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Dienstag, 15. März 2011

Im Gespräch mit Angelika Ludwig


Angelika Ludwig ist nach eigener Aussage in erster Linie Mensch und trotzdem  das was man am ehesten als bildende Künstlerin bezeichnet. In ihrem Atelier trafen wir uns auf einen Espresso. Wer einen noch genaueren Einblick in ihre Arbeit haben möchte, dem sei ihre Internetseite www.malerei-ludwig.de empfohlen

Da Häng: Du hast gesagt, dass du wenig Zeit hast, was hast du denn heute noch vor?
Angelika Ludwig: Ich muss heute noch in die Werkstatt und Platten ätzen für Radierungen.
D.H.: Wie sieht denn dein Tätigkeitsfeld im Großen und Ganzen aus?
A.L.: Das ist gesplittet in Malerei und Druckgrafik. Die Druckgraphik mache ich in der Druckwerkstatt, die wir als Künstlergruppe gemietet haben. Dann habe ich eine Galerie, wo ich vertreten bin und dann mache ich noch temporäre und thematische Ausstellung und gebe Kurse an der VHS.
D.H.: Hast du eine Ausbildung oder bist du Autodidakt?
A.L.: Ich habe an der UDK studiert, das war ein postgraduales Studium mit dem Namen „Kunst im Kontext“. Und ansonsten  wurde ich von verschiedenen Berliner Malern ausgebildet.
D.H.:  Mich würden die Inhalte so einer Ausbildung interessieren. Wie wäre deine Herangehensweise?
A.L.: Das mache ich ja schon in meinen Kursen an der VHS seit ungefähr 1992. Die richten sich speziell an junge Menschen die Kurse studieren wollen, ich mache also auch Mappenberatung. Ich versuche die Augen zu öffnen, damit die Menschen die da malen oder zeichnen wollen erst einmal wahrnehmen und Zeit nehmen. Dann hohle ich sie natürlich von dem Zustand ab wo sie sind, dass ich also nicht rein rede sondern von dem ausgehe was da ist. Und ich versuche ihnen die Angst zu nehmen, da ich der Meinung bin, wer schreiben kann, kann auch zeichnen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber in der japanischen Tradition ist schreiben und zeichnen auch fast eins.
Um es klar zu sagen, ich versuche da anzusetzen wo jeder in der Kindheit war, nämlich, dass man erst einmal ganz ungehemmt zeichnet. Und dann gibt es natürlich auch Regeln und Grundsätze, es geht natürlich auch um Bildkompositionen, wir machen vorher auch Übungen und dann gibt es auch ein Thema, z. B. Graustufen. Meistens mache ich verrückte Sachen, wo die Leute ein bisschen überrascht sind. Ich versuche immer etwas so beizubringen, dass sie es gar nicht merken. Da hat dann zum Beispiel jemand gesagt: „Du hast ja gar nichts gesgat, ich dachte immer die muss doch etwas sagen, aber zum Schluss habe ich doch etwas gelernt.“ Also es ist bei mir sehr spielerisch, wahrscheinlich liegt das daran, dass ich eine enge Bindung zum Theater habe.
D.H.: Gibt es unter deinen Kursteilnehmern auch Leute, die sagen „Ich will ein großer Künstler werden.“?
A.L.: Gibt es auch, die schicke ich nach Hause. (lacht) Es gab mal einen, der sagte: Ich brauch kein Naturstudium und ich brauch auch nicht mehr richtig zeichnen, ich will gleich abstrakte Formen, die abstrakte Malerei machen. Dann hab ich entgegnet: Picasso hat auch gezeichnet, genauso wie Matisse und es ist ein langer Weg bis man zu dieser eigenen Abstraktion kommt und da sagt er, dass will ich über springen, wo ich geantwortet habe habe, Dann musst du woanders hingehen wo man dir beibringt das zu überspringen.
