rauchen gehe ich auf eigene Gefahr, da es beim Entzug zu Krampfanfällen kommen kann.
Ich habe keine Krampfanfälle und tiger auf und ab.
In der ersten Nacht schlafe ich ohne Alkohol erlöst durch, genauso wie den folgenden Tag.
Überhaupt schlafe ich sehr viel im Moment.
Das bekannte Muster tritt wieder in der zweiten Nacht auf und mein Kopf gibt keine Ruhe.
Meine Gedanken beißen sich fest und lassen sich nicht mehr steuern.
Grübeln“, nannte das die Ärztin im Aufnahmegespräch. Die Art wie ich behandelt wurde bezeichnete sie herrlich sachlich als Mobbing.
Am dritten Tag kann ich endlich für eine halbe Stunde raus und verlaufe mich praktischerweise zum nächsten Supermarkt da ich mir ein Sportgetränk holen will.
Meine innere Unruhe kotzt mich an und ich will sie in irgendwas umsetzen.
Im Flur der Station steht ein sogenannter Ergomat, auf dem ich mich auspowern will.
Auf der Suche nach dem gewünschten Getränk komme ich an Bier, Schnaps und Wein vorbei und verspüre weder Saufdruck, noch irgendein anderes Verlangen mir das Zeug zu kaufen oder rein zu kippen.
Ekel passt eher.
Ich habe mich mit diesem Dreck betäubt um schlafen zu können und am Ende hat es nichts geholfen.
Selber habe ich immer gepredigt, man solle nicht aus Frust oder Trauer trinken und überhaupt nur zu bestimmten Anlässen und bin dann am Ende selber in diese Falle getappt.
Am selben Tag findet ein Jubiläum statt, was quasi ein Klassentreffen darstellt und eine Menge enger Freunde werden da sein.
Da ich nach der Hochzeit einer engen Freundin zuhause einen Heulkrampf bekommen habe ist es unterm Strich besser, dass ich jetzt in der Klinik bin.
Ich bin umgeben von Leuten, die das alles schon mehrmals hinter sich hatten, manche sogar mehrmals im Jahr.
Einer ist jünger als meine Eltern und sieht knapp zehn Jahre älter aus.
Nachdem ich kurz von meinem Beruf erzähle, fragt er mich nach meiner Visitenkarte. Muss am Jackett liegen.
Der Kandidat sucht sich immer neue Ausreden, wenn etwas von ihm erwartet wird und pickt sich sonst die Rosinen aus dem Kuchen.
Das Verhalten kenne ich ja jetzt zur Genüge und wahrscheinlich habe ich es mit der Muttermilch aufgesogen, dass ich diese Art und Weise zum kotzen finde.
Ein anderer möchte immer als erster ran kommen.
Man kann hier nicht alle über einen Kamm scheren und so mischen sich unter diejenigen die gut zurecht kommen erwachsene Kinder.
Mein Zimmergenosse ist wegen Canabis hier und erzählt stolz, dass er schon zwei Wochen Entzug durchgestanden hat. Er redet auch manchmal im Schlaf.
Von seinen Ausflügen kommt er mit Sonnenbrille zurück, trinkt dann sehr viel und legt sich ins Bett.
Eine Freundin ermahnt mich, dass ich doch bitte nicht auf Arbeit bin.
Überhaupt erhalte ich viele Glückwünsche, die ich alle sachlich wahrnehme.
Ich soll mich erholen, man ist für mich da, man denkt an mich und alles wird gut.
Am fünften Tag gratuliert mir die Oberärztin bei meiner ersten Visite, dass ich den Entzug doch ganz gut gemeistert habe.
Darauf weist sie eine Schwester darauf hin, dass ich noch keine Woche da bin.
So schlimm kann das Blutbild also nicht sein.
Immer wieder werde ich gefragt wie es mir geht und ich kann diese Frage nicht beantworten.
Körperlich bin ich leistungsfähig, aber sonst bin ich leer und unsortiert und kann meine Energien nicht anzapfen.
Am Abend des fünften Tages bekomme ich einen Heulkrampf und weiß nicht warum.
Ich habe mir immer wieder umsonst den Arsch für andere aufgerissen und das rächt sich jetzt.

