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Dienstag, 29. Dezember 2015

Die Sache mit dem Dschenda V

Ich hatte mal versucht meinen Onkel Maxe auf meine Seite in dieser Sache zu ziehen, aber er stellte sich klar auf die Seite meines Vaters und meinte irgendetwas von einem Familienverbund, der in sich konstruktiv funktional zu sein hatte.
Es gefiel mir lieber, wenn er fluchte und ergab mich meinem Schicksal.
„Na weil die Kerle richtig Geld verdienen wollen.“
Wieder zog sich der Bart von ihm durch ein breites Lächeln in die Breite und seine riesige Hand wackelte mit meinem Kopf, ohne mir dabei das Haar zu zerzausen, eine Kunst die nur er und mein Vater verstanden.
„Gut erkannt mein Kleiner, jetzt müssten nur noch alle anderen danach handeln.“
Wir waren an meinem Wohnhaus angelangt und stiegen gemächlich die Stufen hinauf.
Langsam merkte ich auch, wie meine Muskeln anfingen zu schmerzen, wie jedes Mal nach dem Training. Mir fiel auch wieder auf, dass sie immer im Treppenhaus anfingen zu schmerzen, so als wüssten meine Muskeln, dass sie sich gleich zum ausruhen hinlegen würden.
Mein Vater wartete schon an der Tür und ein leises Lächeln umspielte seine Lippen.
„Und weißt du jetzt worum es bei dem Gender gehen tut?“, fragte er mich mit einem oberlehrerhaften Ton, so als ob er mich für einen mündlichen Test prüfte.
„Ja, darum warum ich kein rosa mehr trage und warum Männer nur in Hotels kochen.“
Ich glaube mein Onkel Maxe verdrehte daraufhin leicht seine Augen um darauf wissend zu nicken, worauf das Lächeln meines Vaters so breit wurde, dass er beinahe seine Ohren verschluckt hätte.

„Na immerhin etwas.“


Es folgt:
Die Sache mit der Eiskönigin

Dienstag, 22. Dezember 2015

Die Sache mit dem Dschenda IV

Diesen Kleidungsstil hatte mein Onkel Maxe zusammen mit der Ausdrucksweise in seiner eigenen Art und Weise übernommen. Er sah immer so aus, als würde er gerade von einem Opernball kommen, nachdem noch eine ordentliche Party veranstaltet wurde.
Wenn der Bart nicht wäre, würde er wahrscheinlich das jüngere Ebenbild seines Vaters sein.
„Sehr gut und jetzt musst du dir vorstellen, dass es bei der Soziologie darum geht zu verstehen warum Menschen in Gruppen verschiedene Dinge tun, also die einen gucken wie es auf der Arbeit läuft, die anderen gucken was gewählt wird, oder wie es in der Stadt läuft oder wie es in Familien läuft und die Gender – Studies untersuchen zum Beispiel wie es zwischen den verschiedenen Geschlechtern läuft und wie sich die Geschlechterrollen entwickelt haben.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Die Sache mit dem Dschenda III

„Da hast du dich das letzte Mal mit der Tante Tanja drüber unterhalten.“
Wieder zeigte sich eine verwunderte Falte auf seiner Stirn, die sich jedoch gleich wieder glättete.
„Ach so!“ rief er aus um darauf gleich die Augen zu verdrehen und ein „Ach du Sch… schöne Neune“ hinterher zu schieben.
Dann schaute er mit seinen Augen kurz, über seine linke Schulter, so als ob er einem kleinen Engel oder Teufel zuhören würde. Vielleicht hörte er auch seinen Bruder lachen, dass er jetzt doch die Suppe auszulöffeln hatte, die er sich selber eingebrockt hatte.
„Ich versuche dann mal mein bestes,“ meinte er dann wieder zu mir und setzte sich in Bewegung um zur nächsten Bahn – Station zu gelangen und ich folgte ihm auf dem Fuße.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Die Sache mit dem Dschenda II

Ich war natürlich der Meinung, dass ich das schon längst alleine konnte, schließlich konnte ich doch auch schon alleine zur Schule und wieder zurück gehen, aber meine Eltern brachten immer wieder die Tatsache ins Spiel, dass meine Schule nur zwei Straßen entfernt war, mein Training jedoch zwei Bahn – Stationen und ich noch ein Jahr zu warten hätte. Dies diente mehr zur Erläuterung mir gegenüber und nicht als Diskussionsgrundlage, hatte ich doch immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass meine Eltern nicht mit uns Kindern diskutierten. Niederlagen auf diesem Gebiet erlitt auch immer wieder meine Schwester, wenn sie sich darüber beschwerte, dass sie mich abholen musste, obwohl ich doch schon groß genug sei, worauf sie mit einer beeindruckenden Gleichmütigkeit darauf hingewiesen wurde, dass es genauso lief, als sie noch in meinem Alter war.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Die Sache mit dem Dschenda I


„Sag mal Papa, was ist eigentlich Dschenda?“
Es gab Quarkkäulchen zum Frühstück. Meine Mutter hatte an diesem Tag Spätdienst und wie es so ihre Art war, die Gelegenheit genutzt um meinem Vater, der seines Zeichens ein ausgewiesener Langschläfer war, sein ansonsten angestammtes Revier streitig zu machen und unseren morgendlichen Start in den Tag mit einem frisch gebratenem Extra zu verfeinern.
Nicht umsonst war sie es auch, die Gebetsmühlenartig immer wiederholte, dass man seine Mahlzeiten nach der Devise „Kaiser – König – Bettelmann“ planen sollte und folgedessen das Kantinenessen in jeder Schule unter aller Sau war, ist und so bleiben würde.
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