Ich weiß nicht ob man es sich wirklich vornehmen kann Künstler zu werden oder ob man es nicht eher im Tuen wird. Es gibt da so einen schönen Spruch: Malend wird der Maler zum Maler. Der Vorsatz Künstler zu werden ist auch deswegen schwierig, weil die Kunst nicht dann entsteht, wenn man will. Es ist nicht wie Brötchen backen. Am besten man erwartet so wenig wie möglich, sondern machst einfach das was man  tut mit vollster Hingabe und genießt es. Ich würde auch nicht sagen, ich bin Künstler, sondern meine Haltung zum Leben ist vielleicht eine künstlerische. Zum Beispiel wenn ich in der Tankstelle ein rotes Auto und eine grüne Wand und einen blauen Neon-Streifen, dann denk ich „Wow, das ist ja wie eine Bühne oder wie eine Bildkomposition.“ Ich bin also ständig auf der Suche nach Bildern und dieses sehen ist etwas ganz tolles.
D.H.: Woher kommt deine enge Beziehung zum Theater?
A.L.: Ich habe für Jugendtheater und Erwachsenenstücke das Bühenbild entworfen habe, beim Jugendtheater mit den Jugendlichen zusammen. Die richtig tiefe Beziehung ist aber entstanden durch die Theaterübung die ich nebenher mitgemacht habe und das ist auch eine Einstellung zum Leben. Das ist das Spiel mit der Wirklichkeit und wie sie sich darstellt. Die Grundregeln die für das Theater gelten, gelten auch für das Leben, finde ich.
D.H.: Und inwieweit gelten diese Grundregeln für das Leben?
A.L.: Es gibt immer wieder verfahrene Situation und bei verfahrenen Situationen bzw. Sznenen hat einer der Schauspiellehrer immer gesagt, Und jetzt wieder spielerisch werden. Das heißt jetzt nicht, dass man jemanden etwas vorspielt, sondern dass man anfängt zu improvisieren und etwas von einer anderen Seite zu sehen. Einfach damit es wieder in Fluss kommt. Wenn ich zum Beispiel auf dem Blatt verfahren bin, dann gibt es die Zerstörung, was für mich auch eine Art des Spiels ist, um danach wieder aufzubauen und etwas neues erfinden.
Bei meinem Kurs habe ich den Leuten einen Apfel gegeben, den sie dann halt gegessen haben und die einzelnen Zustände abgezeichneten. Das war auch eine Aktion wo sich gestalterisches mit szenischem vermischt und wo auch eingefahrene Strukturen aufgebrochen wurden und etwas neues ausprobiert wurde.
D.H.: Kommen wir auf die gestaltende Kunst zurück. Was hällst du von moderner Kunst, wie zum Beispiel eine Reihe von schwarzen Bildern?
A.L.: Das kommt darauf an. Wenn es aus einer inneren Notwendigkeit entsteht dann ist es glaubhaft. Ich glaube es hat auch etwas mit der Sehgewohnheit zu tun. Ich glaube man kann lernen abstrakte Kunst zu mögen, genauso wie man lernen kann moderne Musik zu mögen. Beides in langsamen Schritten natürlich. Es ist einfach eine Sprache die man verstehen muss um damit umgehen zu können. Und diese schwarzen Bilder die du meinst, ich weiß jetzt nicht ob die von Ed Reinhard  sind, da muß man warten und dann kommen auch Formen heraus, das ist eben nicht nur schwarz, sondern auch ein ganz zartes grau, was man erst sieht, wenn man genau und länger hinschaut. Ich glaube, damit rechnet der Künstler, dass man länger hinguckt und nicht nur schnell mal einen Blick drauf wirft.
D.H.: Was für Themen nimmst du dir bei deine Ausstellungen vor?
A.L.: Ich nehme sie mir nicht vor, sie entstehen während der Arbeit. Oft dreht es sich bei mir um Polaritäten und das dazwischen. Zum Beispiel Männer und Frauen. Dieses Thema ist bei mir entstanden als ich beim Zeichnen gesehen habe, da sind immer männliche und weibliche Formen drin. Das habe ich bei mir entdeckt und habe das dann als Thema weiterverfolgt.
Nach der Wende haben wir auch alte Fabrikgelände aufgesucht und dazu Ausstellungen gemacht, auch weil es halt ein spannender politischer Umbruch war. Teilweise wegen dem Thema Zerstörung und Neuaufbau und teiweise war es auch eine Verabschiedung vom alten System. Es war auch der Reiz des Morbiden in diese alten Fabrikgebäude reinzugehen.