Sonntag, 6. September 2015

Fantastic Four (2015)/ Filmkritik



Kann mal bitte jemand bei 20 Century Fox anrufen und denen sagen, dass die Jahrtausendwende vorbei ist. Ich bin gerade verhindert und kann mich nicht darum kümmern.
Aber lasst mich erklären:

Donnerstag, 3. September 2015

Mobbing ist was für Mädchen




Die moderne Menschheit hat zwei Arten von Moral: eine die sie predigt, aber nicht nutzt, und eine andere, die sie anwendet, aber nicht anwendet.
Bertrand Russel

Echte Männer werden nicht gemobbt.
Sie stehen lachend um einen Grill herum, jeder trinkt einen Kasten Bier aus und dann schwingen sie sich auf ihre Jagdhunde um ein Wildschwein für das nächste Abendessen zu erlegen.
Die Frauen stehen daneben und lästern und tratschen und zerreißen sich den Mund zwischen Trennkost und Schminktipps.
Mobbing, so wie man es allgemein versteht, also jemanden schlecht machen und sich darüber freuen, muss daher doch ein ganz klar weibliches Problem sein.
Ich konnte mit den klassischen Geschlechterrollen nie was anfangen, genauso wenig wie mit den klassischen politischen Richtungen (als ich das erste mal gefragt wurde ob ich links oder rechts sei, antwortete ich mit Rechtshänder)
In meinen Kreisen gibt es genügend Beispiele die sich mit den sogenannten traditionellen Bildern von Mann und Frau nicht entsprechen und genügend Rückgrat haben sich ebenjenen zu widersetzen.
Und nur weil eine Frau blond ist und auf rosa steht, heißt das noch lange nicht, dass sie keine Haare auf den Zähnen.
Die Praxis englische Fachbegriffe unreflektiert zu übernehmen empfand ich immer mehr als unpraktisch und ich bin der Meinung, warum sich so viele Leute gegen das Gender- Mainstreaming sperren, liegt an der unbedachten Nutzung des englischen Wortmonsters.
(Nein, es will niemand irgendjemand den Penis abschneiden, bis auf die kannibalistischen Emanzenlesben, die auf dem Grund eines jeden Sees leben.)
Genauso verhält es sich meiner Ansicht nach auch mit mobbing.
Wie wäre es denn stattdessen mit Sündenbock, Pflaumenaugust, Arsch vom Dienst oder Prügelknabe?
Das sind doch schöne kernige und klare deutsche Begriffe, die in der Grundtendenz genau das selbe aussagen wie das ominöse Mobbing.
Eine einzelne Person wird dazu verdammt die Last und die Fehler aller anderen zu tragen, bis zum erbrechen. Sollte sich dieser Sündenbock vermessener weise über diese Behandlung beschweren wird er noch mal getreten, damit er auch seinen Platz kennt. 
Fast so wie im Märchen vom Aschenputtel, wo die Hauptperson sich den Buckel krum schuftet, während ihre Stiefschwestern debil meckernd hinter ihr stehen und die ganze positive Aufmerksamkeit abbekommen, da ihr Vater nicht dazu in der Lage ist ihnen Einhalt zu gebieten.
Interessanterweise gibt es auch ein sogenanntes Aschenputtel- Syndrom, das unter anderem die Angst und Probleme von Frauen beschreibt, sich aus disfunktionalen Beziehungen zu lösen.
Den Begriff Beziehungen jetzt mal unabhängig von der Romantik benutzt, wie heißt das eigentlich bei Männern? Schließlich gibt es ja auch eine weibliche Version vom Ödipus- Komplex, genannt Elektra- Komplex.
Aber Männer haben keine Ängste und Probleme, erst recht nicht in Beziehungen.
Sie werden auch nicht gemobbt.
Sie reiten auf ihren Jagdhunden mit dem frisch erlegten Wildschwein auf den Grill zu und freuen sich auf den nächsten Kasten Bier.

 Und hier der weiterführende Artikel zum Thema:
12 Strategien gegen Mobbing 

Sonntag, 30. August 2015

Mission Impossible - Rogue Nation/ Filmkritik


Ethan Hunt ist auf der Flucht vor seinem Arbeitgeber, der amerikanischen Regierung, um den eigentlichen Übeltäter zur Strecke zu bringen.
Damit ist eigentlich die Grundhandlung von 4/5 der Mission Impossible- Reihe erzählt. Der zweite Teil ist von diesem Grundrezept abgewichen und gilt als der mit Abstand schlechteste der Serie.
Rogue Nation ist gut gemacht und sehenswert, da ich mir aber irgendwie die Zeit vertreiben muss, sollte ich etwas mehr ins Detail gehen.
Der Film ist auf eine wunderbar selbstbewusste Art verspielt und zwar wie man es von einem Agentenfilm mit lebensechten Masken und lachhaft komplizierten Kombinationen aus Loseworten, mit denen man an den auf einer Schallplatte verschlüsselten Auftrag erhält der sich in fünf Sekunden irgendwie selbst zerstört.

Donnerstag, 27. August 2015

Bitte nur Erfolg berichten


Heute sagt man ja: Der hat ein Alkoholproblem, das klingt so schön harmlos. 
Früher meinte man: Der säuft ein Loch.
Harald Schmidt

Eigentlich sollte es mir gut gehen.
Meine Familie beschenkt und unterstützt mich. Das aggressivste ist die jüngste Katze, die mir mit ihrem Milchtritt den Arm zerkratzt. Das schlimmste was ich meinen Eltern vorwerfen kann, ist dass sie mich in kulinarischen Dingen verzogen haben, wodurch ich beim Essen etwas experimentierfreudig bin.
Ich habe viele langjährige und gute Freundschaften, wo man sich gegenseitig beim Umzug hilft, zusammen bruncht, um die Häuser zieht und gemeinsam Urlaub macht.
Mein Arbeitgeber ist ein sozialer Träger der diesen Namen auch verdient, mich gut bezahlt und mich darin unterstützt weiter voran zu kommen.
Meine kreativen Arbeiten werden positiv aufgenommen und ernten Applaus. Nach den Auftritten kriege ich immer wieder gutes Feedback.
Im Studium habe ich Professoren die mir kollegial zur Seite stehen, da man gemeinsam erfolgreich Projekte durchgeführt hat und sich aufeinander verlassen kann. Mit dem Stoff komme ich spielend klar, bis auf Psychologie, aber das habe ich mit debilem Pauken auch gemeistert.
Eigentlich sollte es mir gut gehen.
Das sind fünf Bereiche meines Lebens die gut bis sehr gut funktionieren, wenn nicht sogar ausgezeichnet.
Warum heule ich dann wenn ich mit diesen guten Dingen konfrontiert werde?
Ich fühle mich wie der Steinbeißer aus der unendlichen Geschichte, der feststellt, dass er große starke Hände hat, aber auch mit diesen großen starken Händen kann er das Nichts, was ihm sein Leben kaputt macht nicht greifen oder bezwingen.

Wenn ich vor dem Spiegel stehe sehe ich kein verheultes Gesicht und keine rote Säufernase.
Ich sehe einen selbstbewussten jungen Mann, der doch wohl sein eigenes Leben meistern sollte.
Aber mein Hirn hat einen Motorschaden und in meinem Kopf leben Monster, die alles gute in meinem Leben schlecht machen und verhindern dass ich meine Kreativität auslebe, meine Ziele verfolge und meine Kompetenz einsetze.
Diese Monster wurden sorgfältig über lange Zeit in dem Verein bzw. in dem Jugendclub herangezüchtet in dem ich mich über zehn Jahre kontinuierlich über die Maßen engagiert habe.
Bis zur Selbstaufgabe.
Ich habe doch bitte zu akzeptieren, dass faule Lügner für meine Arbeit belohnt werden und sich dann auf fremden Lorbeeren ausruhen ohne selber etwas auf die Beine zu stellen
Die Verantwortlichen könnten ja nicht zur Verantwortung gezogen werden, da sie weiblich und jünger sind als ich.
Ich habe doch bitte den Verantwortlichen ihre Arbeit hinterher zu tragen und generell habe ich mich weiter zu engagieren, damit die Verantwortlichen sich weiter auf fremde Kosten profilieren können.
Selbstverständlich bin ich alleine für jedes Problem und für jede Krise zur Rechenschaft zu ziehen, ganz egal ob da noch andere beteiligt waren.
Meine Kritik ist nichts wert, egal wie fundiert sie ist und es ist nicht in Ordnung das ich nüchtern zur Arbeit erscheine und in meiner Freizeit Alkohol trinke. (Hier rückblickend: LOL)
Das ich an meiner Kritik (übernehmt selber Verantwortung und macht eure Hausaufgaben) kontinuierlich festhalte, kann doch nur bedeuten, dass ich das Haus nieder brennen werde.
Überhaupt solle ich doch nicht nerven, da es zu viel verlangt ist von irgendjemanden außer mir Verantwortung zu erwarten.
Ich habe mich ja dann wieder zu engagieren, wenn ich akzeptiere, dass sich faule Lügner auf meine Kosten profilieren.