D.H.: Wie hat sich denn der Künstlerbetrieb in der DDR zum Heute unterschieden?
A.L.: Wenn man im Verband bildender Künstler war, wo ich erst zur Wende reingekommen bin, dann hatte man eigentlich schon eine gesicherte Eistenz. Es war aber sehr schwer in diesen Verband rein zu kommen. Man konnte praktisch von seiner Kunst leben und von seinen Kursen, das geht jetzt nicht mehr. Man muss jetzt noch etwas nebenher machen oder man braucht jemanden der einen unterstützt. Meine Existenz gründet sich auf Kurse, Bühnenbild und Verkauf von eigenen Werken, was ziemlich unberechenbar ist, man kann nicht damit rechnen etwas zu verkaufen. Das ist immer wieder unterschiedlich.
D.H.: Was für Unterschiede gibt es in der Kunst zwischen Ost und West?
A.L.: Die gab es dadurch, dass die Künstler im Osten sich mehr am menschlichen Körper orientiert haben, also figürlicher gezeichnet haben. Der Mensch war immer präsenter. Die Kunst im Westen war abstrakter. Interessanterweise ist es so, dass es jetzt eine Rückkehr zum Figürlichen gibt.
D.H.: Gibt es Künstler von heute, die du bewunderst?
A.L.: Ja, Ich mag Strawalde, der eigentlich Jürgen Böttcher heißt. Der hat auch Dokumentarfilme gemacht. Den habe ich das erste mal gesehen und fühlte mich mit ihm verwandt, was mich sehr ermuntert hat. Und ich mag ihn vielleicht auch desshalb, weil er etwas theatralisches in seinen Bidern hat. Auf diesem Bild was ich damals von ihm gesehen habe wirken die Zeichen und Formen wie Akteure, die die Bühne betreten. Und er benutzt die Malerei als Collagetechnick. Bei seinen Collagen nimmt er ganz alte und zerfetzte Dinge und daraus entsteht was ganz neues, was ganz edles. Da denkst du dir, was ist den das für eine tolle Farbfläche, gehst näher heran und dann ist das ein zerfressener Teebeutel. Aber es wird so zum Bild durch die anderen Farbflächen und sehr schön.
D.H.: Könntest du dir vorstellen auch an einem Film mitzuwirken?
A.L.: Das nehm ich mal als Anregung. Aber man hat mit dem Zeichnen schon genug zu tun und diese Genre übergreifenden Sachen gibt es zwar auch, aber man muss sich auch auf etwas konzentrieren, man hat ja nur eine begrenzte Lebenszeit.
D.H.: Es gibt da einen Film wo verschiedene Bilder abgefilmt wurden. Was kannst du damit anfangen?
A.L.: Es ist was anderes. Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwann langweilig wird. Wenn man Bilder fotographiert und stehen lässt, kann man sie gleich nur fotographieren. Ich glaube, dass ein Film immer im Wechsel und in der Bewegung sein muss. Ein geschriebenes Buch lebt von der Sprache, ein Bild lebt von den Formen und Farben und ein Film lebt von der Bewegung. Eine gewisse Reinheit der Stilmittel ist schon wichtig, da es zum Beispiel einfach Sachen gibt, die man nur mit der Sprache aussagen kann.
D.H.: Gibt es Sachen die du noch machen möchtest?
A.L.: Es gibt da natürlich noch die ungelegten Eier über die man nicht spricht, weil sie noch am reifen sind. Aber ich habe eine Vision davon die Aktivität des Theaters auf das Malen zu übertragen. Das Malen ist an sich ja eher eine kopflastige Angelegenheit. Es würde mich interessieren, wie das Ergebnis aussieht, wenn man sich wie beim Theater aufwärmt. Und ich würde gerne unheimlich im Chor singen, Tango lernen und wieder etwas Klavier lernen. Also alles wo der Körper in Bewegung und Schwingung ist.
D.H.: Danke für das Gespräch.