Ich muss diese ganze menschenverachtende Scheiße bei Gelegenheit mal einer meiner ehemaligen Liebschaften zeigen, die alle jünger sind als ich und auch weiblich. Sie können auch alle intellektuell mit mir Schritt halten und teilen meinen Humor.
Die eine ist Russin und ihr Vater hat Geheimdienstkontakte.
Man ist noch im guten Kontakt, vielleicht ergibt sich da eine kleine Gefälligkeit für mich.
Eine andere Liebschaft war teilweise genervt aber auch erstaunt von mir, dass egal was wir für Dummheiten machten in der Nacht, meine logische Seite immer angeschaltet blieb.

Diese logische Seite ist hier und jetzt meine Rettung.
Das Feedback was ich bekomme gibt mir Recht.
Gut erkannt und gut gehandelt.“ bringt mein Elend ganz gut auf den Punkt.
Sie hat meine zerstörte und versoffene emotionale Seite immer weiter geschleppt, die ihr wie ein Klotz am Bein hing.
Meine logische Seite weiß, dass ich an den Folgen von einem Burn-Out leide, welches sich in Alkoholabhängigkeit (ICD 10 F10.2) und depressiven Phasen (ICD 10 F32) chronifiziert hat.
Ich kann meine Krankheiten sowohl erklären, als auch herleiten, deswegen erscheine ich nicht krank in der Öffentlichkeit, aber ich bekomme meine beiden Krankheiten, die sich gegenseitig bedingen, nicht mehr ohne professionelle Hilfe in den Griff.
Wissen und fühlen stehen sich bei mir gerade gegenseitig im Weg.
Wie jedes Missbrauchsopfer habe ich Schuldgefühle, aber ich weiß das diese nicht gerechtfertigt sind.
Ich habe Angst und Panik davor an die Öffentlichkeit zu gehen, weil mir immer wieder gesagt wurde, dass meine Meinung nichts gilt, aber ich weiß dass das richtig ist.
Ich habe Probleme damit neue Leute kennen zu lernen, weil meine Erfolge immer wieder klein gemacht wurden, aber ich will wieder genießen können.
Meine logische Seite weiß auch, dass ich das Schreiben als Coping Mechanismus nutze um das was mit mir angestellt wurde und passiert ist zu sortieren und zu bewerten.

Wenn wir gerade bei Diagnosen nach dem ICD- 10 sind ist es für mich doch sehr interessant festzustellen, dass die verantwortlichen Vorstandsmitglieder mir gegenüber so vehement verteidigt und klein gemacht wurden, dass da mit Fug und Recht eine F72 Diagnose nach dem ICD – 10 angebracht ist, also schwere Intelligenzstörung bzw. -minderung.
Aber das wäre eine Beleidigung gegenüber alle mit einer gestörten bzw. geminderten Intelligenz.
Selbst der minderjährige gewaltbereite Araber mit dem ich noch vor ein paar Wochen gearbeitet habe hatte mehr Herz und Verstand als die verantwortlichen Personen.
Fuck me and my professionality, because i know my fucking shit.

Der Ursprung für das Burn- Out sind Mobbing und seelische Grausamkeit durch Vorstandsmitglieder in dem Verein bzw. Jugendclub in dem ich mich bis zur Selbstaufgabe engagiert habe, was schließlich im Victim-Framing gemündet ist.
Dieser Begriff bezeichnet das Phänomen, wenn zum Beispiel eine Tochter den Vater des sexuellen Missbrauch überführt und dann vom Familienverbund beschuldigt und unter Druck gesetzt wird, weil sie doch alles kaputt gemacht hat.
Ihre kontinuierliche Kritik stört einfach den empfundenen Frieden im System.
De facto benennt ein Mitglied in einem fehlerhaften System die Fehler von ebenjenem, durch die es geschädigt wurde.
Dadurch dass das System krank ist erkennt es seine eigenen Fehler nicht und belastet die schon geschädigte Person noch zusätzlich und erweckt im System und für alle anderen Systemmitglieder den Anschein, dass die Person, welche die Fehler aufgedeckt hat, für genau die Fehler verantwortlich ist.
Man wird zum Nestbeschmutzer abgestempelt.