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Samstag, 15. Januar 2011

Interview Tanzen

 
Ewa und Quang geben zusammen Tanzkurse in der Musik und Tanzschule Mona Liese am Mandrellaplatz.
Das war ja wohl das verpeilteste Interview was ich je geführt habe. Nachdem ich mir extra neue Batterien am Reisepoint gekauft hatte , gaben alle vier nacheinander den Geist auf.

D.H.: Wie seid ihr zum Tanzen gekommen.
Ewa: Als ich klein war, war ich ein richtiges kleines Mädchen, ich wollte ein Tütü tragen und Ballerina werden. Deswegen habe ich angefangen Ballet zu tanzen, das habe ich dann fünf bis sechs Jahre gemacht und habe dann gemerkt, dass ist doch nicht mein Ding. Dann habe ich ein paar Kurse gemacht, unteranderem auch Jazz- Dance, durch Zufall bin ich dann in einen Tanzclub gegangen und habe dann mit Latein angefangen.
Quang: Ich hatte vorher mit Tanzen überhaupt nichts am Hut, weder mit Ballet, noch mit Street- Dance, bis ein Freund von mir mich in einen Tanzclub geschleppt hat und da wurde Lateinamerikanisch getanzt. Zu der Zeit war Ewa auch schon dort, und ich kannte sie von der Schule. Da haben wir dann das Gruppentraining mitgemacht und das hat mir dann gefallen und so bin ich dann nach und nach zum Turniertanzen gekommen. Ich habe vorher auch kein Sport gemacht, das Tanzen war das erste, was mir gefallen hat und wo ich auch ganz gut drin war.
D.H.: Ihr habt ja schon ein paar Titel gewonnen. Was für Titel sind das und wie baut sich das Turniertanzen auf.
Q.: Es gibt beim Tanzen verschiedene Ligen...
E.:... ähnlich wie beim Fußball.
Q.: Und beim Tanzen heißt es D, C, B, A, S.
E.: S- Klasse ist wie beim Auto, das Beste.
Q.: Und in der D und in der C Klasse in Berlin, also für die beiden Anfänger- Klassen, war ich dann Berliner Meister. In der B- Klasse war ich dann nicht mehr so erfolgreich, weil der Druck steigt und man halt mehr trainieren muss. In der A- Klasse habe ich dann aufgehört. Ich hatte nicht mehr so viel Motivation und habe keinen Sinn mehr darin gesehen. Klar, wenn man erfolgreich ist, dann macht es auch Spaß. Aber nach dem ganzen trainieren, bekomme ich dann einen Pokal, den stelle ich dan in ein Regal, da verstaubt er und das war es.
Tanzen kann ich ja immer noch, das ist nicht gestorben, nur Turniere muss ich nicht mehr machen.
E.: Bei mir war es ähnlich. Ich hab Berliner Meisterschaften gewonnen, eher in den unteren Klassen. Dann bin ich in die B- Klasse gekommen, habe da so gut wie kein Turnier getanzt. Dadurch das mein Partner besser war, bin ich gleich in die A- Klasse gekommen, da habe ich dann auch nicht so viele Turniere getanzt, weil das mit dem Partner nicht so gut geklappt hat. Momentan bin ich noch auf Partnersuche.
D.H.: Wie seid ihr Tanzlehrer geworden?
E.: Das war eher Zufall. Die Leiterin dieser Tanzschule ist früher Musiklehrerin bei uns an der Schule gewesen. Dann gab es noch einen Lehrer, der hat immer eine Tanz AG gemacht. Sie hat dann eine Musik- und Tanzschule gegründet und er hat sich dann mit dem Tanzen beschäftigt. Ich habe hier als seine Assistentin angefangen. Dadurch habe ich immer mehr Erfahrung gesammelt und bin dadurch auch Tanzlehrerin geworden.
Q.: Bei mir war es ähnlich, wir waren ja auf der selben Schule. Die Leiterin war damals unsere Lehrerin und wusste dass wir tanzen. Ich bin nicht von Anfang an dabei, sie hatte mich zwar schon vorher gefragt, nur hatte ich da noch kein Interesse.
D.H.: Quang, du hast mir mal was von Oberflächlichkeit und Bräunungscreme im Tanzsport erzählt.