Mein Vater hat mich heute früh in die Klinik gebracht.
Er hat mich darin unterstützt Lösungsansätze für meine Probleme zu entwickeln.
Eigentlich sollte ich mich freuen.
Ich bin jetzt da wo ich sein wollte und den meisten Teil habe ich alleine geschafft.
Die letzten Meter musste ich nur getragen werden.

___________

Im Internet findet man ja nicht nur lustige Videos und Bilder, sondern auch nützliche Informationen, wenn man danach sucht.
So gibt es die verschiedensten Selbsttests, bei denen man nur ehrlich zu sich selber sein muss.
Das Motto "In der Kürze liegt die Würze", bedient der CAGE - Test, wo man nur vier Fragen mit Ja oder Nein beantworten muss. Ab zwei Mal Ja sollte man sich ernsthafte Gedanken machen.

Fragen
C - Cut down drinking/ Cravings
"Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken oder setzt bei ihnen ab einer gewissen Zeit das Verlangen nach Alkohol ein (Saufdruck)?"
(Ja und Ja, der Saufdruck kommt frühestens um 16 Uhr, spätestens um 20 Uhr)
A - Annoying
"Haben Sie sich schon mal über Kritik an Ihrem Trinkverhalten geärgert?"
(Nein)
G - Guilty
"Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt?"
(Nein, ich war genervt und enttäuscht von mir, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekomme.)
E - Eye opener
"Haben Sie jemals morgens zuerst Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder den Start in den Tag zu erleichtern?"
(Eigentlich nein, aber ich konnte ohne Alkohol nicht mehr schlafen und die Dosis wurde immer höher, also doch Ja im Sinne der Frage.)

Donnerstag, 20. August 2015

Kaputt


- Warum säufst du?
- Um zu vergessen.
- Was willst du denn vergessen?
- Dass ich saufe.