Q.: In dem Sport geht ja um Ästhetik, also machen die sich schon ein bisschen her. Aber ich habe ja mehr über die Leute geredet. Man lernt sich auf den Turnieren halt nicht richtig kennen und manchmal kommen einem die Leute falsch vor. Aber ich denke das ist in jedem Sport so, dass viel geredet wird und es Klatsch und Tratsch gibt. Das ist mir halt negativ aufgefallen und ich habe mit vielen Leuten aus diesem Sport nichts zu tun gehabt.
E.: Man kann auch sagen, dass viele dieser Tanzclubs nicht wirklich verfeindet sind, sondern eher aufeinander schlecht zu sprechen sind. Erst recht auf einzelne Personen, die den Club gewechselt hat. Die Wertungsrichter gehören zu einzelnen Club's und wenn da einer den anderen nicht leiden kann, dann kann er ihn halt mit Absicht schlecht bewerten.
Q.: Die Wertungsrichter sind selber Trainer in anderen Tanzclubs. Es herrscht da also eine eigene Politik mit Beziehungen und Sympathien. Ih glaube das wird erst richtig krass in den höheren Rängen. In den niedrigeren spielt das noch nicht so eine Rolle.
D.H.: Seid ihr von Tanzfilmen abhängig?
E.:Wenn man ein bisschen Ahnung hat und sich solche Filme anguckt, dann ist man nicht so verzaubert wie jemand der nicht so viel Ahnung hat. Man sieht dann halt viele Fehler und dass etwas eingebaut wurde, weil es optisch gut aussieht und technisch nicht wirklich richtig. „Dirty Dancing“ kann ich mir trotzdem immer wieder angucken.
Q.: Ich gucke alle möglichen Filme gerne , mit Tanzfilmen habe ich überhaupt nichts am Hut, weil die Story meistens sehr dünn ist. Einer ist aus gutem Hause, der andere nicht. Der eine kann gut tanzen, der andere nicht. Das ist immer das gleiche, finde ich nicht spannend.
D.H.: Ich meinte jetzt eher ob durch Tanzfilme, Leute zu euch kommen um tanzen zu lernen.
E: Wir hatten mal ein Pärchen, das den Film „Darf ich bitten“ gesehen hat. Oder viele antworten auf die Frage „Habt ihr irgendwelche Wünsche?“ mit Salsa und Mambo, auf der Grundlage der Filme die sie gesehen haben. Und durch solche Sendungen wie „Let's Dance“ wird das Tanzen immer populärer.
Q.: Die Generation heute ist ja ein bisschen anders als früher. Da gibt es viele Videos im Internet oder halt bei MTV. Und ich habe schon von vielen Jugendlichen gehört: „Oh, der Usher tanzt so toll.“ Also gehen die dann in einen Hip- Hop Kurs von irgendeiner Tanzschule. Besser als zuhause rumsitzen.
D.H.: Wie alt sind eure Schüler?
Q.: Man kann wirklich sagen von jung bis alt ist alles dabei.
E.: Wir haben jetzt sogar einen Senioren- Kurs. Der ist ganz toll.
Q.: Ich habe zur Zeit die jüngsten und die Jüngste ist jetzt 11 geworden, aber ich hatte auch mal einen Achtjährigen. Kinder zu unterrichten macht mir wirklich Spaß. Nicht die, die gerade in die Pubertät kommen oder gerade darin sind, die sind immer sehr vorlaut und anstrengend.
D.H.: Gibt es bei den Jugendlichen manchmal Berührungsängste?
E.: Wir machen sowieso mehr Lateintänze wo man nicht so aneinader klebt. Bei den Erwachsenen können wir eher sagen jetzt mal ein bisschen enger aneinander bei den Standardtänzen, weil da öfter Pärchen kommen. Bei den Jugendlichen machen wir mehr die Schritte als die Haltung und das eng tanzen...
Q.: ... weil sie sich da halt ein bisschen zieren. Generell kann man sagen, dass die Jugendlichen offener zum anderen Geschlecht werden.
D.H.: Wie harmonieren denn Männer und Frauen generell beim Tanzen?
E.: Frauen gehen zum Tanzen weil sie es vielleicht gesehen haben und sich auch so bewegen wollen und Spass drann haben. Viele Männer, ich sage nicht alle, aber viele gehen ihrer Frau zuliebe zum Tanzen und haben da vielleicht Vorurteile im Kopf, wie „Tanzen ist schwul“ und sind da nicht so aufgeschlossen wie die Frauen, die vielleicht schon einmal in ihrer Jugend getanzt haben.
Q.: Es gibt Männer die zu Anfang skeptisch sind, aber wenn sie dann selber einen Kurs besuchen, finden sie immer mehr Spass daran.
D.H.: Es gibt ja beim Tanzen die klassische Aufteilung, dass der Mann führt und die Frau ihm sozusagen untergeordnet ist. Wie leicht können sich eure Schüler darauf einstellen.
E.: Darüber könnte man eine Diplomarbeit schreiben. Ich finde das immer wieder spannend. Meist ist es so, dass die Frau führt, weil sie mehr Erfahrung im Tanzen hat und der Mann zu sehr mit seinen Schritten beschäftigt ist. Wir machen auch Übungen zu Führungen und dann merkt mann, dass die Frauen richtig glücklich sind, wenn die Männer sie richtig führen.
Q.: Man unterstützt sich ja gegenseitig. Der Herr gibt sozusagen die Impulse, wann genau etwas passiert. Es kann halt immer nur eine Person führen. Wenn beide führen, kommt man nicht voran und mann hatt das halt auf die Geschlechter aufgeteilt und nicht nach der Körpergröße.
D.H.:Wie toll sind Modetänze wie z.B. Macarena für euch?
E.: Kann man einmal in der Tanzstunde machen wenn es passt, aber sonst nicht.
Q.: Ist halt nicht sehr anspruchsvoll. Ist halt gemacht für die Massen, dass die den Song anlassen und mittanzen. Genauso wie bei Fernsehaerobic. Aber so etwas würden wir hier nicht so gerne unterrichten. Genau genommen sind das auch keine richtigen Tänze, sondern irgendwelche Folgen die sich ein Choreograph ausgedacht hat.
E.: Wir haben Macarena einmal im Kinderkurs angemacht, aber ich würde das auch nicht stundenweise machen. Aber zum Beispiel, der beliebteste Tanz in Deutschland ist zur Zeit Disco- Fox und den machen wir auch, weil der eigentlich zu fast jeder Musik passt und so auf vielen Feiern zu tanzen ist.
D.H.: Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Standardtänzen und Latein?
E.: Es gibt die fünf Standardtänze, das sind langsamer Walzer, schneller Walzer, Tango, Slow Fox und Quick Step. Die werden in geschlossener Haltung mit enger Körperhaltung und relativ steif getanzt. Oben bewegt man sich kaum und unten machen die Beine sehr viel. Lateintänze sind eher verspielter und in offener Haltung.
Q.: Standard ist da, wo der Herr bei Turnier und Ballveranstaltungen so einen Frack trägt, der über tausend Euro kostet. Die trägt man bei den Turniertänzen ab der A oder S Klasse und soweit sind wir beide nicht gekommen. Wir beide können zwar Standardtänze, sind aber in den Lateintänzen besser.
D.H.: Habt ihr eine ungefähre Ahnung wie sich die Tänze entwickelt haben?
E.: Vieles kommt aus Lateinamerika. Vom Samba sagt man, dass er seinen Ursprung in Afrika hat. Also Volkstänze die rübergeschwappt sind.
D.H.: Konntet ihr schon einmal das Tanzverhalten der Deutschen mit anderen vergleichen?
E.: Wir haben bis jetzt nur in Deutschland unterrichtet. Aber bei einer Reise nach Kuba habe ich gemerkt, dass fast jeder ein paar Grunschritte konnten, ohne in die Tanzschule zu gehen.
Q.: In Tanzcafé's in anderen Ländern, z.B. Italien, da fordern sich auch mal fremde Personen zum tanzen auf, das kann ich mir hier in Deutschland nicht so vorstellen.
D.H.: Wie geht ihr privat tanzen?
E.: Also ich gehe sehr selten tanzen, weil ich die typischen Discos nicht so gerne mag. Es ist total eng und verraucht und irgendwie finde ich dass man da nicht so tanzen kann um des Tanzens wegen. Da gefallen mir schon eher Klubs wie meinetwegen das Havanna, wo man ein bisschen Salsa tanzen kann.
Q.: Ich gehe schon gerne in die Disco, aber auch nicht so oft, weil meine Freunde nicht solche Discogänger sind. Ich finde schon dass man da ordentlich tanzen kann. Ich würde abert nie als vollkommen korrekter Tänzer mit Grundschritt dort auftreten. Es gibt schon Leute, die ordentlich posen, aber dazu gehöre ich nicht.
D.H.: Danke für das Gespräch.