Meine Waschmaschine braucht für eine Ladung im Durchschnitt zweieinhalb Stunden.
Vor einem Jahr habe ich sie zweimal in der Woche morgens angestellt, habe das Radio angemacht und bin dann putzend durch meine Wohnung getanzt.
Gestern habe ich es in derselben Zeit geschafft endlich den Boden in der Küche zu wischen.
Vorgestern habe ich in derselben Zeit endlich das Bad geputzt.
Die Wohnung ist in keinem verwahrlosten Zustand, sie muss einfach nur mal kurz geputzt werden.
Ich nehme es mir seit zwei Wochen vor.
Gestern war eigentlich auch eine Lesung von mir geplant, aber ich schaffe es nicht meine eigenen Texte zu lesen. Also habe ich sie abgesagt, obwohl ich mich tierisch darauf gefreut habe.
Ich schaffe es nicht mich für zehn Minuten am Tag mit der Gitarre hinzusetzen und meine Lieder zu üben. Eigentlich habe ich Spaß daran mir Melodien für meine Texte auszudenken, aber ich schaffe es gerade nicht.
Am Montag habe ich all meinen Mut zusammengenommen und habe eine sehr gute Freundin angerufen um über mein Problem zu reden.
Ich hatte mir vorgenommen nicht zu weinen, aber das habe ich nicht geschafft.
Wir haben uns an einen Steg gesetzt und über die aktuelle Situation geredet.
Praktischerweise hat sie einen Bruder, der schwerer Alkoholiker ist und war mehr als aufgeschlossen.
Man soll sich in Krisen Unterstützer suchen und man soll an die Öffentlichkeit gehen, also habe ich sie darum gebeten mindestens drei Personen aus unserem Freundeskreis anzurufen und sie über die Situation zu informieren.
Ich hatte mehr als genug getrunken und nachdem wir fertig waren mit reden bin ich gestolpert und bin in ein Boot gefallen.
Danach habe ich noch mal selber einen Freund angerufen und war wieder kurz vorm Heulen.
Am selben Tag habe ich auch meine Arbeitskollegen darüber informiert, dass ich für die nächsten drei Monate nicht mehr oder nur begrenzt zu erreichen bin. Meinen Chef hatte ich die Woche vorher informiert.
Praktischerweise hat meine eine Kollegin schon mehrfache Erfahrung mit Alkoholikern als Partnern.
Letzten Freitag haben zwei Freunde geheiratet, es war ein wunderbarer Tag von vorne bis hinten. Wir haben gespielt, gescherzt und gelacht.
Während andere tanzen waren, habe ich Kindern Dummheiten beigebracht, weil mir das besonders Spaß macht.
Als ich dann nach Mitternacht zuhause war habe ich einen Heulkrampf bekommen.
Positives Feedback auf meine Texte kann ich nicht genießen.
Den Applaus bei meinen Auftritten nehme ich war, aber nicht in mir auf.
Ich kann mich nicht mehr über meine Erfolge nicht freuen.
Einen Tag vor der Hochzeit habe ich mir bei meinem Hausarzt die Einweisung für die Klinik abgeholt.
Die Schwester wünschte mir noch mal alles Gute.
Als ich mir die Kostenübernahme bei der Krankenkasse abgeholt habe hat mir der Bearbeiter verwirrt und traurig hinterhergeschaut.
Ich sehe nicht aus wie ein Säufer.
Ich bin ein großer, starker, junger Mann der ein selbstsicheres Auftreten hat.
Ich bringe den „Fun“ in den funktionalen Alkoholismus.
Ich war schon immer trinkfest gewesen.
Nach einer durch gerockten Woche geht man halt mal einen saufen und im Studium trifft man halt mal auf Russen und andere Osteuropäer.
Vielleicht geht man am Wochenende auch mal Skat spielen oder man geht auf ein Konzert und schmeißt sich in die verschwitzte Menge.
Da muss man halt was aushalten können.
Das ist jetzt der erste Text den ich seit einem halben Jahr schreibe.
Vor einem halben Jahr war ich Verhandlung mit einem kleinen aber feinen Verein um zwei Photobücher von mir zu veröffentlichen.
Das war und ist ein Lebenstraum von mir.
Ich war nicht dazu in der Lage die Verhandlungen konsequent zu Ende zu führen.
Dabei bin ich nicht nur groß und stark, ich bin auch intelligent und kompetent.
Das ist nicht meine Meinung, sondern die von allen anderen.
Ich war beim Arzt, weil meine Mutter meine Diagnose von der Notaufnahme gefunden hatte.
Ich hatte mir im Juni Mut angetrunken, nachdem ich mir selber vorgerechnet hatte, dass ich innerhalb von drei Wochen 600 Euro versoffen hatte.
Das ist nicht mehr trinkfest.
Das ist ein ernsthaftes Problem, dass sich in mein Leben hineinfrisst.
Vor knapp acht Monaten wurde ich zum wiederholten Mal von dem Verein ausgenutzt, missbraucht und weggeworfen, in dem ich mich über zehn Jahre mit Schweiß und Blut und Eigenkapital engagiert habe.
Danach wurde mir von diesem Verein gesagt, dass ich mich doch darüber freuen soll, dass ich weggeworfen wurde.
Ebenfalls wurde mir gesagt, dass die verantwortlichen Personen nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, da sie weiblich und jünger als ich sind.
Gleichzeitig wurde von mir erwartet, dass ich mich weiter für den Verein engagiere, ohne das irgendeine Gegenleistung erbracht wurde.
Immer wieder wurden Absprachen nicht eingehalten und faule Lügner, die sich auf meine Kosten profiliert haben wurden für meine Erfolge belohnt.
Ich durfte den Leuten die mich ausgenutzt haben die Arbeit hinterher tragen und dann wurde auf mir herum getrampelt.
Aus irgendwelchen Gründen saufe ich gerade wie ein Loch und bekomme nichts mehr gebacken.
Aus irgendwelchen Gründen passen gerade meine Eltern auf mich auf, weil sie sich ernsthafte Sorgen um mich machen.
Aus irgendwelchen Gründen habe ich gerade keinen Spaß mehr und gehe deswegen in einer Woche in die Klinik.
Der sogenannte gemeinnützige Verein hat mich ja dazu aufgefordert meine Problematik kreativ zu verarbeiten.
Gut. Bitte.
Dann fangen wir mal an.


Als Link der Woche nehme ich hier mein Vorbild für dieses Projekt:

Mittwoch, 1. Juli 2015

Pause

Des Jahres Mitte ist schon längst erreicht,
Sich bei mir schon das Hirn erweicht.

Im Urlaub heißt es Kräfte tanken
(und besoffen dann nach Hause wanken)

Bis neues kommt, dann im August,
Mit Rückblicken du vorlieb nehmen musst.
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