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Mittwoch, 15. September 2010

Interview Tatjana

Tatjana Schierkowski ist 20 Jahre und Auszubildene bei der Polizei. Bei einem Kaffee und einer Bitter Lemon unterhielten wir uns über ihren Beruf und was dahinter steckt.

Da Häng: Im wievielten Jahr deiner Ausbildung bist du jetzt?
Tatjana Schierkowski:Im dritten.
D.H.: Warum hast du dich dazu entschieden Polizistin zu werden?
T.S.: Lustig, das wird man auch in ziemlich jeder neuen Dienststelle gefragt. Ursprünglich deshalb weil ich keinen Bürojob haben wollte, sondern mit Menschen arbeiten wollte und weil ich irgendwie etwas zu einer besseren Welt beitragen wollte. Aber ob es im Moment möglich ist weiß ich nicht.
D.H.:Gibt es irgendwelche Bereiche bei der Polizei, wo du am liebsten arbeiten würdest.?
T.S.: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass ich zu den geschlossenen Einheiten komme. Das sind die Gruppen, die bei Demonstrationen, Fußballspielen oder Ähnlichem eingesetzt werden. Also nicht die, die im Funkwagen fahren, sondern die, die absperren, sichern oder neben Demonstranten herlaufen.
Ansonsten kenne ich mich noch zu wenig aus um eine Wunschdienststelle zu nennen. Wir hatten zwar einige Praktika, aber mir fehlt immer noch der richtige Durchblick, ich muß mich also noch richtig informieren.
D.H.: Wie sieht der Unterricht in der Ausbildung aus?
T.S.: Auf jeden Fall anders als in anderen Ländern. Bei uns gibt es zuerst zwei Jahre absolute Theorie. Gleich nach den ersten drei Wochen, wo man schon seine Uniform bekommen hat läuft ein Schnupperpraktikum von einer Woche. Da kommst du dann richtig auf die Dienststelle, darfst mitfahren aber noch nichts machen. Jetzt im dritten Jahr haben wir richtig Praktikum, auf der geschlossenen  Einheit, auf dem Abschnitt, in der Verbrechensbekämpfung. Da bit es verschiedene Dienststellen und da darf man auch richtig mitarbeiten. Aber eben auch erst jetzt.
D.H.: Wo liegen die Unterschiede in der Ausbildung zwischen den Ländern?
T.S.: In England und Amerika sind es nur zwei Jahre oder auch nur sechs oder acht Monate und fast nur Praxis. Also kommen die gleich auf die Straße und lernen es da, was ich persönlich besser finde, weil nur Theorie und dann Praxis bringt nichts. Das müsste man bei uns auch mehr kombinieren.
D.H.: Ist die Ausbildung in Deutschland im Ländervergleich jetzt besser oder schlechter?
T.S.: Kann man schlecht sagen. Wenn man hier aus der Schule raus gelassen wird hat man mehr damit zu tun sich an die Praxis zu gewöhnen. Durch das Praktikum alleine ist es nicht möglich sich in ndie Praxis reinzufinden. So ist es auch bei uns so, dass die Kollegen sagen: ‑Vergiss alles was du gelernt hast, wir fangen jetzt neu an. Vielleicht ist es hier etwas blöd geordnet, aber nicht unbedingt schlechter.
D.H.: Wie sieht die Theorie genau aus?
T.S.: Es gibt acht Fächer, da gibt es Strafrecht, Verkehrsrecht, Sicherheits- und Ordnungslehre, Deutsch, Kriminalistik und besondere Ordnungslehre. In den Fächern ist eine Menge zu lernen, davon sind die meisten Fächer Durchfallfächer, die muss man bestehen, also mindestens eine vier haben. Es sieht so aus, das alle drei Monate eine Prüfung ansteht. Im ersten Jahr sind es so um die sieben Prüfung á 90 Minuten, im zweiten Jahr sind es dann acht Prüfungen á vier Stunden, das alles in jedem Fach. Im dritten Jahr haben wir dann noch eine Prüfung von vier Stunden wo Themen aus allen Bereichen abgefragt werden.
D.H.: Was für Probleme gibt es als Frau in diesem Beruf?
T.S.: Offiziell keine, inoffiziell ist der Fakt aber so, dass viele Männer ein Problem mit Frauen bei der Polizei haben. Dann fallen halt solche Kommentare wie ‑Püppchen müssen auf dem Wagen bleiben. oder ‑Auf Demonstrationen müssen wir auf Tati aufpassen. Das ist auch in gewisser Hinsicht klar, weil eine Frau kann nicht so stark sein wie ein mann. Aber in bestimmten Situationen geben Männer auch zu, dass Frauen besser geeignet sind, zum Beispiel wenn es um das Schlichten von Streitigkeiten geht.
D.H.: Wenn du jetzt auf die Straße gehst und nicht mit Kollegen, sondern mit Zivilisten zu tun hast, was für Probleme kommen da auf dich zu?
T.S.: Na jede Menge, da gehört zum Beruf der Polizei. Keiner ist freundlich, wenn du zu ihm sagst: „Ey gib mal 30 Euro, du hast was falsch gemacht.“ Aber die meisten sind doch schon ziemlich informiert. Die sehen dann die zwei Striche auf der Schulterklappe, merken, dass du noch zur Schule gehst und sind dann auch ziemlich freundlich. Andere sind dann wieder richtig unfreundlich. Aber richtig schlimme Sache habe ich bis jetzt noch nicht erlebt. Das Bild in der Öffentlichkeit reicht also von „Die machen nur ihren Job“ bis hin zu „Alle Polizisten sind rechtsradikal.“
D.H.: Und wie sieht es mit dem rechtsradikal bei der Polizei aus?
T.S.: In der Ausbildung wird sehr darauf geachtet. Das fängt an bei den Haaren. Glatze ist verboten, das darf man einfach nicht. Man wird dann zum länger wachsen motiviert. Aber die Frage ist ja immer ob man die am Äußeren so krass erkennen kann. Weil wenn die Kandidaten mit unauffälligen Verhalten dort aufkreuzen wird man die nicht gerade erkennen können.
D.H.: Hast du welche erkennen können?
T.S.: Private Äußerungen schon, aber ich weiß nicht ob die so rechts sind oder einfach nur Mitläufer, das kann man schlecht einschätzen. Und inwiefern sie das in ihrem Beruf einbringen ist auch wieder was anderes, weil man die Meinung dann nicht unbedingt im Beruf ausleben muss. Wie gesagt, es wird sehr darauf geachtet.
D.H.: Wie sieht das Bild der Polizei gegenüber Linken aus?
T.S.: Da kann ich nur von der Schule sprechen, weil ich auf der Dienststelle noch nichts mitbekommen habe. Es ist schon so, dass eine gewisse Vorsicht oder auch Ablehnung gegenüber dem schwarzen Block herrscht.
D.H.: Stichwort Berufsfrust, wie sieht es bei dir in der Ausbildung damit aus?
T.S.: Er ist erschreckend hoch muss ich sagen. Nachdem ich einmal durchgefallen bin, habe ich ernsthaft überlegt ob ich aufhöre, weil ich ziemlich stark gemobbt wurde. Eigentlich nur von einer Kollegin, aber die anderen haben sich dann mit daran beteiligt und dasselbe erlebe ich jetzt bei anderen Personen wieder. Eine andere Sache sind dann die Ausbilder, die einen on oben herab behandeln, als wäre man im Kindergarten.
D.H.: Hast du dem irgendetwas entgegengesetzt?
T.S.: Das Weib habe ich irgendwann abgeschaltet, das war irgendwann nicht mehr da für mich. Mit der zweiten Klasse wurde dann auch die Situation im ganzen besser. Gegenüber den Ausbildern dann erst im zweiten Jahr.Weil man in manchen sachen massiv und unter der Gürtellinie angemacht wurde, auch was Mann und Frau betrifft. Die haben sich auch einfach Sachen rausgenommen die nicht hinzunehmen waren. Dazu gesellen sich dann verschiedene Geschichten die man über diese Leute hört. Irgendwann muss man sich wehren, nur rechtliche Schritte habe ich noch nicht unternommen, da die Beweislage nicht schwer genug war.
D.H.: Wie waren denn die Reaktionen aus deinem Umfeld auf deinen Entschluss Polizistin zu werden?
T.S.: Unterschiedlich. Vielen Leuten habe ich es nicht erzählt. Was meine Eltern angeht, so war meine Mutter etwas besorgt, mein Vater fand es gut wegen dem Geld. Meine beste Freundin war überhaupt nicht begeistert davon und meinte, dass es überhaupt nicht zu mir passt und das ist so ziemlich die Meinung die alle anderen haben, weil ich bin einfach zu weich für den Beruf. Das sehe ich mittlerweile auch so.
D.H.: Wenn du jetzt an den Anfang deiner Ausbildung zurückdenkst und dich mit heute vergleichst, inwieweit hast du dich verändert?
T.S.: Die Veränderung ist klar. Ich bin direkt nach der Schule mit 16 dahin gekommen und bin jetzt im Januar das vierte Jahr in dieser Behörde. Die ersten zwei Jahre war ich einfach nur geschockt. Mein Leben war so gestaltet, dass ich auf Arbeit wie auf Arbeit war und ab 15 Uhr wenn ich Schluss hatte ein anderer Mensch war, eben so wie mich meine Freunde kennen.Teilweise hat auch meine Familie gesagt, ich sei total hart geworden, das hat sich aber geändert als icfh meinen freund kennen gelernt habe. Jetzt ist es einfach so, dass ich Privates und Beruf zu trennen versuche, was wirklich nicht einfach ist. Und durch das Verhalten der Ausbilder mir gegenüber bin ich auch viel selbstbewusster geworden.
D.H.: Welche Mittel gegen den Berufsfrust hast du entwickelt, sprich wie entspannst du dich nach 15 Uhr?
T.S.: Sich einfach an schönen Dingen freuen. Zum Beispiel, wenn man aus der Schule kommt die Sonne genießen oder sich mit Freunden treffen, was ich im ersten Jahr total vernachlässigt habe. Zu dieser Zeit war es einfach eine krasse Umstellung, erst jeden Tag mit der Freundin zusammen zu sein  und dann gar nicht mehr. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir uns wenigstens einmal in der Woche treffen, von da an ging es auch bergauf. Jetzt wird erstmal die nächste Reise zum Freund geplant, oder es wird Musik gehört, ins kino gegangen und das Abhängen habe ich auch wieder erlernt
D.H.: Besten Dank für das Interview.


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Donnerstag, 15. Juli 2010

Interview Ingo Volkmer


Wie lange bist du schon Schauspieler?

Ich bin ja eigentlich Sänger. Ich habe eine klassische Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin absolviert. Da hatte ich auch Schauspielunterricht, aber nicht so intensiv wie musikalische Fächer, also ich hatte Gesang, Klavier, Interpretation, Ensemblesingen, Gehörbildung, Tonsatz, Jazzdance und klassischen Tanz.
Dazu hatten wir noch viele Fächer die unnütz waren.
Damit meine ich Marxismus/ Leninismus, politische Ökonomie des Sozialismus und diese Fächer waren stundenmäßig mehr vertreten als meine Hauptfächer wie zum Beispiel Gesang, Klavier und auch Schauspiel. Von der medizinischen Seite aus hatten wir dann noch Stimmphysiologie, wo uns der Aufbau der Stimme erklärt wurde und wie man die Atmung einsetzen muss.

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